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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-12 · Heft 19 (12.2.1839) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 19 (12.2.1839)
Date
1839-02-12
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Hi/torische Mittheilungen . überli { b i e Inden Ln AsLen und 5( f rTf o in dem letzten Jahrzehend. (Eingesandt durch Dr. 3. Fürst.) (Fortsetzung.) „Die schwarzen Juden in Cochin und den umliegenden Dörfern, nämlich in Arnalata, Schynot und Malta, machen ungefähr 1500 Familien aus. Sie haben sechs Synagogen; zwei in Cochin, zwei in Arnalata, eine in Schynot und eine in Malla. Die schwarzen Juden sind gute Leute und die meisten von ihnen treiben ein Handwerk, mit -Ackerbau aber beschäftigen sie sich durchaus nicht, ja sie lassen sogar ihre Gärten von Hindus bestellen. Die meisten sind wohlhabend und man findet kaum einen Armen unter ahnen. Pesunih ein Schiffsbauer, gilt als sehr reich und ist in jeder Hinsicht ein sehr achtbarer Mann, so -wie überhaupt die schwarzen Juden von besserem Charakter und sittlicherem Betragen sind, als die weißen. Sie sind g'rößtentheils sehr bewandert in der hebräischen Sprache, die sie sehr geläufig ins Malyalim übersetzen, auch leben sie, so weit es die Umstände gestatten, nach dem Gesetze. Sie haben weder Priester noch Leviten unter sich. Die weißen Juden sagen von ihnen, sie feien Nachkömmlinge von den Sklaven, welche vor einigen hundert Jahren von reichen weißen Juden gekauft, zum Judenthum bekehrt und, gut unterrichtet,-in Freiheit gesetzt wurden; auf Kosten desselben reichen Mannes seien auch alle ihre Synagvgen erbaut worden. Die schwarzen Juden dagegen halten. sich für Abkömmlinge der Israeliten von der, ersten Gefangenschaft, die nach Indien gebracht wurden, und nicht mit. denen zurückkehrten, welche den zweiten Tempel bauten. Ich bin sehr geneigt diese Tradition für richtig zu halten; denn,-obschon schwarze Juden genannt, und von dunklerer Hautfarbe als die weißen, haben sie doch weder die Farbe der Eingebornen, noch jene derer, welche von indischen Sklaven abstammen." . 3) Wir haben die in politischer Hinsicht bedauernswerthe Lage der Israeliten in Persien bereits in der allgemeinen Uebersicht kennen gelernt, und wenn auch in anderen Städten als. Schiras diese Entwürdigung keinen sohohen Grad erreicht hat, so mag doch die treue Schilderung ihrer dortigen Umstände als Beweis gelten, daß, im Orient besonders, der bedeutende Standpunkt, den sie in Handelsverhältnissen einnehmen, oft in gar keinem Verhältniß zu der Verachtung steht, welche die Anhänger t>ec herrschenden Religion in jenen Landern, gegen. sie?an -den .Tag l^gen. Es? nitzgen vorläufig - ntrr: Einige interessante: NptizeN^enügen^wekche 'derselbe üblir die mne^u^Ärhaltnisse der Juden zu Mesched giebt.*) Ec war von Turkomannen gefangen und zum Sklaven gemacht, „aber we- „gen seiner wenigen Brauchbarkeit, um einige Goldstücke „an einen russischen Abenteurer, Grafen Barowski, der gegenwärtig ein persisches Regiment - zu Mesched komman- „dirt, verkauft worden. Die Juden in Mesched haben, „nach seiner Erzählung, keine andern hebräischen Bücher, „als die, welche die Juden in Europa besitzen, da alle ihre „Bücher über Livorno und Kapusta nach Urgentsch kommen. „Einer derselben, Namens Nisin, machte verschiedene Reifen nach China, Astrachan, Kapusta, Wilna und Leipzig, „und brachte hebräische Bücher für die Juden in Mesched „mit. Sie besitzen Hafiz in hebräischen Charakteren, und „ein persisches Gedicht, Joseph und Zuleika, eben so urnge-z „schrieben; desgleichen eine persische Uebersetzung des Pentateuch und der Psalmen (wahrscheinlich dieselbe, welche zu „Ende des sechzehnten Jahrhunderts von Juden gedruckt „erschien.) Sie feiern den Sabbat, wie alle Juden in der „Welt, aber diejenigen unter ihnen, welche ’ Sufi's sind „(Pantheisten) glauben an gar nichts. Der Talmud ist „selten unter ihnen, ihre Bibel, ist dieselbe wie die europäi- „sche. Sie besitzen vier schöne Synagogen, von der Zeit „des Nadicschah her, und haben Erlaubniß, ihrer so viele „zu bauen, als ihnen gefällig ist. Sie stehen unter vier „Rabbinen, und haben einen Bürgermeister, der ihre Ange- „legenheiten bei den mohammedanischen Obrigkeiten vertritt. „Sie sind sehr strikt, und heirathen nie in Judenfamilien „von Pezd. da diese im Verdachte der Zauberei stehen. Ihr „Handel mit Turkestan ist sehr ausgedehnt, sie verbergen „aber ihre Reichthümer. Sie hassen die Chri- „sten nicht im mindesten, und luden Wolf selbst ein, „einen Abschnitt aus den. Büchern Mosts in der Synagoge „zu lesen. Sie verabscheuen aber die Juden in Khiwa „und Urgentsch, welche Sklavenhändler sind, eben so die •) In dem Auszuge, den daS „Ausland" (1833, No. 106) von diesen Nachrichten giebt, bemerkt dieses Blatt ferner von diesem bekannten und abenteuerlichen Judenbekehrer: „Er rühmt sich, daß er nie hundert Schritte aus seinem Wege gegangen sei, um die ältesten Monumente in der Welt zu sehen; es laßt sich daher wenig von seinen Reisen im Orient hoffen, alsetwa über den Zustand der Juden im Oriente, worüber er einige, nicht uninkereffante Details giebt. Dieser sonderbare Schwärmer ist seitdem "über Lahur, wo er von Ranschir Singh ehrenvoll behandelt und beschenkt worden war,, nach Delhi gereist, von wo er sich vornimmt nach Tübet, China, Japan und Tombuktu zu gehen, alles in der Absicht, die zehn Stamme im Orient aufzusuchen!"

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