Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 21 (16.2.1839)
- Date
- 1839-02-16
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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19 Mendelssohn aus, dessen Worte er anführt und mit Nachdruck gegen diese sogenannten Schüler Mendelssohns vertheidigt und geltend macht. Ich glaube wir thun besser und lesen Mendelssohn selber nach- und um. es bequemer zu haben setze ich die betreffenden angezogenen Stellen gleich hierher: „Blos in Absicht auf Geschichtswahrheiten, dünkt mich, sei es der allerhöchsten Weisheit anständigdie Menschen auf menschliche Weise, d. i. durch Worte und Schrift, zu unterrichten, und wo es zur Bewahrung des Ansehens und der Glaubwürdigkeit erforderlich war, außerordentliche Dinge und Wunder in der Natur geschehen zu lassen. Jene ewigen Wahrheiten hingegen , in so weit sie zum Heile und zur Glückseligkeit der Menschen nützlich sind, lehrt Gott auf eine der Gottheit gemäßere Weise, nicht durch Laut und Schriftzeichen, die hier und da, diesem und jenem verständlich sind,- sondern durch die Schöpfung selbst und ihre innerlichen Verhältnisse > die allen Menschen leserlich und verständlich sind." — „Wenn denn das menschliche Geschlecht ohne Offenbarung verderbt und elend sein müßte, warum hat denn der bei weitem größere Theil desselben von jeher ohne.wahre Offenbarung gelebt, -oder warum müssen beide Indien warten, bis es den Europäern gefällt, ihnen einige Tröster zu senden, die ihnen Botschaft bringen sollen, ohne welche sie, dieser Meinung nach, weder tugendhaft, noch glückselig leben können? ihnen Botschaft zu bringen, die sie ihren Umständen, und der Lage ihrer Erkenntniß nach, weder recht verstehen, noch gehörig brauchen können?" *). „In der That sehe ich nicht, wie diejenigen, die in dem Hause Iakob's geboren sind, sich auf irgend eine gewissenhafte Weise, vom Gesetze entledigen können. Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen, hiev und da, wo der Gesetzgeber keinen Grund angegeben, einen Grund zu vermuthen, der vielleicht an Zeit und Ort und Umstande gebunden gewesen, vielleicht mit Zeit und Ort und Umstanden verändert werden kann — wenn es dem allerhöchsten Gesetzgeber gefallen wird, uns seinen Willen darüber zu erkennen zu geben; so laut, so öffentlich, so über alle Zweifel und Bedenklichkeit hinweg zu erkennen zu geben, als Er das Gesetz selbst gegeben hat. So lange dieses nicht geschieht, so lange wir keine so authentische Befreiung vom Gesetze aufzuweisen haben, kann uns unsere Vernünftelei nicht von dem strengen Gehorsam befreien, den wir dem Gesetze schuldig sind, und die Ehrfurcht vor Gott zieht eine Granze zwischen Spekulation und Ausübung,, die kein'Gewissenhafter überschreiten darf-— *) Erwähnte Wiener GesammtauSgabe S. 253, 259. Gesetze, die mit Landekgenthum und Landeseinrichtung in nothwendiger Verbindung stehen, führen ihre Befreiung mit sich. Ohne , Tempel und Priesterthum und außerhalb Judäa, finden weder Opfer noch Reinigungsgesetz, -noch prkesterliche Abgabe Statt, in so weit sie vom Landeigenthume abhangm. Aber persönliche Gebote, Pflichten, die dem Sohne Israels, ohne Rücksicht auf Tempeldkenst und Landekgenthum in Palästina, aufeclegt worden sind, müssen, so viel wir einsehen können, strenge nach den Worten des Gesetzes beobachtet werden, bis es dem Allerhöchsten gefallen wird, unser Gewissen zu beruhigen, und die Abstellung derselben laut und öffentlich bekannt zu machen"). Mit diesen mächtigen Waffen schlagt Herr Reggio seine Gegner aus dem Felde und fragt, wenn sie sich Schüler Mendelssohns nennen, warum sie seiner unzweideutigen Erklärung zum Holme solch verderbliche Ansichten hegen und sogar ihm diese verwegener Weise andichten. Jedoch gibt er sich damit nicht zufrieden, er versucht von Grunv aus eine neue Theorie der jüdischen Glaubenslehren aufzustellen und schickt eine Lehre voraus über die Welt un,d den Menschen, die er aus.,den Werken Wessely's herausgelesen zu baden versichert. Das geschieht im dritten und vierten Kapitel. .In unserer jetzigen Welt ist, nach seiner Meinung, Alles in einem gefallenen Zustande; die Welt und der Mensch waren ursprünglich besser und schöpfungswürdiger, die Atmosphäre hatte keine Gewitter, die Sonne leuchtete heller, die Pflanzen gediehen schnell und waren durchaus, edel und nahrsam, das Thier und der Mensch aßen nur die Früchte des Feldes und waren daher viel friedsamer, leidenschaftsloser, mordeten sich nicht einander, und der Mensch war! für das ewige Leben bestimmt. Darauf deuten Gen. 2, 6. Jesaj. 30, 26. Gen. 1, 30. 3, 16, 17. Erst als der Mensch das göttliche Gebot übectcat, ward er mit dem Tode bestraft und er siel, und mit ihm die sünderfüllte Welt. Bei diesem verderbten Zustande soll es aber nicht ewig verharren; die Welt und der Mensch gehen einer Erlösung entgegen, sie erringen einst die verlorene Beschaffenheit und Sündenreinheit »nieder, wie es in den Weissagungen der Propheten über die Zukunft ausgesprochen, ist: Deut. 30,6. Jesaj. 11, 6, 7, 8. 25, 8. Joel 3, 1. * Z-ph. 3, 9. Zach. 14, 9. rc. re. Damit aber auch die Erlösung nicht durch immer tieferes Sinken der gefallenen Menschheit unmöglich werde, erwählte sich Gott die Nachkommenschaft Abrahams, seines Lieblings, zum Volke, an deren Verdiensten die anderen Völker sich aufrichten, und mit deren angeerbten Seelenadel das Gute und. sittliche in der Welt fortgepflanzt ") Ebend. S. 287.