Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 27 (2.3.1839)
- Date
- 1839-03-02
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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407 Tagcs-Controle. Adeorama von Carovv. Leipzig. 1838. 3'Bde. (Fortsetzung.)- Je freisinniger über Carove im. Gebiete der Religion urtheklt, je mehr er eine jede zu würdigen geneigt ist, desto auffallender bleibt es, auch bei ihm jene widersinnige, unhistorische und unphilosophische Ansicht zu . finden, die schon so oft von uns und Anderen widerlegt worden ist, (S.21): „Das Judenthum (es ist von dem Entstehen der christlichen Religion die Rede —) schied aus dem Reiche des Le-/ bens und erstarrte zur Mumie; die weltliche Gewalt mußte sich nnter die geistliche beugen — die alte Naturreligion ging unter, und eine neue Weltordnung erhob sich triumphirend über den Trümmern der alten Kirche, des alten Staates uttb, der alten Dogmatik." Wir haben es hier mit einem so schätzbaren Manne zu thun, daß wir uns noch einmal die Mühe nicht verdrießen lassen wollen, diese Phrase etwas naher zu untersuchen. Was soll das heißen: „Das Judenthum schied, aus dem Reiche des Lebens?" Weiß Herr Carove nicht, daß, erst nach der Zerstörung Jerusalems jenes schöpferische umfassende Leben des Judenthums begann, welches in der ganzen talmudischen, geonischen, rabbinischen Periode eine ungeheure Literatur, die ihre legislative, juridische, kanonische, philosophische, poetische, mystische, kabbalistische, liturgische, grammatische, scientifische' ff. Gebiete umfassend^ bearbeitete, hervorbrachte, und vermag diesein aus dem Leben Geschiedenes? Weiß Herr Carove nicht, daß erst nach der Zerstörung Jerusalems das Judenthum sich zu dem organisch gegliederten. Körper mit sicherer Lebenstendenz, mit breiter Gründlag^ und hoher Spitze. schuf? Weiß Herr Carove Nicht, daß erst nach der Zerstörung Jerusalems das Judenthum seinen ganzen intensiv unermeßlichen Ritus schuf (natürlich mit Aufnahme früherer, überlieferter Stücke), einen Ritus, der den ganzen Tempelkultus ersetzen mußte, einen Ritus, der durch alle Länder der Erde reichen sollte, einen Ritus, der in die zarten Hände der Frauen, selbst Gebetbücher in Folio und Quart brachte,. und vermag dies ein aus dem Leben Geschiedenes? Weiß. Herr Carove nicht, daß nach der Zerstörung Jerusalems' die Judenheit und das Judenthum die traurige und schwieg rige Aufgabe hatte, sich dem.bürgerlichen, politischen «yd/ legislativen Leben unzähliger Völker und von 20 Jahrhunderten anzuschmiegen und einzuordnen/ und daß es dies - vermochte,, ohne zu zerfallen, ohne sich und seineü eigenthümlichen Charakter zu zerstören, sondern auf ganz organischem Wege —und vermag dies ein .aus dem Leben Geschiedenes? Weiß Herr Carove nicht, daß das Judenthum, wie noch keine Religion, noch keine Philosophie, noch keine Dottrinvermochte, selbst in den 'schrecklichsten Kämpfen, selbst bei den reizendsten Lockungen feine acht Millionen Anhänger zu begeistern und treu zu erhalten, und vermag dies ein Todtes Liegendes? , Weiß Herr Carove «icht, daß zu diesem Allem das Judenthum keine Stvffe und Werkzeuge von Außen holte, die zurückgebliebenen Materialien einer vergangenen Welt nicht anwandte, sondern Alles aus sich selbst hervorbrachte, und vermag dies ein aus dem Leben Geschiedenes? Der palästinensische Staüt der Juden hörte auf, dieser schied aus dem Leben, die äußere Selbstständigkeit des jüdischen Volkes — aber nimmer verfiel oder erstarrte das Leben des Judenthums, ja dieses begann erst^ recht mit dem Falle Jerusalems — und jenes haben ja die Legionen der heidnischen Römer bewirkt? Es ist^ an der Zeit, daß jene hohle, beliebte Phrase einmal schwinde' aus dem Munde der Vernünftigen, und fordern wir hier- ' mit Herrn Carove öffentlich ' auf, sich - darüber jetzt eines Näheren zu erklären, damit wir im Stande feien, auch noch die letzten desfallsigen Zweifel zu entfernen. Und dies wird' ihm um so leichter sein, da er an andern Orten (S. 107) „die wunderbare Lebenskraft der jüdischen Rch'gion" rüh- . mend anerkannt! —^ Auch mit den andern Phrasen im oben angeführten Satze' Carove's steht es sehr fraglich, da ja die jüdische Priesterschaft nicht, wie Carove meint, vom Christenthum besiegt, sondern im Gegentheil ado.ptirt wurde, da ja die hellenische Philosophie immer wieder auferständ imScholafticismus, wie im Descartes, und bis auf den heutigen Tag in die neuere verwachsen ist. Doch gehört dies nicht in unsere Gebiete, auf denen wir schön genug beschäftigt sind. : - - Seite 94 des dritten Bandes beginnt, endlich eine Reihe kleiner Aussätze über Jüdisches. Die ersten Nummern sind hier und da entnommene Notizen, ohne große Bedeutung, nur Nr. 12^ 15 und 16 , Recensionen über Geiger's Zeitschrift, Haas und Weil's Schriften über Emanzipation enthaltend, sind von. Belang, und liegen hier unserer Betrachtujjg; vor. •'',Ake/BmMktüntz -der'- Gekger'fchm' Zeitschrift ist wahv- 'HM gediegen;/ Es werden die Resultate d^rsetben mit einer überraschenden Klarheit dargelegt, das Schwankende, ÜvzuverlaMe.,--^a^Wiüerfprechende ..in..^ ihren. Ansprüchen mit Schärfe' hervorgehoben, und das fast sehnsüchtige Streben 1r;:j .7 ■-)