Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 27 (2.3.1839)
- Date
- 1839-03-02
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
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106 der Heilkunde ist, seinem Vater besonders dargebracht. — Am nächsten Sabbattage wurde der Jubelgreis zur Tora aufgerufen, bei welchem Anlässe er den verschiedenen Wohlthätigkeilsanstalttn 160 Fl. Mz. spendete. Der tongewaltige Vorbeter des hiesigen Gotteshauses Herr Sulzer sang mit dem Chorpersonale einen Psalm ab., und Herr Mannheimer sprach eine geist- und erbauungsvolle bezügliche Rede. ' ' ' —. Der von der israelitischen Gemeinde zu Wien an ihrer Schule aß Religionslehrer angestellte Herr Breu.er hat von, der k. k. Nieder-Oeftr. Regierung ein schmeichelhaftes und seine erfolgvolle Thatigkeit würdigendes Belobungsdekret erhalten. . —. Der. dreizehnjährige Adolph Simon, Sohn eines verstorbenen israelitischen Kaufmanns erregte in der hiesigen musikalischen Welt durch sein Violinspiel allgemeine Theilnahme und läßt bei fortgesetztem Studium die Entwickelung eines bedeutenden Talentes hoffen, das ihm bei seinem letzten Auftreten im Musikvereinssaale ein dreimaliges, stürmisches Hervorrufen erzielte. —. Herr Joseph Wertheimer, Vertreter der hiesigen Gemeinde, bekannt und geehrt durch seine philanthropischen Bestrebungen, der Gründer der ersten Kinderwartanstalt im Oestreichischen Staate, (deren Vorsteher er und deren oberste Schutzfrau. Ihre Maj. die Kaiserin Mutter ist), Stifter eines Pensionssondes für die Bethausbeamten, hat neben seinen menschenfreundlichen und historisch gewordenen Bemühungen sich auch auf dem literarisch' dramatischen Gebiete Beifall und Anerkennung^erivorben. Im I. 1833 brachte das k. k. Hofburgtheater'ein Dramas 5 Akten „Der Buckelige" nach Shrrld'an Knowles^r^Äufführung. Der geistreiche Bearbeiter noch nicht gekannten englischrn^ÄWtts erndtete allgemeinen Beifall, der ihn zum Fortschreiten auch auf dieser glücklich betretenen Bahn ermuntern mußte. Im Jahre 1837 gab er bei Gerold in Wien seine dramatischenMeitrage heraus, die neben dem Buckeligen noch zwei Lustspiele nach dem Englischen. und ein Originaldrama in Versen „Der Hirtensohn" brachten. Letzteres wurde im k. k. Hofburgtheater am 29. Januar d. I. mit entschiedenem Beifalle aufgeführt. Da das Stück im Drucke vorliegt und bereits in Stuttgart gegeben wurde, so enthalten wir uns der Jnhaltsanzeige und bemerken nur, daß die auf heitere Weise und in lieblichen Formen vörgeführte Emanzipationsidee begriffen wurde. Das zahlreiche Publikum und der Allerhöchste Hof folgten aufmerksam und mit Beifallszeichen der Vorstellung, die seit dem sich schon dreimal' wiederholt hat» ' —. Der Großfürst hat in Rom auch das Atelier des jüdischen MälerS' Leopold Pollak besucht, und zwei Bilder bei diesem, Geist - und Farbenreichen Künstler bestellt. * Heilbronn, 15. Febr. (Privatmitth.). Nun werden in Balde unsere sämmtlichen Rabbinatsstellen defi-' nitiv besetzt sein. Das Königreich Würtemberg zählt nämlich bei einer Bevölkerung von 11,000 Israeliten die in 41 Kirchengemeinden eingetheilt sind, 13 Rabbiyate, worunter 8 Bezkrksrabbinate^mit mehr oder weniger Parcellen, und 5-Ortsrabbittate sind, die größtenthekls auf einen einzigen. Ort beschrankt find. Da im März v. I. eine zweite Prüfung in Stuttgart vorgenommen worden, wodurch 4 Kandidaten Rabbinatsdkensttüchtig erklärt wurden, so.werden dieselben auf die 4 noch erledigten Stellen kommen, deren Amtsverwefer sie schon seit mehreren Jahren sind^ Sehr weise dürfte es von unserer Oberkirchen-Behörde sein, wenn sie wieder, wie im Jahr 18^ eine allgemeine Versetzung Vorschlägen würde, eine Maaßcegel, dH bei der heutigen kirchlichen Reorganisation sehr viel Gutes hat. Es herrscht daher im Augenblick bei uns gewissermaßen eine Spannung, die sich aber im Hinblick auf die Umsicht und Sachkenntniß von Seiten unserer höchsten Behörden bald zur Zufriedenheit aller Betheiligten lösen dürfte.' Stuttgart, 16. .Febr. (Privatmitth.). An die Stelle'des verstorbenen allgemein: betrauerten Commerzienraths Nathan Wolff Kaulla, Mitglieds der K. würtemb. israelitischM Oberkirchenbehörde ist Med. Dr. Dreifuß in dieses Kollegium gewählt worden. Man kann diese Wahl nur eine glückliche nennerk. Die Energie, das eifrige Bestreben desselben für das Wohl der Israeliten unsers Landes, wie seine allgemeine Menschenliebe gegen Jedermann, seine unermüdeten Bemühungen für das Gedeihen des israelitischen Waisen-Vereins, dessen Vorstand vr. Dreifuß schon seit dessen Errichtung ist, seine sprückwört-lich gewordene Leutseligkeit lassen nur Gutes erwarten. Dieser Tage leitete vr. Dreifuß auch in der Musik pielfach. bewandert, unter Mitwirkung einiger Künstler vom K. Hoftheater-Personal ein Concert im Museum dahier, wobei er. allgemeines Lob arndtete. ' Bei dem eben berührten Concerte wirkte auch ein junger Künstler, israelitischen Glaubens, Sontheim mit, Lob und Aufmunterungen aller Art wurden ihm zu Theil. — Auch unser Abenheim hat allgemeine Zufriedenheit sich erworben, indem.er in Abwesenheit des Kapellmeisters Lkndpaintner und Molique deren Stelle, unter Anerkennung seines Kunsttalents, ausfüllte. \ Stuttgart, 17. Febr. (Privatmitth.). Auch im vorigen' Jahr hat unser Waisen - Verein wieder mit Segen gewirkt. Zur Feier des König!. Geburtsfestes wurden wieder 6 theils Waisen, theils verwahrloste Kinder ausgenommen, so daß seit dem Bestehen des Vereins von demselben (einschließlich der in diesem und vorigem Iahe ausgetretenen) 45 Kinder in Versorgung genommen worden. Bei dieser Feierlichkeit hielt der Vorstand, Vr. Dreifuß, wieder eine so gehaltvolle, Gemüth und Verstand ansprechende Rede, daß alle Herzen davon ergriffen wurden, was man als gute Vorbedeutung anzufehen berechtigt ist, indem man erwartet, daß die Theilnahme', die jetzt schon groß ist, mit jedem Tage sich steigern wird. Auch muß. die Thatkgkeit des ganzen Ausschusses gerühmt werden, indem derselbe von Zeit zu, Zeit Mitglieder aus seiner Mitte ins ganze Land, wo Kinder in Verpflegung sind, absendet, um genaue Jnspection zu halten, ob die Bedingungen eingehalten werden, unter , welchen, den.Pflegeltern die Pfleglinge anver- ' traut wo.rden sind."