Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 19 (12.2.1839)
- Date
- 1839-02-12
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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strebenden Männern den HHrn. G. Ullman n, -Saphir, Sahen, Kern, Pollak und Kassowitz bestehend, gewählt, an deren'-Spitze unser viclseirig gebildeter eben so frommer als'erleuchteter Herr Oberrabbine als permanentes Mitglied mit^besonderer das Unterrichtwesen selbst betreffender Umsicht fungirend gestellt' wurde, und bald war durch ein energisches werkrhatigesEinschreiten eine Schule begründet und organisirt, deren schöne und reichliche Früchte uns bei der am .12. und 13. Sept. dieses Jahres stattgehabten Prüfung wiederum aufs überraschendeste erfreute. Ueberraschend sage ich, weil feindselige Umstände und ungünstige Verknüpfungen uns bei Weitem das nicht erwarten ließen, waS in der That nur begeisterte, ihr selbst völlig vergessende Lhatkraft verbunden mit vielseitig ausgebildeter Tüchtigkeit, wie^ sie bei unseren Lehrern sich findet, zu leisten vermochte. Nicht zu gedenken der Mißverhältnisse, die aus dem gänzlichen Mangel an einem Schulfonds und der Sanktion.nothwendig resulvircn, indem dadurch die völlige Emancipation der Kinder von der Gewalt der Eltern erschwert, und so die Stellung der Lehrer in mannigfacher Hinsicht aufs Eindringlichste gefährdet wird, so muß der allgemein herrschende Jndifferemismus für religiös-geistige Entwickelung, ja sogar geringachrende feindselige Gesinnungen von Denjenigen an den Tag gelegt, von denen wir nachdrückliche Unterstützung zu erwarten berechtigt sind, den, unter drückender Arbeit entmuthigtcn und gebeugten Lehrer vollends Niederschlagen; allein tharkräftige Begeisterung hat nie die Anerkennung und Würdigung zum Maßstabe ihres Wirkens genommen, und so feh/n wir"auch hier zwischen Dornen und Disteln erfreuliche Rosen erblühen. ' Die Prüfung begann mit dem Lesen hebräischer Druckschrift, hebräischem Lvcabuliren und Uebersetzen der Gebetkformcln. Im Vocabuliren hat uns der würdige Herr Klaber, Lehrer der Religion, mit einer ergötzlichen die Kinder mit Sach-. und Woplkenntnissen auf einer sehr erleichternden Weise bereichernden Methode erfreut, und wir sahen aus dieser freundlichen Methode den schönsten Erfolg erblühen. An der Bibelauslegung wurden moralisch-religiöse Betrachtungen und die allcrmannigfachsten den verschiedenen Kreisen der Auffassung in den verschiedenen Klassen angemessenen Bemerkungen geknüpft, ohne sich von der schönen kindlichen Einfachheit im mindesten zu entfernen, oder sich gar in exegetische Spitzfindigkeiten zu verlieren, und die Zöglinge von der untersten bis zur höchsten Klasse entwickelten ein auffallend klares Vcrständniß mit den aufgefaßtcn Gegenständen, sowol in logischer als grammatischer Hinsicht. v Aufs angenehmste waren wir überrascht, als unser hochverehrter Herr Oberrabbine einem der Zöglinge einen ziemlich langen hebräischen Satz diktirte, und dieser ihn mit der richtigsten Interpunktion völlig fehlerfrei niedergeschricbcn, und vermittelst behender Analyse vollendete, im Verhältnis; mit der zarten Jugend fast erschöpfende orrhoepische, orthographische, und etymologische Kenntnisse in hebräischer Sprache entwickeln. In der Religion, ebenfalls von Hr. Klaber vorgetragen, verdient besonders herausgehoben zu werden: die nachdrücklichen Ermahnungen rücksichtlich jener Pflichten, durch deren Beobachtung allein wir fähig sind, unseiner bürgerlichen Gleichstellung und einer gesetzlich verbürgten politischen Emancipation würdig zu beweisen. — Bekenntnisse über Vaterland und Unterthanenpflicht, wie wir sie aus dem Munde unserer zarten Jugend vernommen, zeigen es aufs Klarste, wie sehr unsere derzeitigen, bürgerliche Verhältnisse mit den unter den hiesigen Israeliten herrschenden Intellectueüen, moralischen und religiösen Ansichten und dem Geiste der Zeit und der Humanität in grellem Widerspruche stehen, sind wie sehr eine zeitgemäße Abänderung zu wünschen wäre. Bon der Sprachlehre, vorgctragen von Hr. Treuer, hat der einstimmige: und allgemeine Beifall eines sachverständigen verehrten Auditoriums ein zu deutliches Urtheil abgegeben, als daß ich über das Geleistete noch etwas zu sagen Krauchte. Die Leistungen dieses tüchtigen Schulmannes sind überhaupt durchaus ausgezeichnet, vorzüglich aber, behandelt er.das deutsche Sprachfach mit solcher Umsicht, daß cs-dem Kindern eine wahre und die natürlichste Logik wird; so. sprach sich auch bei dieser Gelegenheit sowohl in technischer als grammatischer und stylrstischer Hinsicht überall die Tendenz und der Zweck: die Entwickelung, Uebung und Stärkung der psychologischen Kräfte aus. t Die Prüfung .aus ^Geometrie und Stereometrie war so genügend, daß einem verehrten Auditorium nichts als mehr Zeit zu wünschen übrig blieb, um diese sehr ergötzenden, die erhöhte' GeisteSthätigkeit der Kinder am deutlichsten bekundenden, aber bei der höchst zu billigenden heuristischen Methode, nach welcher Herr Koref die Mathematik vorzütragen scheint, wo der Schüler bei der Auflösung zugleich die Geschichte der Ausarbeitung liefert, viele Zeit erfordernden Arbeiten mehre sehn zu können. Auch in der Naturlehre, der Geographie, her Geschichte, der Kaufmännischen Buchhaltung, und der Wechselrechte, ebenfalls von Hr. Koref vorgetragen, zeigten die Zöglinge eine Kenntniß, die nichts zu wünschen übrig ließ. In der Naturgeschichte hat uns Hr. Krön gezeigt, wie das verworrenste Aggregat-geistig erfaßt, auf die Jugend harmonisch bildend einzuwirken vermag, und wie Klarheit, Deutlichkeit und lichte Ordnung aus. den mannigfachen Gegenständen der anschauenden ' Erkenntniß gleichsam ein Fachwerk herausbilden kann. Die Kinder bekundeten auch..hierin ein reines Vcrständniß der Stufenfolge und des JneinandergreifenS der Glieder der großen Kette der Natur, und'eine rationelle Auffassung fo wol in naturwissenschaftlicher als technologischer Hinsicht. In dem Kopf- und Zifferrechnen, von Hr. Kohn gelehrt, zeigte sich der schönste Stufengang des Unterrichtes und von der untersten bis zur höchsten Klaye nicht bloß mechanische Fertigkeit, sondern auch eine Klarheit des Bewußtseins, die den Weg, auf dem sie zum Resultate gelangt, auch rückwärts zu finden weiß. - Die Prüfung aus.dem Ungarischen begann mit einer von. einem der Schüler richtig und schön gesprochenen Rede. Angenehm erklangen uns die Töne-unsehcr schonen Landessprache von den zarten Lippen, und f.r.exxdig sahen wir das Liebeseil der geistigen Einigung'sich schlingen. , Hr.. Rose n z weig, der in der ungarischen Sprache Unterrichterrheilt, befolgt eine höchst zu empfehlende, praktische Methode,- und. wir sahen seine Bemühungen von den schönsten Erfolg gekrönt. Die zur 'Ansicht circulirenden Zeichnungen und Probeschrsftd haben uns eben so vollkommen 'befriedigt, .als der die Prüfung beginnende und'beschließende herrliche Chorgesang uns erbaute. Der Prüfung haben bcigewohnt: außer dem hochgeehrten Herrn Bürgermeister von Eich holz als dirigirendem Lokalfchu- Un-Direkror, der verehrten Schulkommission, unseren würdigen Prediger Hrn. Bach, mehrern'Mitgliedern des Gcmeindevorstandcs und. den Eltern, deren zahlreicher Besuch uns um so mehr erfreute, indem er die Theilnahme derselben gn der Erziehung und Bildung ihrer Kinder bekundete, Se. Exellenz der Tavernicus Hr: Baron von Eötsös, der Hochwürdige Herr von Feher Cufto.S der königl. ungarisch. UniversitätS-.Bibliothek, der würdige Prediger der evangelischen ' Gemeinde, Herr Michael Lang und Mehre. , t! .. '■ Die würdigende Anerkennung dieses verehrten Auditoriums sprach sich in dem lautesten Bei falle und einem allgemeinen Enthusiasmus, aus. Höchst ermunternd und herzerhebend waren, die von .dem hochverehrten. Herrn Bürgermeister und dem hochwürdigen Herrn von Fehsr beim Beschlüsse gehaltenen Herzlichen Anreden an die Lehrer und Schüler in rvelchergch die zarteste Würdigung aussprach, ine aber Lehrern und. Schülern auch deutlich zurief. . . - ... " Tu dum navis in altum est Hoc age ne inutata retrorsum te ferat aura. \ Moritz Bloch. Redakteur: Dr. L. PhrUppsyn. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.