Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 19 (12.2.1839)
- Date
- 1839-02-12
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225033--01626-3315514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
73 „Juden von Bvkhara, welche Moorcroft, der vor einigen „Jahren auf Befehl des Sultans von Bdkhara ermordet ,7wurde, an diesen verrielhen, indem sie die Fragen, welche „er an sie gerichtet hatte, an das Gouvernement berichteten. . (Einen Nachtrag über die Juden in Persien erlauben wir uns später folgen zu lassen.) 4) Die Juden in der Berlcerey. a) Fez und' Marocco. In Tanger (an der Meerenge von Gibraltar, — so berichtet Rossiemo de St. Hilaire — bilden die Juden ein gutes Viertheil dier Bevölkerung, welche, außer ihnen noch aus Mauren und den Bergstämmen des Atlas besteht. Sie haben das Monopol des Handels, und alle kleinen lukrativen Industrien an sich gezogen, die aus dem Verkehr der Europäer mit den trägen Moslemim entspringen. Ihr Costüm ist, wie das der Juden im Orient „reich und von verschiedenen Farben; das unterscheidende Kleidungsstück aber, an dem man die Juden in der Berberei gleich erkennt, ist die schwarze Mütze. Ihr von dem der französischen und deutschen Juden völlig verschiedener Gesichtsschnitt schien mir seltsamer Weise weit weniger südlich. Man findet hier nicht die Adlernase, die gespaltenen Augen und das längliche Oval mit dem magern und vorstehenden Kinn, was die unterscheidenden Züge der Kinder Israels zu sein scheinen, das Gesicht ist runder, die, Haare minder schwarz und glänzend. Die jüdischen Frauen zu Tanger machen dem allgemeinen- Rufe der Schönheit, den diese privilegirte Hälfte des Judengeschlechtes genießt, keine Schande, und das schöne orientalische erhöht noch das Kräftige und Stolze ihrer Gestalt und die matte Weiße ihrer Haut. } Die Sprache, der sich die Juden unter einander bedienen, ist ein verdorbenes Spanisch, das Hebräische, das sie gleichwol verstehen, sprechen sie nur selten. Eben so rühmt der englische Marknelkcutenant'Washington (von dessen. Reise' mit der englischen Gesandtschaft, im Winter 1829 u. 1830 Ln Marocco hier eine abgekürzte Uebersetzung nach dem „Ausland" folgt) die Schönheit der dortigen jüdischen Frauen. Die maurische Bevölkerung der Stadt Rabbat kann auf 18000 Seelen geschätzt werden, die jüdische auf 3000; erstere scheint reich, und wenn letztere nicht gleichfalls, so wagt sie es nicht zu scheinen. Die jüdischen Frauen von Rabbat sind unbestritten die schönsten des Kaiserthums Marocco. Das Millah, oder die Judenstadt ist mit Mauern eingefaßt, hat einen Umfang von anderthalb Meilen, und liegt am südöstlichen Ende der Stadt; sie ist sehr volkreich/ aber auch sehr schmutzig. Alle Juden bezahlen dem Sultan eine Kopfsteuer und sind sehr verachtet. Man kann von dem intoleranten Jslamismus nicht verlangen, daß er mit diesem armen Volke minder ^schonungslos umgehen sollet als das tolerante Christenthum. Auch hier sind die Folgen dieses unbarmherzigen Druckes nicht ausgeblieben: man -findet bei den Juden den gleichen Knechtsinn, die gleiche Abgeschlossenheit, wie in vielen christlichen Staaten, wo es eben so wenig als hier Wunder nehmen darf. Die Bevölkerung der Stadt, die nicht 100,000 Seelen übersteigt, aber vielleicht auch nicht über 80,000 Einwohner zahlt, enthält 5000 Inden. Die'Weiber zeigen sich nur selten auf der Straße, und ihre Anzahl laßt sich deßhalb nicht genau angeben. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Ungarische Schulberichte. Aus Pesth. 1) Die israelitisch-deutsche Schulanstalt in Pesth.*) Es ist das köstlichste Schauspiel für empfindsame Seelen, das Menschengeschlecht erwachen, und die Morgenrörbe nach und nach aufgehen zu sehen. Aberglaube und Andachtelei vertieren täglich mehr ihre Macht über den bepern.und edleren Theil der Menschen, und ihre Erzeugungen in Haß und Zwietracht, verschwinden. Eine wahre und bescheidene Bildung nimmt ihre Stelle ein, trachtet die Mcnscbbeit über ihre gegenseitigen Pflichten und über die unverletzliche Harmonie ihres JchS mit sich selbst und mit Gott zu belehren, und laßt uns die allgemeine Herrschaft der Wahrheit und Gerechtigkeit hoffen. — Jegliche BildungSanstalt ist eine Stufe, die uns diesem schönen Ziele der allgemeinen, Aufklärung näher bringt, -unt> es muß daher die Würdigung, welche wir einer Erziehungsanstalt angedeihen lasten, nicht nur den innigsten Anklang finden, sondern auch zu ähnlichen Bestrebungen anregen. — Soll aber - eine^ Leistung gehörig gewürdigt werden, so müssen zunächst der Auffapung dessen, was gewirkt wurde, die Hülfsmittel, womit, und die Hindernisse, wogegen gewirkt wurde, gegen einander gehalten, und daraus die Forderungen, welche in Beziehung aus die äußern Umstände wie auf die persönlichen 'Talente des Handelnden billig gemacht werden können, ermessen werden. — Ich schicke diese Betrachtung der Mittheilung ein.cr öffentlichen Leistung voraus, die schon bei bloßer Intuition, allen billigen Erwartungen genügen mußte; allein meine Absicht ist eben so die Umstände unter denen, als wie sie gedeiht,' zu veröffentlichen. Das Gefühl des Bedürfnisses Hr zweckmäßigen Lehranstalt für die Jugend, hatte vor vier Jahren in dem hochherzigen und edlen, damals an der Spitze der Gemeinde stehenden Hr. Gabriel Ullman das heilige Streben nach Verbesserung des ErziehungswcsenS rege gemacht. Es wurde auf seinem Antriebe eine eigene Schulkommission, gegenwärtig nach statt gehabten partialer Umstaltung aus den ehrwürdigen, theils wiffenfchaftlich gebildeten, theils wellklugen,Für das Wohl der Jugend fämrntlich unermüdet ") Dieser Bericht bat bereits , wie uns gemeldet worden, in der Ofener Zeitung gestanden; der Abdruck desselben in d. Ztq. wurde aber von Mehren gewünscht, weil die nnsrige in allen Gegenden Un» garns v«rbr»iteter wäre. Redakst.