Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 17 (7.2.1839)
- Date
- 1839-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. IV. ui. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthurns. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kdnigl. Sächsischer allergnädigster Co„c,ssion.) Leipzig, den 7. Februar. 1839. Zeitungsnachrichten. Padua,, 18. Jan. (Privatmitth.). Sie erlauben* mir wol, daß ich, von tiefem Schmerze durchdrungen, diesem einen Ausdruck zu geben versuche durch das öffentliche Wort. Verona, Italien, das Judenthum, haben einen großen Verlust erlitten! Jacob Vita Pardo (Sohn des Groß- Rabbinen von Verona, Enkel des Nabbinen Jacob Pardo, Urenkel des berühmten David Pardo"),) geboren zu Ragusa am 1. Januar 1818, Zögling unsres College rabbinique, besten dreijährigen Kursus er vollendet hatte, wurde, während er sein praktisches Uebungsjahr bei seinem Vater absolvirte, und in drei Monaten den Titel eines Rabbr'nen erhalten sollte — uns am Abend des 30. Dezeb. durch den Tod geraubt. Begabt mit den seltensten Geistesfahigkeitcn und Tugenden des Herzens — außerordentlicher Tätigkeit in den Studien,'tiefem Urtheile, höchster Sittenreinheit, energischem Charakter, voller Feuer und Liebe für Tugend und Recht, soliden und umfastenden Kenntnissen, männlicher Beredtsamkeit, dem ost herrischer Kraft — war er die Ehre und Hoffnung des College und der ganzen israel. Gemeinde von Verona, geliebt und hochgeachtet von Männern aller Parteien und Confessionen. Wahrend seiner Studien in dem College, und dann wahrend seines praktischen Uebungsjahres, wurde er mit einigen Predigten in der Synagoge zu Verona beauftragt, bei den feierlichsten Gelegenheiten, und hattestets den größten Erfolg. Nach Verona zurückgekehrt, nachdem er fein Nigorosum con molta lode gemacht, gab er sich mit Leiden- ' schaft dem religiösen Unterrichte der Jugend hin,' erschöpfte alle seine Kräfte in diesem heiligen Amte; er begann einen Catechismus, eine heilige Geschichte und eine hebr. Grammatik für Kinder; und die häufigen Briefe, die er mir schrieb, voller literarischen und wissenschaftlichen.Bemerkungen, enthielten oft weise Beobachtungen im Gebiete der Pädagogik und Methodik. Diese Anstrengungen, der heiße Sommer wirkten auf feine Gesundheit: Husten, Lungenentzündung, Tod folgten einander. — Während der drei Jahre seines Studiums allhier hatte er außer seinen scholastischen Studien, homiletischen Uebungen, hebräischer Compo- * °) Vers. eines Commentarö zur Mischna, zu Raschi und Sifri. " Redakt. sition in Prosa und Versen, wo sich eine tiefe Exegese der ersten drei Kapitel des Propheten Micha auszeichnete, noch die Zeit gefunden, mehrere neuere Sprachen, namentlich die deutsche zu erlernen. Das war der Mann, den wir im Alter von 21 Jahren verloren! Welche vereitelte Hoffnungen! Ja, Verona, Italien, das Judenlhum haben einen großen Verlust erlitten. Und ich insonbers, ich habe in ihm einen bewahrten Freund, einen treuen und Hellen Rathgeber, einen ruhmvollen Schüler, einen muthigen Vertheidiger wahrend meines Lebens, einen kräftigen Herold nach meinem Tode verloren. 8. I). Lzz. v Altona, 21. Jan. (Privatmitth.). Wenn Sie aus unserer Stadt so seiten Mittheiiungen erhalten, so geschieht dies einzig und allein aus dem Grunde, weil wohl nirgends die Verhältnisse einen festeren Charakter angenommen haben, als eben hier, und sich daher in langst vorgezeichneten, aber genau begranzten Bahnen bewegen. Daher beobachtet man hi.er auch keine so auffallende Bewegungen, wie in manchen andern Gemeinden, obgleich auch hier die Bewegung, von einer aus dem Innern herauskommenden Reform abhängig, keinesweges ausgeschlossen ist', sond'ecn recht erfreulich, den inneren Frieden nicht störend, sichtbar wird und günstige Resultate liefert, die um so sicherer sind, da sie nicht mit Uebereilung herbeigeführt werden. Also^auch unsere Gemeinde hat ihr stetes Leben und zwar das, nach ihrer inneren und äußeren Construktion, ihr am meisten passende und angemessene. So haben wir denn auch das Eceigniß aufzufassen, von dem ich hier berichten will, nämlich die Gründung einer neuen Volksschule. Die hiesige Gemeinde besitzt zwar schon seit lange eine Freischule, die den an sie gestellten Anforderungen entspricht, allein die bemitteltere und wohlhabendere Klasse konnte sich auch hier nichts entschließen, ihre Kinder an dem Unterrichte einer Armen- und Freischule Theil nehmen zu lassen, und schon aus dem Grunde war das Bedürfniß einer neuen höheren Bürger-, schule auf's Dringendste gegeben. Die Realisirung des Planes war zwar auf nicht geringe Hindernisse gestoßen, Hindernisse, die sowol in der Sache selbst, als in besonderen localen Verhältnissen gelegen, doch der ernste Wille war da und die nicht geringen Bemühungen derjenigen Männer, die das Unternehmen, einleiteten und förderten, hatten einen glücklichen . Erfolg. Um der einmal entstandenen Bewegung eine gehörige Richtung zu geben, um der bezweckten Anstalt sowol Kraft und Tüchtigkeit nach innen, als Gedeihen und Fortkommen nach außen zu sichern, nahmen sich Männer,