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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-22 · Heft 10 (22.1.1839) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 10 (22.1.1839)
Date
1839-01-22
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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58 gleichen äußerlichen Motiven, für eine religiöse Gemeinschaft wählen; ode§: würdest du bei gleicher äußerlichen Stellung dich veranlaßt finden, deine Religion, als eine minder göttliche, zu verlassen, und^ dich von ihr und deinem Volke loszusagen? ‘ Um einen richtigen Eingang in das Gebiet dieser Frage zu finden, müssen wir uns von vorn herein auf den Umfang der Wirksamkeit jenes Motives außerhalb der Religion selbst, der Ehre, des Gebotes der Selbstachtung, besinnen; und da finden wir denn bald, wie eng sein Umkreis und wie beschränkt seine Wirksamkeit im Allgemeinen war. Nicht zu gedenken, daß es nur auf .denjenigen Thekl des Volkes einwirken könnte, der gelöst, und von seinen Grund und Boden getrennt, -in einer unglücklichen Schwebe gehalten wurde, zwischen einer ihm aufgedcungenen, innerlich schon gelösten alten Gemeinschaft, und einer europäischen Bildung, der er durch Sitte und Neigung angehörte. Die Grenze, die übersprungen werden sollte, war nicht mehr die alte Kluft, die den Asiaten vom Europäer trennte; es hatte sich diese Kluft bis auf eine kaum merkliche Linie zusammrngezogen. Es war kein eigentlicher Uebergang vom Volk zu Volk mehr HU machen.- Und daher war es ein Geringes, was wir als bloße Wirkung des absoluten Pflichtgebotes anzusehen haben, des Gebotes eines höheren wahrhaftigen poiut d’ honneur’s, das uns selbst das Bessere verbietet, sobald es mit Verletzung , oder auch nur.mit einem Schein der Verletzung unserer Würde geschehen muß; allein ' der Umfang der Wirksamkeit konnte nur sehr ,ger.inge sein, selbst in seinem Gebiete, der herangewachsenen Jugend, Mir geringe, so gering, als wir leider die Wirkung jener innern Ehre in der Erfahrung kennen zu lernen Gelegenheit hätten. Auf den altern Theil des Volkes dagegen hatte dieser Beweggrund gar keinen Einfluß. Hier ward er vielmehr von zwei andern vorweg hingenommen; von einem höchsten, der inneren religiösen Ueberzeugung bei Vielen; bei noch Mehreren: von einem niedrigsten, der Verdumpfung im Autoritätsglauben und der Furcht vor einem Gespenste. So grenzt das Erhabenste und das Gemeinste an einander, und also kann von jedem, je nach den Umständen, Einerlei bezweckt werden. Wie nuN aber für den Erfolg, die Erhaltung des Judenthums, Eines wie des Andern wirksam ward, ist bekannt genug, wie auch, daß das letzte principia», inertiae ihm mit andern Religions - oder ähnlichen -Verbindungen gemeinsam ist. Weniger öffentlich aber, und dennoch an mancherlei Symptomen unverkennbar, schlich das Bewußtsein innerlicher Unwürdigkeit auf dem glänzenden Lebenspfade manches Apostaten trotz seines beneideten Aeußern, als Gespenst und Doppelgänger neben ihm her. Seine'Stimme brach nur ein-einzig mal, und zwar aus einem der achtbarsten unter denselben hervor. Bei diesem aber galt der Schmerzensruf doch mehr der natkonellen, als der religiösen Angelegenheit, wie er denn überhaupt zu sehr in politssche Fragen sich versenkt hatte, um für die religiösen einen offenen Blick sich erhalten zu können. Dieser Mann "war L. Börne.' Wenn nun aber weder die innere Ehre> noch die geheime Scheu vor der^ zu übernehmenden feindseligen Stellung gegen ehemalige Verwandten und Brüder, die mit einem Religionswechsel, als gleichzeitigen Volkswechsel, im größten Theile des civilisirten Europa einrritt, nicht als hinreichender Grund gelten kann,, aus dem wir die Wirkung der Ursache, die wir gegenwärtig aufzusuchen uns bemühen, zu erklären im Stande sind: wie sollen wir denn jene Kraft benennen, die einem scheinbar so lose zusammenhängenden Gesammtkörper, wie das Judenthum ist, in den letzten fünf Decennien innern Halt zu verleihen im Stande war? Was haben wir von derselben für die Zukunft zu erwarten? Welche geistige Peripherie dürfen wir aus diesem ethischen Centralpunkte voraus berechnen? 'Der Verf. macht sich auf.keinerlei Art anheischig, diese hohen Fragen insgesammt zu beantworten; einige und selbst die wichtigsten darf er nur signalisiren, nur auf sie hindeuten, weil sie offenbar über den Umfang seines Gebietes hinäusragem ' Andererseits aber liegt schon ' in der Beantwortung der ersten, die der letzten, eingewickelt, und ergiebt sich von selbst. Fassen wir nun die erste „welches ist das erhaltende Lebensprinci p des Judenthums" scharfer ins Auge; so zerfällt diese gewissermaßen in zwei andere Fragen, allein auch nur gewissermaßen. Denn wir können im Voraus schon darauf Hinweisen, daß diese vorerst auseinander tretende Frage, bald wieder in eine einzige zusammentreten werde. Die Frage ist nämlich nach dem, was den Juden an sein Volk und an seinen Glauben knüpft. Also nur vorläufig, um uns im Gebiete unserer Discussion gehörig zu. orientiren, legen wir auf diese Art die Frage auseinander-und erörtern eine jede insbesondere. Also: was knüpft den Juden .an sein Volk? — Sehen wir auf die vergangene Generation zurück; auf die längst dahin gegangenen Geschlechter mit ihren jüngeren, tieferen Erinnerungen an Epochen des Glanzes und einer innigeren und näheren Verbindung mit einem „Könige der Ehre" dem diese Familie von Hirten sich/ unvermittelt durch Priester, Könige und Priesterkönige, als Kinder untergeben fühlte; dem sie alle Kraft, alles Heil und

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