Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1839)
- Date
- 1839-02-02
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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59 alte Wort nwair •rorv’ trD*ntt; denn nun erklärte Minister v. Abel, selbst, welches der Sinn jenes Ediktes sei. Zuvor war Rabbi Abraham Wechsler aus Schwabach hier gewesen. Erreichte, als Stellvertreter der alten .Partei, bei dem königl. Ministerium eine Dankadresse für das Edikt an, und bewirkte in einer Privataudienz bei Sr. Excellenz, dem Minister von Abel, daß ihm die Suspendirung der von Sr. Majestät dem Könige genehmigten Synagogenordnung für Mittclfcanken zugesagt wurde. Kaum aber hatte man hievon Kenntniß erlangt, als der Vorstand der hiesigen Gemeinde, königl. dänische Commeccienrath, Herr E. Marx ebenfalls um Audienz nachsuchte. Als diese genehmigt war, begaben sich derselbe, der Herr Rabbine und ein Ausschußdeputirte unserer Gemeinde zu dem Herrn Minister, worin derselbe ihnen ecöffnete, daß der Sinn des Edikts kein andrer wäre, als strenge Religiosität neben gediegener wissenschaftlicher Bildung von den Bewerbern um Rabbinate zu fordern; daß man keineswegs zeitgemäßen und von der Religion gebilligten Einrichtungen abgeneigt sei, jedoch das destcuctive Treiben besonders der nordischen (!) jüdischen Gelehrten nicht gerne sehe. Das. also ist der Sinn jenes vielfachged^uteten Edikts, und dennoch hak jede Partei ihre Ansicht zu mäßigen und zu berichtigen. Gebe Gott, daß bei der, Besetzung der Rabbinatsstellen man jedes feindliche und schädliche Interesse schweigen heiße, und man nicht in verwerflicher Parteisucht Mißgriffe thue, die man später bereuen dürfte. Männer von Geist und Herz, ist der Wunsch aller Edlen, sollten jene Stellen antreten, die ihre Nation und ihre Zeit vertreten können , und ruhig schauen wir der Zukunft entgegen. — Im Frühlings, nach unserem.Pesachfeste, werden die Auswanderungen nach Amerika sehr zahlreich sein. Während fast in den meisten Theilen des Königreichs von Einzelnen Anstalten zur Abreise getroffen werden, so finden doch die Meisten auch diesmal wieder im Ries statt.. In Heinsfarth und Oettingen werden 41 Individuen den Wanderstab ergreifen, unter welchen mehrere ansässige Familien sind. Während viele theils durch Verweigerung des Schutzes, Viele durch Mangel an Geschäften, da manche frühere Erwerbszweige strenge untersaßt sind, zu diesem Entschlüsse bewogen werden, und ihnen keine Aussicht auf politische Vecbesserungen eine heitere Zukunft hoffen laßt, treffen allenthalben die besten Briefe in Mittelfrankeü, Schwaben und Neuburg rc. von den Ausgewanderten ein, die die Zweifelnden in ihrem Vorhaben bestärken, die Verzagten dazu ermuntern; denn das einstimmige Urtheil derselben lautet: Wer nicht gleich bei der Landung goldene Berge zu finden hoffe, sondern einen ernsten Willen zur Thätigkeit mitbringe, der finde sein reichliches Auskommen daselbst, so wie diejenigen, die bürgerliche Gleichstellung und allgemeines Recht verlangen, dasselbe in Bezug auf Religionen, dort im weitesten Umfange antreffen. Wir selbst haben in unserer Ge< meinde einen eclatenten Beweis zu diesen Aussagen. Seligman Rothschild, der Sohn des verewigten Vorstandes des Frommen-Vereins I. Rothschild, war vor 25 Jahren von hier als armer, unbemittelter Junge fortgegangen, hatte sich dann lange Zeit in Düsseldorf aufgehalten, und war dann vor ungefähr 12 Jahren nach Amerika ausgewandert. Jetzt besucht er seine alte Mutter und seine geliebte Familie, als einer der reichsten Kaufherrn in St- Thomas, einer dänischen Besitzung in Westindien. Zwei bedeutende Handlungshäuser hat er in St.. Thomas und St. Domingo, und die größten Depots in London, Havre de Grace und Hamburg. Doch nicht bloß fein Reichthum zeichnet ihn aus, sondern auch die allgemeine Hochachtung, -der er sich sowohl von Seiten des Gouverneurs, als der gesammten Bürgerschaft in höchstem Grade erfreut. Ueberhaupt, erzählt er, erfreuten sich der Rechte, die jetzt in Dänemark erst nach langen Debatten errungen worden wären, die Juden in St. Thomas schon lange. Sie bilden daselbst eine Gemeinde von 4—500Seelen, die ihre eigene Gemeinde-Constitution hat, die Se. Majestät durch eine besondre Charte genehmigte. Der Präsident der Gemeinde hat in Gemekndeangelegenheiten volle Gewalt, da die Polizei, angewiesen ist, mit ihrer Execuriv-Gewalt ihm stets beizustehen.v Es wurde in derselben vor. einiger Zeit'der Antrag gestellt, in der Synagoge englische Sprache bei Predigt und Gebet einzuführen. Die Reichern, die die Gemeindelasten tragen, stimmten sämmtlich dafür; allein die mittlere, und ärmere Klasse weigerte sich, und so blieb es beim Alten. Uebrigens wären die Juden im Besitze sämmtlicher Rechte und Freiheiten. Den Beweis hiezu liefere folgende Thatsache. Die Juden hatten schon sammtliche Aemter bekleidet, zu denen der Bürger zugelassen werden kann. Nur in den Bürgerrath waren sie noch nicht gewählt worden. Als nun jüngst durch den Tod eines Mitglieds eine solche Stelle erledigt wurde, nahm die Bürgerschaft gar keines Anstand 2 Juden auf die Wahllisten zu setzen, und. um Bestätigung des Einen dieselben dem Gouverneur voczulegen, nämlich genannten Herrn Rothschild und einen Franzosen Sestoc. Da Ersterer, einer Reise nach Europa wegen, die Stelle von sich wies , wurde Letzterer mit Freuden von dem Gouverneur in dem neuen Amte bestätigt. Dagegen ward Rothschild für, den Wohlthatigkektssinn, den er nach einem furchtbaren Brande auf St. Thomas allgemein darthat, zum Capitän der Nationalgarde erwählt und bestätigt. Ach, es ist doch schön, im Gefühle, Mensch zu sein, wie jeder Andre, Menschenrecht zu genießen, wie jeder-andre Bürger, auf Anerkennung' seiner Handlungen hoffen zu dürfen! Wer mag es dem Juden verargen, wenn er ein solches Land zu seiner Heimath und zu seinem Vaterlande sich erwählt. — C o r r e s p o n d e n z e u. Aus Amsterdam. Angelegenheiten Palästina's (Fortsetzung.) Unter den vielen Gebäuden, die in Asche liegen, zählt mau auch das Bet- Hammidrasch, rP2t, deS seligen Rabbinen von f nebst allen darin gewesenen ToraS und an- > dem heiligen Büchenu^-Zrun Glück haben die Entflohenen nach