Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 27 (2.3.1839)
- Date
- 1839-03-02
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
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27 NUN aber die heilige Schrift den guten Ruf nicht gering zu achten und Nichts, von den Gebräuchen aufzuheben, die heilige und größere Männer festgesetzt haben, als sie jetzt unter uns sind. So wollen wir also nicht etwa die gesetzlichen Gebräuche des Sabbats aufheben, FeUec anzünden oder im Lande, arbeiten, Lasten tragen, Klage anstellen, Recht sprechen, Geliehenes zurückfordern, Zinsen einziehen, oder etwas Anderes thun, was an andern nicht festlichen Zeiten verstauet ist, weil wir etwa wissen, daß die Siebenzahl uns die1 schöpferische Kraft des Ungezeugten und die natürliche. Unthatigkeit alles Erzeugten lehren solle. Auch wollen wir keineswegs die jährlichen festlichen Zusammenkünfte absiellen, weil sie Bild geistiger Freude und Dankes gegen Gott sind, oder die Ce.remonie der Beschneidung, weil sie die Ausscheidung alles Vergnügens und aller Leidenschaft überhaupt und die Vernichtung des gottlosen Jrrthums andeutet, nach welchem der Geist sich selbst für geschickt hält, Etwas zu erzeugen. . Wir würden ja auch sonst den Tempeldienst-und tausend Anderes verwerfen müssen, wenn wir uns blos an ^das halten wollten, was der geheime Sinn andeutet *)." > *) Ugovorixtov d3 wg fitydXov ngdyfiaxog, xulnoXXd, tuv fxtxu awfiuxog ßftov lurptXovvxog tvcfijutug. nugayivtxai ö3 uvxrj aytdbv unuaiv, odoi yuigovxtg avv aai.itviaf.iQ firjdiv xivovot x(Zv xu^tax^xdxwv voftificov dXXd rTjv nuxgiov noXixduv ovx dfitXQg (pvXuxxovciv, dal yug xivtg 0/ xoiig grjxovg vofiovg ovfißoXu voqtcov xiguyfidxtov vnoXuffßuvovxeg, zu ftiv uyuv 'fjxg/ßtoaav, x<Zv di ga&vfiwg (johyrjüQiioav, ovg ßfitxpuifvrjv uv tyiayt xrjg avytgtiag’ töu ydg dficpoxigcuv imfitXrj&ijvui, £77tijatwg xa xwv dcpuviZv dxgißeaxigug, xui xufuug xcov xpavtgQv dvamXrjnxov. vvvi ö3 dugneg iv igvfdu xu&3 iuvxovg ficvot tiZvxag-, jj dbwfiaxoi tyvyul ytyovoxtg, xuL fiTjxt nokiv, firjxt xwfirjv3 ftijx* ohiuv, fiijxs ovvo- Xcog 3iaoov dvO-gdmcav ddoxeg, tu öoxovvxu xotg noX- Xotg vntQXvtyuvxtg, xrtv nXy&tiuv yvfivijv uvxrjv i(p3 iavxfig igtvvcüatv, ovg 0 Ugbg Xoyog ötduaxai xgTjaxrjg inoh]Xptiog ntygovxixivai, xul firjdiv xtZv iv xotg a&tai Xvtiv ä d-taniaioi xal fid^ovg üv5gt£?j xud'3 rjfiug dig/oav. firi yug oxi. rt aßddfvr) dvvufawg fiiv xrjg inl to uytrrjxov, dnga^iag di xijg neg'i xo ytvrjxov öiöuyfiu iaii, tu in* avxfj vofio9'tTrj&evxu Xvioutv,. wg nvgtvavcdv, ytconovatv, 77 uyd’o^ogtTvy 77 iyxctXtTv, $ dixuteivs 7; Ttagaxaxa&^xu.g unanaiv, rj Suvuu dvanguTxatv, 7} xd uhXv. noiiiv, 00a xav roTg /ui]. togxwdaai xaigotg irptlxiu' fnjd3 oxi rj togxn avfißoXov 'ipvyixijg tvygocvrrjg iaxl xul xrg rtgbg $tov avyagiaxtug, dnoxu^w- Iutfra xatg xaxd xdg ixrjaiovg wgug navriyvgtat, fiijd’ oxl xo ntgtxiftvtad^ui rjdovQv xul na&ujv nuvxcov ixxofiijv, xul■ do$7]g ura/gtatv uaeßovg ifupaivti, xa&y -tjv XTiiXaßev b vovg ixuvbg tlval ytvvävt dß tuvxov, dviXco- Zn diesem Pri'nzlpe, das ich priveiplum irrekoiluribilitatis (sc. judaicae fidei) nenne, ist das Wechselverhältniß der Idee und ihrer Erscheinung km Iudenthume enthalten Wesen und Erscheinung, unzertrennlich sich einander bedingend, haben: ihren eigenen nothwendigen Gestaltungsgang und sind der Zufälligkeit und Willkür nicht unterworfen. Von jeher wurde die Uebertretung dieses Prinzips daher von allen jüdischen Religionsphilosophen als Unkenntniß des Judenthums, als Anmaßung und Frechheit, getadelt und entschieden verworfen, und das war es auch, nicht die harlytose Philosophie, wogegen die. oben erwähnten, von Herrn R. für Philosophiefeinde angesehenen 9kabbinen eiferr ten, die im Grunde mehr Einsicht und Wissenschaft besaßen, - als unser Verfasser ihnen zutraut *). Da aher die Wissenschaft eine Totalität ist, ein kreisförmiges Ganze, in dem Anfang und Ende eins und dasselbe, so gehört die vollkommene Erkenntniß ihrer Prinzipien zu ihren eigenen Resultaten, die daher erst mit dem allmalkgen Fortgange der Wissenschaft selbst eine immer mehr dem Inhalte entsprechende Form erhalten. Philo sprach das Prinzip der Unre-' formirbarkeit noch in einer sehr niedrigen Form aus, in der Form der Subjektivität) der sich eine andere Subjektivität fitv xbv inl rfi negtrofifj rtxHvxa vofiov ind xul xfjg ntgl xo Ugov dytaxtidg, xul ftvgttav ilXXtov ufttXwofiev, d ftovotg hgoai'igofitv xotg dt vnovoiQv S.r[kovfUvoig. — ") Auch die Erfahrung lehrt,- daß daö Judenthum nicht für Reform geschaffen, und daß eben weil es keiner Reform bedarf, eine solche auf keine Weise innerhalb desselben zu Stande gebracht werden kann. Alle, die sich dem Iudenthume zeither als Refvrnratorcn aufdrangen biü herab auf Frank/ vermochten trotz ihrer Machinationen und Gaukeleien auch nicht ein Jota abzuschaffcn, höchstens daß es ihnen, gelang, einige Individuen vom Glauben ihrer Värer ganz abtrünnig zu machen und zur Annahme einer-fremden Religion zu. verführen, welches in Bezug auf das ganze jüdische Volk noch weniger möglich ist/ Am schlagendsten beweisen dies ab'er die neuesten Reformations-Umtriebe. Schon seit einiger Zeit quält sich leider die'G ei g er'sche Propaganda vergebens ab, im Judenthume die Quasi-Zwingli'S abzugeben, wahrend die Gemeinden, die sich wieder hier als das Volk Gottes kund geben, ihnen daS Unschuldigste nicht gewahren wollen. Wer hätte je gedacht, - daß-das Perlangen nach einem geregelten Gottesdienste/den selbst unsere frömmsten Rabbinen, und gerado diese am meisten immer wünschten, so viel Anstoß bei den Gottcsfärchtigcn finden werde? Aber man weiß woher es kommt, man weiß welche Nebenabsichten damit verbunden sind, und hat Recht eS nicht zu gewähren, für jetzt nicht zu gewähren, diesen nicht zu gewähren. Ich' wollte immer unfern jetzigen Zustand in Deutschland mit unserer vormaligen Blüthczeit in Spanien vergleichen, erblicke ich,aber diese Reformer mit ihrer ekelhaften Elementar-Schulbuch- und Predigt-Literatur, in welcher nur von Wahn, Aberglauben und Menschenrechten die Rede ist, so vergeht mir dazu wahrlich die Lust. Israel ist jedoch stark-czenug, und wird gewiß bald auch diese Schmeißfliegen von sich'abfchütteln und ich muß sagen, "es giebt kein besseres Mittel, als — eins jüdisch-theologische Fakultät. Es knüpfen sich daran so viele schöne Hoffnungen für Religion, Wis-' senschaft Und Judenthum, daß man sie nur mit dem Wyrte Ausdrücken kann: jüdisch-theologische Fakultät!