Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 13 (29.1.1839)
- Date
- 1839-01-29
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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51 <rnd Schroffheit des Ueberganges in den Polytheismus herleiten und erklären läßt. Der Unterschied aber, den wir hier finden, können wir nicht schärfer,- kürzer und beziehungsrekcher Ausdrücken, als mit den Worten des tiefsinnigen Philosophen JP. Bayle (Reponses aux questipns d’un provincial c. 110). Es ist bte Rede von dem, was Herr Bernard gegen Bayle über die Philosophen geäußert hatte, betreffend ihre Lehre des Monotheismus. Bayle behauptet mit allem Grunde, jene Einheit der Philosophen sei nichts anders, als ein Collectiv?Begriff. Sie haben jenes Wort: Gott —' sagt er — nur der Bequemlichkeit des Ausdrucks halber (als Abstraction aller Naturkräfte) gebraucht: all» de signtfier proniptement un cerlain monceau de choses, qui nc peut elre qu’unique, et auquel ailleurs aucune autre Sorte d’Unite ne conrient, que celle du mot. (Begriffs-Einheit): Was aber ist jene angedeutete „andere Art der Einheit" die nicht Einheit des Worts ist, durch welche das Philosophem sich von der Lehre der Offenbarung unterscheidet? Es ist die Einheit des Individuums, die Persönlichkeit.' Sie ist nicht sowol von einer Einheit der Kräfte, oder der Stoffe, oder vön einer . Einerleiheit Beider die Rede, als vielmehr von einer Einheit eines moralischen Wesens, das da handelt nach seiner Willenbestimmung, nach Wahl und Entschluß, unter moralischer Verantwortlichkeit; es ist die Rede von einer sich selbst bestimmenden lebendigen Monas. Der Gott der Offenbarung erscheint und giebt sich zu erkennen, als Ein Individuum, und zwar in höchster Art uyd That, als Gott, Schöpfer der Geister und Leiber-, als ein lebendiger, freithätiger Gott*) Diese Lehre unterscheidet sich aber noch auf mehrfache Weise vom heidnischen Polytheismus und der Philosophie, und ist besonders in den, daraus abgeleiteten Bestimmungen des Menschen, als eines gottähnlichen Wesens, als einer ebenfalls mit Freiheit begabten geistigen Monade; dann in seinem Beruf zur Thatigkeit^ seiner gesellschaftlichen Ein- *) Die Art, mit welcher sich ein gewisser philosophischer Idealismus speizt und auf seine tiefere Begründung pocht, ist eine nicht genug gewürdigte und nicht in ihre Schranken gehörig zurückgewiesen c. Es ist ein eitler, Stolz und eine sich auf Nichts gründende Anmaßung, wenn der Idealist sich auf den Materialisten herabzusehen das Ansehn giebt. Der falsche Schein einer Immaterialität und geistiger Anschauungen hat Manchen getauscht, und bewogen, den Ansprüchen des vornehm thuenden Idealismus, wenn er ihm auch keineswegs ohne Vorbehalt sich hingeben mochte, sich zu fügen, und ihm den Vorrang der Dignität cinzuräumen. Dagegen läßt sich aber Folgendes bemerken: Der Idealist ist, wie der Realist, dasselbe auf gleicher Linie ein Vergvtterer des Geschöpfes, weil beides, Materie und ihre Kräfte, die That eines Andern sind., In Beziehung auf den Glauben an eine Weltschvpfung befindet sich indeß der Idealist im verborgener« Gegensätze zum Glauben an einen Gott, als der Materiarrchtung, und. der Zusammenfügung seines Staatsgebäudes, von unendlicher Prägnanz. (‘0 de &tog o]f.uv tzuvtmv /¥Qfj(.iuT(jüv (.itzQov uv tn] [.idXiga, Uns ist der Gott das Maaß aller Dinge in vorzüglicher Bedeutung.. — Plato, de legibus IY.) Es würde die engen Grenzen eines Zeitungsartikels überschreiten, wenn man diese leicht ableitbaren Folgerungen aus der geoffenbarten Lehre in ihrer Opposition mit denen, aus dem Heidenthume und/der Philosophie'fließenden , weiter' verfolgen wollte. Nur eine derselben dürfen wir nicht unterlassen, näher zu bezeichnen, und dies ist das Gebot der'Heiligung. Dieseerhabenste aller Consequenzen der ächten Einheitslehre, wie . die Offenbarung, sie uns mittheilt, wie ihren Einfluß auf den einzelnen Menschen und dessen bürgerliche Vergesellschaftung, müssen'wir unserm Gesichtkreise näher rücken, um endlich aus ihr die Beantwortung unserer Frage „was knüpft den Juden an sein Volk und seine Religion?" zu unternehmen. Was ist: Heiligung? Wir finden im alten Testamente an den verschiedensten Stellen dieselbe als unbedingtes Gebot: seid heilig! Ich bin Euer Gott. Ferner ist daselbstdie Rede von einem heiligen Priesterreiche-, und so an vielen Stellen, welche der gelehrte Theolog Benedict Carpzow gesammelt und in einem Programme commentirt hat. — Unstreitig ist in dem Gebote der Heiligung eine-absolute Anforderung an den Menschen erlassen, welche sich nur verwirklichen läßt, wenn derselben eine andere Lehre vorausgegangen, und in das menschliche Gemüth eingedrungen ist. Dies aber ist die Lehre von der Ebenbildlichkeit der Menschenseele mit jenem Vater der Geister, von bem dies Gebot.ausgegangen ist. In dem Gebote der Heiligung ist aber besonders die Forderung an den Willen gestellt, daß dieser rein, heilig, frei, gottgleich sei, und daß von ihm eine Ausstrahlung der Heiligung ausgehe,um sich über alle Zweige der Civilisatkon zu verbreiten, diese zu durchleuchten, daß sie wie ein Metall im Feuer durchscheinend list, weil eben der Idealist ein geistiges Princip, als erstes setzt, ein Analogon und Spiegelbild des wahren höchsten Geistes; während der Materialist, der den Geist zum Products der materiellen Conformation macht, mindestens sich im offenbaren Widerstreit mit der Idee der Offenbarung gesetzt hat. Dazukommt, daß, während dem Idealisten die Materie in Nichts schwindet, und ihm von der Schöpfung gar nichts nachbleibt; der Realist da6 Vorhandene stehen läßt, und sich damit nicht in offenbaren Zwiespalt mit der SchöpfungSlchre setzt." Die Materie ist, der, Schöpfungslehre nach, ein wirklich-wesentliches und als Werk GortcS eben so wesenhaft, als der Geist, und ist in der Beziehung von gleicher. Würde mit dem Idealen. Hiernach ist es klar, daß ein gelauterter Materialismus mir der" höchsten Offenbarungslehre sich gewissermaßen'im Einklänge befindet, während der KealismuS derselben durchweg und diametral entgegengesetzt ist. ' Ä'nm. des Vers.