Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 13 (29.1.1839)
- Date
- 1839-01-29
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 klar würde und von der Schlacke sich reinige. Die erste , Forderung ergeht demnach an den Willen, daß er sich in seiner Freiheit behaupte und alles Andere, was ihm in seiner Wirksamkeit ein Hinderniß werden könnte, sich unterordnen. Zu solchen Hemmnissen gehören nun alle, irgendwie außer seiner göttlichen Natur liegenden Beweggründe, die trübere Motive de^s Besitzes, der Ehre, des Genussesrc. Es versteht sich von selbst, daß diese wahrhafte, uns angesonnene Heiligung von oben herab alle andern Verhältnisse des Lebens in der Sinnenwelt veredlen, d. i., heiligen müsse. An diesem Orte muß man sich mit Entschiedenheit gegen die Ansicht des Herrn Salvador von der Lehre Mosis erklären, eine Ansicht, die ihren Grundgedanken noch in das Heidenthum, mit der, diesem eigenthümlichen, Einheitslehre gehört, aber keknesweges irgendwo eine Stelle in der Offenbarungslehre findet.*) x , (Schluß folgt.) Journal-ZT ev ue. (Fortsetzung.) ES ist eine alte Erfahrung, daß wir Deutsche viel mehr in der Vergangenheit stecken als in der Gegenwart. Wir können uns von jener nicht frei machen, und so geschieht es gewöhnlich, daß wenn wir eben fertig zu sein glauben, u)n an ein Stück Gegenwart zu gehen: stehe da! ist dies unterdeß selbst wieder eine Vergangenheit geworden. Dies hat uns schon oft,arges Spiel getrieben, besonders aber ging es uns Deutschen darum schlimm mit uns Juden. Man kann in Deutschland den alten Juden noch immer nicht vergessen, , man kann sich nicht dazu bequemen, den frischen, lebensvollen, levenSthcilnchmenden Juden der Gegenwart als solchen zu würdigen, man wühlt immer noch begierig in den alten Schutthaufen, um die etwaigen Ueberreste eines vergangnen Geschlechts für die jugendliche Generation zu setzen, man verleugnet diese, um nur jene an dem systematischen Faden der Zeit fcsthalten zu können. Fragen wir daher, bei den Deutschen um das Princip nach:, so werden unter Zehn wohl' Neun die Emancipation nicht allein als rechtszuständig, als vernunftsgemäß, sondern auch als höchst wünfchenswerth für Juden und Christen ausgcben. Fragen wir aber nach den Objekten des Prinzips» selbst, nach den Juden, so werden unrer Zehn ebenso Neun mit einer Masse von Klauseln, Bedingungen, Fragezeichen ff. kommen, die alle die tobte Vergangenheit, keine die lebenSfrifche Gegenwart berechnet hat; Niemand will die mit vollen Segeln herankommcnde Zukunft, Jeder die längst im^Purpurfchein der Abendröthe sinkende Vergangenheit berücksichtigen. Wir würden dem bekannten Redlichkeitssinn des Deutschen zu nahe treten, sollten wir nicht .voraussetzendaß sich dies auch in seinen Zeitblattern kund thue. - Das Literatur-Blatt zum Morgenblatte von Menel hat früher mit den pomphaftesten Worten die Vertheidigung der Emancipation übernommen. Es stieg sehr gern auf den tragischen Cothurn, um aus der Höhlung seines Füllhorns seine Gaben auf die Juden zu schütten. Seitdem aber dem Redakteur dieses Blattes zum Bewußtsein gekommen, daß seinen Schützlingen auch etwas eigenthümliche Kraft inwohne, , die sie" bei Gelegenheit gebrauchen können, seitdem sich unglücklicher Weise in den' Reihen seiner Gegner auch etliche Juden befanden, hat er seinem Laß auf die Schützlinge geworfen, und mäkelt an seinem eigenen Prinzips so sehr herum, daß kein Faden daran bleibt. Wir haben das Eigene, daß, wenn wir von Juden reden, wir weder an Börne und Heine denken, noch an Auerbach (Verf. deS Spinoza), Wihl und alle diese Einzelnen, die Juden waren oder Juden sind. Wir begnügen uns bescheiden mit den einigen Millionen Juden in der Gesammtmasse, und überlassen jene Einzelnen den Literaturzweigen, denen sie angehören. 'Es ist aber eigen, daß für den Reichthum der Reichen, die zufällig Juden sind, wiss armen Juden, für die Produkte der Geistreichen, die zufällig Juden sind, wir gewöhnlichen Juden büßen müssen: Jene schmausen in ihrem Reichthum beiderlei Art, und wir Darbenden müssen den. Neid und Haß dafür tragen. Könnte man nur irgend Consequenz von -einem so alten Literaten, wie Herr Menzel ist, verlangen:,was meint er wohl, was heraus käme, wenn man seine früheren Tiraden'mit seinen jetzigen Schmähungen zusammenstellte, und das verbindende Mittelglied, Heine, Börne ff. ausließe? — Man würde Beides für Stylübungen halten,- wenn Herr Menzel es sich nicht von Verleger und Publikum bezahlen ließe. Doch immerhin. Herr Menzel hat auf seiner kritischen Laufbahn schon so viele Lehren erhalten, daß eS ihm um eine mehr nicht ankom'men wird. Wir wollen nur sagen: wer in der politischen, wie moralischen Welt in gebührendem Glanze da stehen, wer in irgend einer Art Achtung gebieten will — der muß sich einem Charakter wahren, und, nach welcher Seite es sei, eine bestimmte Richtung verfolgen. Alle die, welche bald hier, bald dort zu finden, welche bald die Welt mit Freimuth beglücken, bald in den Banden verrosteter Verhältnisse zurückhalten wollen, denselben Gegenstand/batb loben, bald schmähen, je nachdem er sich ihnen gegenüberstellt — diese, werden sich mit dem stkufe literarischer Charlatane begnügen müssen. —- Die Tagereise vom Morgenblatte zum Abendblatts ist bald zurückgelegt. Geistige Wahlverwandtschaft wird man nicht leugnen können. Will man noch mehr, ließe sich sogar zwischen Stuttgart und Dresden manche Parallele ziehen. Jedoch gestehen wir gern, daß das Abendblatt'mit geringen Mitteln und in ge- 'ringein Maße nur leistet, was das Morgenblatt mit großen im Großen. Man wird immer das Abendblatt eine bedeutende Stufe niedriger finden. Witze mit Namen lieben wir jedoch nicht. — Woran sich das Abendblatt ganz dick gegessen? Am Mauscheljuden und Judenmauscheln. Wir gönnen ihm die Freude daran. , Es ist hier unsre Absicht, nur einen allgemeinen Blick in die Vergangenheit der Blätter zu werfen , das' Einzelne aber fallen zu lassen , um uns die Aufsicht nur für alles Kommende zu sparen. Nur einen Liebling hat sich Herr Th. Hell unter den Juden ausgewählt,- so ein rechtes Schooßhündchen, die Beer'sche Familie in Berlin, deren Familienchronik er sehr gern wiedergiebt. Warum? Das wird er am besten wissen, fraget ihn selbst. — Zweierlei Juden kann Herr Hell am besten brauchen, ganz g.emeine, oder so rechte Wütheriche in sich: zu diesen beiden hat er eine unwiderstehliche Zuneigung./ Daß Herr Hell in Bezug auf die Emancipation sich mit den sächsischen Antipetrtionirend.cn auf eine Stufe gestellt, verargen wir ihm gar nicht : er wollte mit diesen fraternisiren. Daß er aber den Sitten stand der Juden immer wieder zum Eisenmenger führt, und von ihnen nur Hausirer oder orientalische Opiumfrcsscr kennt, macht einem so allen Ueber-. setzer alle Ehre. Er übersetzt sie.. (Fortsetzung folgt.) ") Die auch weder er selbst, noch sein Uebersetzer ansprechen zu wollen scheint. A. d. S. Redacteur: Dr. L. Philipps»». — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirsch feld. -