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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-16 · Heft 21 (16.2.1839) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 21 (16.2.1839)
Date
1839-02-16
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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18 bei solchen Darstellungen immer der Fall, behalt der Verfasser das Recht. - Wir sind nunmehr den ersten Haupttheil durch, und wenn wir^uns Rechenschaft geben wollen über das Bisherige, so'finden wir, daß es vom Standpunkte der Wissenschaft aus wenig Berücksichtigung verdient; es entspricht auch dem Titel des Buches nicht im Mindesten. In den ganzen drei Abschnitten' begegneten wir keinem einzigen spekulativen Gedanken, oder wenigstens einem tiefem Blick in das Wesen des Judenthums, von dem man sagen könnte, er. hätte etwas Philosophisches an sich; von einer jüdischen Religionsphilosophie weiß Herr Reggio eben so wenig, wie die übrige seichte Literatur unserer Zeit. Alles treibt hier auf der. Oberfläche herum und verräth zu sehr die Leerheit, die sich jetzt unserer Wissenschaft, unserer Literatur, unsres Speiulirens und Denkens durchweg bemächtigt. Eines ist hier doch nicht zu übersehen, nämlich die Ahnung der für ihn noch nicht klar ins Bewußtsein getretenen Ansicht einer 'selbstständigen jüdischen Religionsphilosophie. Bei jedem Schritte, auf jeder Seite, nach der weitläufigsten Auseinandersetzung folgt immer zur stärker» Beweisführung eine Zusammenstellung jüdischer Religionsphilosophen, die der Religiosität unbeschadet mit Philosophie sich beschäftigt hätten, die mit einem Worte Religion und Philosophie in sich zum innigsten Einklang gebracht. Erklären konnte sich freilich Herr Reggio diese Erscheinung nicht, aber eine dunkle Dämmerung lag tief im Hintergründe seiner Seele, die als Uebergang zum klar ausgesprochenen Gedanken für die Geschichte nicht ganz ohne Interesse verbleibt. Die Zusammenstellungen im „Teuda Be-Jisrael" von Löwensohn und im „Kinat ha-Emet" von Misis sind zu unbedeutend und zu sehr mit polemischen Tendenzen vermengt, als daß sie unserm würdigen Verfasser den Rang ablaufen könnten. Indessen bietet das „Tora und Philosophie" in vielfacher Hinsicht Punkte der Vergleichung mit den genannten dar, und in der That scheinen gleiche Umstände in den verschiedensten Ländern diese Art von Produkten hervorgerufen zu höben, deren Besprechung in die allgemeine Literaturgeschichte gehört. Nach Versicherung unseres Verfassers soll der vierte Abschnitt die angekündigte Versöhnung enthalten; anstatt vorwortlichen Muthmaßungen wollen wir uns lieber gleich an ihn selber machen. Des vierten Abschnittes erstes Kapitel legt vorerst die Meinung der neueren Philosophen (Frkedländer, Peter Beer, Johlion rc.) in Deutschland über die Grundlehren unserer Religion auseinander, um an ihr den Ueberfchritt der Philosophie aus den zu bestimmenden Grenzen aufzuzeigen, woraus sich alsdann die unverletzbaren Rechte beider, der Religion und der Philosophie, um so' leichter ergeben würden. Um dev Emancipation der- Juden das letzte Hinderniß-zu nehmen, sollen diese Philosophen die Grundlehten unserer Religion denen der natürlichen gleich, die Offenbarung für ein Erziehungsmittel des ganzen Menschengeschlechts zur Erkenntniß dieser Wahrheiten, und alle Gesetze der Tora für bloße Einschärfungsmittel derselben gehalten haben, woraus sie dann gefolgert, daß diejenigen Ceremonialgesetze, welche für unsere Zeit ihre Wirkung verloren, ohne Umstände abgefchafft und als unnöthige Scheidewand zwischen Juden und Christen völlig aufgehoben werden müssen. Darüber, entrüstet, ruft Herr Reggio aus: Das ist die Frucht der Philosophie der Juden in unserer Zeit! Das ist die Endabsicht der Philosophen in Deutschland!, Recht innig theilen wir den frommen Unwillen des Herrn Reggio können uns aber trösten, da ja dieses schale Raisonnement weder Philosophie, noch jene Raisonneurs Philosophen. Das ist vielmehr die' Thörheit, die Frechheit, die Zügellosigkeit, der man zu jeder Zeit, auf jedem Ort, in jedem Lande begegnet, die nicht Folge der Wissenschaft, sondern ihre Feindin ist. Die erhabene göttliche Wissenschaft, der eitlen Subjektivität zu Trotz, wandelt ihren majestätischen Gang ungestört fort, läßt höchstens im Vorbeigehen kaltblütig einen verächtlichen Blick auf' sie gleiten, wohl wissend, daß wie sie gekommen, sie auch wieder verschwindet, spurlos, einflußlos, ohne Etwas zucückzulassen außer der eigenen Schmach*). —, Eine Widerlegung der obigen nsicht enthält das zweite Kapitel; es will erstens nicht zugehen, daß die Offenbarung das Bekanntmachen der ewigen Wahrheiten, welche zur Glückseligkeit des ganzen Menschengeschlechts erforderlich sind, bezweckte, noch daß die Ceremonialgesetze in irgend einem Verhältniß mit denselben standen, daraus der Schluß zu ziehen wäre, daß mit dem Aufhören der Wirksamkeit auch die Verbindlichkeit wegsiele. Die Forschungen der Philosophen nach Erklärungsgründen der Gesetze, wftd hier behauptet, seien unnütze Spielerei; man könne die Tora nicht begreifen und müsse dem göttlichen Gesetzgeber unbedingten Gehorsam leisten, so lange er es selber nicht für gut finde, uns dessen zu entheben. Wie natürlich ging dabei unser Verfasser von *') Ein früherer Beurtheiler. Reggio'6 bemühte sich sonderbarerweise diese Reformer in ein System zu bringen und besonders als Folge der Mendelssobn'schen Ansicht vom Judenrhyme darzustellen. Eber könnte inan sie dem Maimuni und den übrigen Religionsphilosophen aufbürden, die über mit»“ ‘WM geschrieben; aber wie will man überhaupt Unvernunft tm Vernunft knüpfen'! Gleiches gebiert Gleiches und die Unvernunft ist keine Seltenheit, daß man sie erklären müßte; einen starken Vorrath vieres die Geigerssche Zeitschrift. , ' .

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