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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-19 · Heft 22 (19.2.1839) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 22 (19.2.1839)
Date
1839-02-19
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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87 Carove schließt sich denen an, welche das erste Buch Mosis für ein Conglomerat von Fragmenten halten. Es ist hier nicht der Ott, diese Ansicht zu bekämpfen. Glücklicher Weise ist in der neuern Zeit wenigstens schon so viel erkämpft worden (Ewald- Vatke), daß man nicht mehr mit verächtlichem Achselzucken begrüßt wird, wenn man sich dieser sonderbaren Ansicht gegenüberstellt. Sonderbar nenne ich sie: denn wenn Schleiermacher einmal sagt, er' finde es sehr lächerlich zu glauben, daß die Evangelisten über mehrere Urkunden gesessen, und ihre Berichte bald hierher, bald dorther zusammengestoppelt hätten:., so kann man es doch wohl-noch sonderbarer finden, wenn man es von einem Abfässer viele Jahrhunderte früher annehmen will. Es thut hier aber nichts zur Sache. Das Apercu Carovä's besteht .nun darin, daß die h. Schrift die Menschengeschichte nicht „mit einer goldenen Zeit, sondern mit boshafter Verführung, Unglauben und Ungehorsam — mit Lug und Fluch und Brudermord" beginnen läßt. Dies führt er durch die Geschichte-des Paradieses, Kajins, der Fluch und weiter. Dem frommen Noach folgt sogleich Verspottung des Vaters und Verfluchung des Sohnes, der Thurmbau, dem frommen Abrahatn der Untergang Sodom's. Aus drei Generationen-wird nur immer Ein Sohn ausgewählt. Der Drucken Egypten und die Strafgerichte über Egypten folgen. Es ist. nun wieder nur ein Volk, und in ihm einige Häupter, durch die der Segen Gottes sich foctpflanzt. — Hiermit endigf Carove. Er findet also keine Lösung dieses Problems. Und dennoch lieget diese so nahe. Die heilige Schrift will hiermit die Nothwendigkeit der Gottes begründen und Nachweisen; sie will zeigen, wie der Mensch ohne diese Offenbarung immer in endlose Wirren, in Verderben und heilloses Verlorensein versank, und wie somit die Offenbarung nothwendig, unumgänglich nothwendig war, um Wahrheit und Recht in unumstößlicher Fassung im Menschen Heraufzusühren. Es ist aber-sehr leicht, sich zu erklären, warum diese Offenbarung . nicht mit einem Male und in ihrem ganzen Umfange der gesummten Menschheit eingeimpft wurde, sondern blos einem Volke, von dem sie im Laufe der Jahrtausende rück- und theilweise ausgehen und sich immer weiter verbreiten solltedarum nämlich, /weil, die Offenbarung keine göttliche Zwangsanstalt, sondern auch eine Stätte der menschlichen Freiheit sein sollte, welche letztere denn gar oft dieselbe antasten, verstümmeln und, verhüllen sollte, bis einst das ganze Licht entschleiert würde, und hieran der Mensch auch sein eigen Wirken gehabt hätte. " ' ' '' * ’ Die heilige Schrift,, namentlich in ihren ersten Theilen, stellt wenig abstrakte Lehren auf, sondern giebt diese auf faktischem Wege. Dies ist der Schlüssel zu jenem Problem. Das Nähere wird man in dem Commentar unseres Bibelwerkes finden. In dem dritten Bande treffen wir nun erst recht auf die'Aussprache des Verf. über unsere Angelegenheiten. In mitten allgemeiner . Betrachtungen über Religion, religiöse Gestaltung, über religiöse Verfassung in Vergangenheit und Zukunft, richtet er seinen Blick oft auf das Judenthum. Die Grundanschauung Carovv's ist offenbar die/ daß nach Judenthum und Christenthum noch ein drittes, ein -dritter Bund zu erwarten stehe, der die ganze Menschheit umfassen wird, und der zum Theil schon jetzt.sich, verwirklicht habe. So sagt er, in dem Aufsatze „die drei Bünde" S. 79. „Was aber regt sich seit hundert Jahren immer lebenskräftiger in. den gebildeten Völkern der neuen uyd alten Welt, als das Verlangen, als das Streben, ohne Rücksicht auf die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse sich als Brüder mit einander zu verbinden und das Allgemeinmenschliche als ein unverbrüchliches Band, als offenbare Religion zur Anerkennung zu bringen? Welche Wahrtzeit ist bereits allgemeiner anerkannt, als die, daß jedee Mensch Gott nur-nach seinem Gewissen zu verehren habe, daß er für Alles, was nicht dem Allgemein.rechtlichen. zuwider, nur allein Gott verantwortlich sei, und daß der Werth und die Würde seines Glaubens, also der Religion im enge'rn Sinne des Wortes, — seinen Maßstab daran habe, daß er sich werkthätig als wohlthuend erweise gegen alle Menschen ohne Unterschied der Kirche, 'zu welcher, sie gehören? — Wir gtauben, schließt unser Verf., daher die Frage wiederholen zu dürfen: ist nicht eine neue Religion — wie das Chcistenthum'neu war in Beziehung auf das Judenthum, — bereits in das Leben getreten, — ist nicht wirklich schon ein neuer Bund.im Geiste und in der Wahrheit geschlossen?" Indem wir über die Thatsache, die in diesen Worten liegt, dem Herrn Carovö brüderlich die Hand drücken, will uns die Auffassung derselben doch nicht die genaueste und schärfste dünken. Ist es nicht vielmehr die Anerkennung daß das moralische Element der Religionen sich immermehi> als ein einiges, allgemeinmenschliches, herausstellt, daß dieses zugleich immer mehr ein Element des wirklichen' Lebens wird, was .die Menschen als Brüder vereinigt4 .Istes nicht vielmehr, die Anerkennung, daß diese allgemeine/ Mocaljrät sich immermehr unabhängig stellt von.den Lehr-/ sätzen der Kirchen insofern, als die Verschiedenheit dieser jener die wirkliche Ausführung nicht mehr behindert? Die

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