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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-16 · Heft 21 (16.2.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 21 (16.2.1839)
Date
1839-02-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ü. Jahrgang. Literarisches No. S , und homtIetisches Betblatt. Leipzig, den 16. Februar 1839. L i t t t a t u t. Beiträge zur Literatur der jüdischen Religionsphilosophie, ,mitgetheilt. -von Vr. I. Goldenthal. (Fortsetzung.) Des dritten Abschnittes erstes Kapitel unternimmt nun ferner, nachdem die Philosophie vor dem Hauptangriss geschützt ist, auch einige Nebeneinwendungen,, von den Gegnern gewöhnlich im Munde geführt, zu widerlegen. Einen solchen Hinwand bildet zunächst der bekannte Widerstreit zwischen Glauben und Wissen. Es wird die Unvereinbarkeit der .Philosophie mit der Religion dadurch bewiesen, daß jene immer wissen will, d. h. Gründe des Fürwahrhaltens verlangt, diese aber Glauben d. h. das Annehmen auf bloße Autorität empfiehlt. Dem wird hier entgegnet, daß der Glaube falsch sein kann, wenn er ein völlig blindes Verlassen ausAndere; wie oft hatte die mittheilende Person ihr Interesse , dabei, uns etwas Falsches zu berichten, oder besäße micht die gehörigen Kenntnisse, den Gegenstand der Mitteilung der Wahrheit gemäß' aufzufassen, und dergleichen.mehr. Der wahre Glaube erheischt also auch Gründe, nur mit dem Unterschiede, daß der Philosoph diese in der Sache .selbst sucht, und der Glaubende außer derselben, wie in der Glaubwürdigkeit der mittheilenden Person u. s. w.; dagegen gibt es "wiederum Gegenstände, bei denen der Philosoph auf innere Gründe verzichten, und' sich auch 'nur mit äußern begnügen muß, wie bei den Thatsachen der Geschichte. In unserer Religion, deren Vorschriften allesammt durch die göttliche Autorität verbürgt sind, würde daher die Philosophie keine anderen Gründe mehr verlangen und, gleich dem wahren Glauben, mit diesem äußern Grund sich zufrieden stellen lassen, um so eher, da selbst die stärksten Vernunft- I beweise schwach und begränzt seien im Vergleich mit der göttlichen Ucvernunft. Auf ähnliche. Weise bringt das zweite Kapitel den Vorwurf, daß eine Philosophie immer die andre zu widerlegen suche, zur Sprache und will das nur auf die Philosophen, wegen ihrer anmaßlichen Hypothesensucht, bezogen wissen, nicht auf die Philosophie. So sei zum Beispiel die Logik des Aristoteles noch bis auf den heutigen Tag unangefochten geblieben, während 'seine übrige Philosophie, weil sie gar keinen Halt hatte, schon längst andern gewichen. Unter der Ueberschrift: „ob die Philosophie der Tora widerspricht" fahrt das dritte Kapitel fort zu erweisen, daß man die philosophische Forschung auch,auf die Tora anwenden darf, weil die in ihr enthaltenen Gesetze nur übervernünftkg, und das Uebervernünftige weit verschieden von dem Widervernünftigen *). „Ob die Philosophie der Tradition widerspricht" dkese Frage trägt-das vierte Kapitel als Ueberschrift, worin jedoch blos von, der Vortrefflichkekt des Sefer ha-Jad von Makmuni die Rede ist, sowie daß man die Hagada unkommentirt bei Seite siegen lassen solle. Das fünfte und letzte Kapitel enthalt ein Tischgespräch des Verfassers mit einem bei ihm gastirenden Rabbinen über den Gegenstand der bisherigen Untersuchung, da wird hin und her gestritten, gemeint und behauptet, und apr Ende, wie *) Der Widerspruch liegt hier offen: wenn trie Tora durchaus über alle menschliche Vernunft, wie ist in ihr philosophische Forschung möglich? Was hilft, waS nützt diese? Abgesehen davon, daß die Untersuchung, ob man die Philosophie in der Tora gebrauchen dürfe, von einer völligen Unkenntniß des JudenthumS zeugt und fast lächerlich ist. Dasselbe kehrt aher in .diesem Buche unzählige Mal wieder, auf jeder Seite heißt es, die Tora wäre gar nicht zu begreifen, und gleich darauf wird von minln mYlÖ gesprochen, ohne zu bedenken, daß, waS von keinem Menschen begriffen werden kann, kein *710 mehr ist, sondern etwas schlechthin Aufgebürdetcs.' Selbst in seinen übrigen Werken gebraucht Herr Reggio eine bei ihm zur Natur gewordene Manier, am Schluffe einer jeden Auseinandersetzung zu. erinnern, er habe nur - Wp>-,2 gesagt, eS wäre noch dabei Vieles zu denken, was er jetzt nicht besprechen wolle; während man bei aller Anstrengung nichts hinzuzudenken vermag, weil er überhaupt immer weitläufig und seicht ist in seiner Schreibart. Kriegt er in irgend einem alten oder neuen Buche einen Gedanken, so tanzt er um ihn lange herum bis zum Ueberdrüß und. fügt dann hinzu , das sei bloße Andeutung. Die einzige Ursache aber davon ist, wie ich schon oben bemerkt, daß Herr Reggio immer Gedanken haben möchte, Philosoph sein möchte und nach allen Mühen doch nur in jeder Rücksicht Eklektiker bleibt.

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