Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 17 (7.2.1839)
- Date
- 1839-02-07
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225031--01615-3315501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 wie unser würdiger, hochgeachteter Oberrabbine, Herr Ettling er und der überall rühmlichst gekannte L)r. Steinheim des rohen Materials an und unter solchen Händen mußte das tobte .Werk bald von einem kräftigen warmen Lebensgeiste durchdrungen sein, und jetzt steht es ein herrliches da, wie es nur aus der vereinten Kraft solcher Männer hervorgehen konnte. Nachdem sich nun ein Schulvorstand als solcher organistrt hatte, deren erste und vorzüglichste Mitglieder natürlich beide genannte Herren waren, war das wichtigste Augenmerk derselben, der Anstalt einen tüchtigen Direktor zu gewinnen. Und irren wir uns nicht, und entwickeln sich die vorhandenen Anlagen und Fähigkeiten noch weiter, so ist auch diese Wahl eine glückliche zu nennen, und laßt nichts zu wünschen übrig. Herr i>r. Enoch, aus unserer Nachbarstadt Hamburg gebürtig, durch Gymnasium und Universität gebildet und absolvirt, das Nabbinische und vorzüglich das Schulwesen unter Bodenheimec in Hildes- Heim und Ol-. No mann in Cassel bis jetzt praktisch betreibend, ist ein junger Gelehrter, der. sich manches schöne Wissen angecignet, und der Fähigkeiten und Willen genug zu besitzen scheint, um das Gedeihen der Anstalt zu sichern und den Erwartungen zu entsprechen, die ihm das Vertrauen der hochwürdigen und gelehrten genannten Männer erwerben konnten. Nachdem nun die Statuten der Volksschule, die sich sowol auf die inneren Verhältnisse der Schule m Bezug auf Lchrgegensiande, Schuldisciplin, Schüler, Lehrer, Schulvorstand, als auch auf die. äußeren, hinsichtlich des Schulgeldes und der administrativen Verwaltung erstrecken, entworfen und im Druck erschienen waren, fand heute die feierliche Eröffnung Statt, in Gegenwart der Gemeinde-Aeltesten, der Eltern und Vieler, die sich für die Anstalt interessirten. Zuerst bestieg der Oberrabbine das Katheder und sprach in einer sehr gehaltvollen Rede, deren tiefer Eindruck auf alle Gegenwärtigen auch nicht einen Augenblick zu verkennen war, eindringliche Worte der Belehrung und Ermahnung. Als Text wählte ec Spr. Salom.-22, (5. „Unterrichte den Knaben nach, seiner Weise rc." und entwickelte daraus die Notwendigkeit der Erziehung für das Leben, indem das Kind, unschuldig geboren, von der Außenwelt so angeregt und bedrängt und so Vieles davon in sich ausnehmend, die Unschuld endlich ganz verlieren würde, wenn die Erziehung ihm'nicht zu Hülfe käme, und es immer wieder auf den Standpunkt der Natürlichkeit zurückzuführew suchte, was besonders durch die Verbindung des Realen und- Idealen geschieht. Nachdem der Redner die Erwartungen ausgesprochen, die in dieser Richtung von der Schule und den ihr Vorstehenden und sie Leitenden gehegt werden dürften, wendete er sich an die Lehrer und Schüler und schloß mit ungefähr'folgenden Worten: „Ihnen, verehrte Eltern dieser munteren Jugend, liegt der Nutzen,, den wir/von dieser Schule erwarten, sehr nahe. Es ist Ihr Theuerstes auf Erden, welches hier gepflegt wird. Wachen Sie daher ja recht sorgfältig darüber, daß der .Saame der Gottesfurcht und der nützlichen Kenntnisse, -der hier ausgestreut werden soll, nicht im häuslichen Leben verderbe, daß er vielmehr unter dem Einflüsse der Wärme Ihrer Elternliebe zur herrlichen Blüthe sich entfalte. Ihnen wird dann einst die Freude, Ihre Kinder als geehrte Mitglieder der Gesellschaft, als nützliche Bürger des Staates zu erblicken. Ihnen wird dann einst die heilige Wonne, daß Ihnen, in den seligen Gefilden Edens wandelnd, Engel die Häupter umkränzen werden mit Lugendblumen, die hier gepflanzt, dem Leben Ihrer Nachkommen entsprossen sind." Nachdem der verehrte Reoner dle Rednecbühne verlassen hatte, bestieg dieselbe der neue Direktor. In einer ausführlichen Rede verbreitete sich derselbe über das Bedürfnis der Erziehung, über den Gegenstano derselben, über die zum ersprießlichen Gedeihen derselben erforderlichen Mittel, so wie über die der Erziehung feindlichen Elemente und wandte sich darauf in sehr eindringlichen und ernsten Worten an Lehrer, Eltern und Schüler. Wir enthalten uns der Skizzirung und Veurtheilung derselben, weil sie auf Kosten des Schulvorstandes gedruckt, ganz der Oeffentlichkeit übergeben ist. Nach dem Direktor sprachen noch der Rabbinats- Kandidat, Herr Gottholdt aus Würzburg und Herr- Dr. Asser von hier', die beide ebenfalls ihre Kräfte mehr oder weniger der Schule widmen werden, in wohlgesetzten Reden, ersterer über die Nöthwendigkeit und Nützlichkeit der Religionswissenschaften, so wie letzterer über die der Naturwissenschaften, und bestrebten sich vorzüglich in' zutraulichen Worten auf das Gemüth der Kinder einzuwirken. Zwischen den verschiedenen Reben wurden von mehreren Kindern einzelne hebräische und deutsche Gebetstücke und Psalmen rccitirt, was nicht wenig dazu beitrug, die Feier des Ganzen noch zu heben. Der Eindruck war ein sehr befriedigender, und keiner verließ den Saal, ohne für das Bestehen und Gedeihen der neuen Anstalt seine Gelübde abgelegt" zu haben. Als Basis des Unterrichts dienen, außer dem Hebräischen und den Religionswissenschaften alle Realien und Elementarien, wie sie nur irgend von einer höheren Bürgerschule gefordert werden können, und wenn, wie zu hoffen steht, der Direktor eine ziemliche Anzahl von Pensionären erhalten wird, so wird unsere neue Volksschule mit allen ihren Schwestern im übrigen Deutschland wetteifern und in mancher Beziehung vielen derselben wahrscheinlich zum Muster dienen können. Theologie. Zas knüpft den Juden an sein Volk , uud seinen Glauben? Von SLeürher'w, in Altona. (Schluß:) Es soll, so lautet die Anforderung des Judentums, das sittlich-reine Element im Menschen über allen" Verhältnissen desselben verklärend schweben, wie der Geist Gottes über den chaotisch bewegten Wassern des Abgrunds, und,