Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 17 (7.2.1839)
- Date
- 1839-02-07
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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68 ein dritter der, der absoluten Willensfreiheit, der einen der erheblichsten und schroffsten Gegensätze zur naiven Denkweise von Ursache und Wirkung bildet. Wir hatten sonach zweierlei Arten von naiver Anschauungsweise; deren erstere die ist, mit welcher sich die Offenbacungslehce Lm Einklänge findet, und diese ist es-auch, die ewig selbst mit der zweiten in unauflöslichem Widerspruche befangen ist, das Naiv-ethische geht aber nur zu leicht an dem Naivphysischen zu Grunde. Diese zweite naive Lehre ist die des Verstandes in seinen Kategorien eingeschloffen und von" ihnen umgrenzt, und der Vernunft, sobald und so oft sie es unternimmt, ein konstructives Wesen zu werden, und aus eigenem Vermögen sich von Gott und Natur Lehren gestal- , ten zu wollen. Hier ist die Stelle, an welcher es klar hervortrilt, was an einer Identität der geoffenbarten Lehre mit der naiven Anschauung, als Maxime des Handelns und als Theorie vom Wesen der Dinge, wahr und erschlichen sei, und hier ist die Quelle des Heidenthums und der Philosopheme, und zugleich der reiche Boden aller Mißdeutungen und Vcrdcrbungen der. Offenbarungslehre in alter und neuerer Zeit. Erst wenn diese Quelle verstopft und die Protestation der Vernunft gegen sich selbst in ihrer rechten Wahrheit sein wird, ist der Offenbarungslehre die Bahn geebnet, und die Straße gleich gemacht, auf welcher einziehen soll „der König der Ehren!" Wir aber insgesammt, die Jünger jenes hehren Wortes der Offenbarung, wollen fortfahren im Tagewerke unseres Gottes und uns beständig cs angelegen sein lassen, in klarer Einsicht dem Ziele entgegen zu schreiten und zu leiten, welches uris ein heiliger unbewußter Zug unserer Seele bisher, wenn auch nur dunkel und verworren, doch niemals ganz aus den Augen rücken ließ. Dem falschen Propheten zum Trotze, der uns statt einer Religion des Geistes, eine Religion des Leibes in die Hände spielen, und uns Gesetze ausschwatzen will, die uns km Alter vielleicht noch als Gespenster necken und schrecken, wollen wir uns Klarheit über unfern Beruf zu erwerben, und im Leben thatig das darzustellen suchen, was unsere Lehre als höchstes Gebot an un§ exgehen laßt, und von dem wir überzeugt sind, daß eben in ihm, und auch nur tu ihm das offenbare Geheimniß der endlichen Vollendung des humanen Lebens zu finden sei. Altona Ende des Jahres 1838. J_ Steinheim. sophisch, daß er vielmehr jedem freidenkendcn Menschen zum Anstoß gereicht. S. die Resultate der Jacobi'schcn und Mendclssohn'schen Philosophie. Leipzig 1786. ' C o r r e s p o u d e n z e n. Hamburg. . Salomon's Bibelübersetzung *). Unter den gemeinnützigen Unternehmungen innerhalb des Judenthums, unter alle den eben durch ihre Einfachheit kräftigen Schritte zur Reform und Aufklärung steht mit obenan die deutsche Bibelübersetzung des Herrn l)r. Salomon in Hamburg. Von dieser Idee durchdrungen erlaubt sich ein Ungelehrter, der weit davon entfernt ist an einer kriktschen Beurthcilung dieses Werks oder einzelner Stellen desselben Theil nehmen zu können — die er inzwischen mit Erstaunen in diesen Blattern noch immer vermißt — sich hiemit mit dem wärmsten Gefühle des Dankes gegen den berühmten Urheber auszusprechen. ES ist augenscheinlich daß hier von einer Arbeit umS Geld nicht die Rede fein konnte, und so liegt unö denn wie uns Juden so höchst unentbehrliches Buch in schönem korrekten Druck auf feinem Papier für den in Betreff jüdischer Religionsschriften bisher noch unerreicht wohlfeilen Preis von ungefähr 6 Pfennig pro Bogen — im Subscriptionspreise noch niedriger — vor Augen. Die hohe Resignation des Verfassers spricht sich auch darin aus, daß er dieEintyeilung dcr nTEHS so wie das rWiüöl“» mb durchgängig nach dem allgemeinen Gebrauch und nicht nach der Weise des Tempels an^dem er ftlbst angcstellt ist, giebt. Wem von uns'älteren Männern ist nicht die Erscheinung eines solchen Werks seit vielen Jahren ein frommer Wunsch gewesen? Wer hat nicht langst sich danach gesehnt seinen Kindern die wahrhaftige ganze heilige Schrift in die Hände zu geben, damit icht wie bisher bloß die und allenfalls mbi-in sondern auch die sämmtlichen tmnrDl Gemeingut werden in Israel? Wer von unö hat nicht schon oft mit Neid auf die Chriftenkinder geblickt wenn sie, Knaben wie Mädchen, mit ihrer'ganzen Bibel unterm Arm aus den Schulen kommen? Wer hat nicht schon einmal berechnet ob nicht israelitische Bibelgesellschaften nöthig und anwendbar sein möchten? Wer von uns Männern die wir eine bloß allgemeine Kenntniß der hebräischen Sprache und der heiligen Schriften besitzen muß' sich nicht, wenn er aufrichtig sein will, selbst gestehen daß eine fortlaufende Uebersetzung in lesbarem Deutsch einen ganz andern, viel vollständigem und lebhafter» Eindruck macht als die- Lektüre im Hebräischen wo uns im .günstigsten Fall über die Schwierigkeiten einzelner Stellen die Toralanschauung entgeht oder geschwächt wird. e‘, Wie gesagt, der Einsender ist weit entfernt sich ein Urtheil über die Ausführung anzumaßen; darauf aber halt er sich.verpflichtet öffentlich hinzuweisen daß noch kein Werk eristirt welches auf eine so leichte Weise ein so allgemein gefühltes Bedürfniß befriedigt und jeden aui7orderr cs so schnell und in so großer Anzahl als möglich in die Hände der Jugend und namentlich der armen Jugend zu legen. Dies würde gewiß für den Verfasser der schönste Lohn sein. Ein jüdischer Hauövarer. *) ES hatte sich, nach dein Berichte eines FrcundeS, deshalb, weil wir noch keine kritische Besprechung der Salomon'schen Bibel gegeben, bei Einigen daö Vorurtheil gebildet, alö ob wir diesem Unternehmen irgend wenig zugcsinnt wären. Da nun die kritische Besprechung selbst ein Gegenstand ist, der mir mit vieler Besonnenheit und nach anhaltendem Studium abgethan sein will: so haben wir nicht angcftanden, obige Worte der Empfehlung, die uus zugesandt worden, einstweilen zu geben. Redakteur. Redacteur: vr. L. Philippfon..— Verlag von Baumgärtners Buchhandlung,— Druck von I. B. Hirfchfeld.