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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-02-07 · Heft 17 (7.2.1839) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 17 (7.2.1839)
Date
1839-02-07
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 indem er sich diese unterordnet und geistig beherrscht, erregt jenes Gebot die Menschheit zum heiligen Leben; zur.Reinheit der Sitte, zum Ädel der Civilisation; zur Regsamkeit im Tagewerke, zur Schönheitder Ruhe {ayoluCziv y.alwg des Aristot.) zur Grundlegung einer gerechten Gesetzgebung, und endlich zur Bestimmung jedes Einzelnen, unte'r diesen Gesetzen lebenden, zur Billigkeit und zum Ablehnen derselben, so sie ihm, ,zum Nachtheil eines Anderen, vortheilhaft wären, also zur freiwilligen Entsagung, -kurz zu einer Menschenbildung, so vollendet, als sie hienieden zwar möglich, aber schwerlich erreichbar sein würde. Betrachten wir nun von diesem erhabenen Gesichtspunkte aus das Wesen der Offenbarung nach seinem praktischen Momente und erkennen die Strebungen, die ihren Keimen nach in der geoffenbarten Lehre enthalten sind: so dürfte es ferner wol Niemanden schwer begreiflich fallen, daß die Mitglieder des Volkes, dem vor mehreren Jahrtausenden schon von der Vorsehung der Beruf ertheilt ward, diese heilschwangcren Gedanken in sich zu hegen, zu erhalten, für sie zu leben, zu streiten, zu bluten und sie noch in der Verbannung zum Segen des ganzen Menschengeschlechts durch alle Generationen rund um die Erve zu tragen und zu predigen, in ihrem moralischen Instinkte treue Glieder jenes Volkes blieben trotz allem Elende und dem Gelachter einer ruchlosen Masse. Wir reden vom moralischen Instinkte. Denn dieser ist es, der die Funktion des klaren Bewußtseins über sich nimmt, so lange sich dieses rwch nicht in seiner Kraft und Klarheit in der menschlichen Seele durchgearbeitet' hat. Dieser moralische Instinkt ist in dieser Beziehung, seiner Wirkungsweise nach, durchaus zu vergleichen der unbewußt wirkenden' Lebenskraft im organiffchen Leibe. Auch er hat, wie die innerliche, natürliche Heilkraft (vis animae medicatrix) gegen das Heidenthum mit seiner Gewaltthat, Unfreiheit und Sinnestaumel siegreich gekämpft. Ohne denselben wäre das Altecchum selbst noch viel tiefer in die schauderhaften Eonseqüenzen, die sich dennoch aus eine, die Menschheit demüthigende Weise im Egyptisch-Babylonischen Götzendienste geltend gemacht haben, versunken. Dieser'moralische Instinkt, die ethische Lebenskraft der Menschenseele, ist es denn ferner,' bie sich von der Einfalt jener Lehre dergestalt ungezogen fühlt, daß sie in ihrer Unverderbrheit sich mit ihr identificirt, und in den unschuldigen Jcrthum verfällt, eben jenes geoffenbarte Wort sei nichts Anderes, als das Product der naiven Menschenanschauung, wahrend doch die Geschichte aller Völker, wie die der Wilden in der Gegenwart, das Gegentheil beweist *). °) In einem für mich höchst interessanten Gespräche über die, Nun ist es gewiß höchst räthselhast, wie die Offenbarungslehre, wenn gleich der natürlich-naiven Ansicht analog, dennoch nur vermittelst eines einzelnen Organes, eines geringen und verachteten Völkchens, des Knechts Gottes, sich Bahn' brechen, sich mühselig durchringen mußte, um vielleicht dermaleinst die ganze Menschheit zu durchdrkngen, während denn doch ihre Bestimmung, und ihre einzige Bestimmung darin besteht, dieselbe zu durchdringen? Diese Räthselhastigkeit ist dazu eine zwiefache. Erstlich sollte man vermuthen, daß, weil die Offenbarung — nach jener Voraussetzung — der naiven Ansicht entspricht, und sie so einfach und so ansprechend in ihr.en Voraussetzungen ist, sie eben deswegen auch einen leichten Eingang finden müßte: einem Strome gleich, dem das Bett schon gegraben ist; allein dies wird durch die Erfahrung dreier Jahrtausende bändigst widerlegt. Eben so; wenn sie andererseits dennoch einzig und allein in ihrem endlichen Siege, und dem Durchbruche zur großen Weltreligion, zu einem Dienste der ganzen Menschheit, und zu ihrer Vollendung zur Pciesterschaft, die keinen Laien mehr kennt, ihr Ziel und unfehlbaren Endzweck erreicht: wie ist denn die, in der Erfahrung gegebene, Schwierigkeit ihres Durchbruches und Eindringens auszufassen, zu erklären? — Wir antworten: diese thätsachliche Schwierigkeit des Ein- und Durchdringens der Osfenbacungslehre hat ihren Grund in ihrem schneidenden Gegensätze zu den Ergebnissen des Rationalismus in allen, auch seinen höchsten Entwickelungen. Es ist das natürliche (naive) Ergebnis der Vernunft, indem sie ein Dogma producirt, und aus sich für sich dacsiellt, demjenigen, das die Offenbarung von eben demselben geistigen Gegenstände aussagt, diametral entgegengesetzt. Von diesen Gegensätzen nun ist der erheblichste wiederum die Einheit, die Einheit der.Person, des geoffenbarten Gottes. Ein zweiter nicht minder wichtiger ist die Lehre von der Schöpfung aus Nichts*), eines Anfangs der Natur der Dinge; und in meiner Schrift über die Offenbarung, nkedergelegttn Grundsätze mit einem hochgestellten Gelehrten (dem Herrn Prof. R. in M.) wurde gerade von diesem diese Ansicht über die alttestamenralische Glaubenslehre als mögltch dargestellc- So viel ist ausgemacht, daß die Möglichkeit einer humanen Zivilisation außerhalb der Offenbarung nur zu Stande kommen kann unter den Anforderungen dieses unvermittelten ethischen Instinktes, den ein großer Deutscher unter dem Namen des kategorischen Imperativ'S, wie bekannt, berühmt gemacht hat. Was außerdem noch als Theorie dahin wirken konnte, sind einzelne Vielleicht'»; so die ahnungSrciche Lehre eines AnaxagoraS, welcher unser große Empiriker auS Stagira nicht ungern, aber nicht ohne Bedenken, verpflichtet in seiner Lehre von der Anima und in der Metaphysik. Anm. d. Vers. *)' Denn der Begriff einer Schöpfung z. B., der doch überall vorausgesetzt und-zum Grunde gelegt wird, ist so wenig philo-

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