Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 8 (17.1.1839)
- Date
- 1839-01-17
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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51 Len, daß dieser Collektkvkörper des Judenthums allen jenen, auf denselben, selbst in denselben eindringenden, zerstörenden Momenten widerstehen konnte? — Es ist insbesondere zu einer Zeit, wie die gegenwärtige ist, von nicht unbedeutendem Interesse, , sich diesem Probleme mit' allem Ernste der Untersuchung zuzuwettden, und sich die Ursache dieser Wirkung recht klar zu machen. Denn es deutet die gegenwärtige Zeit dem aufmerksa- ' men Beobachter eine Richtung an, die dev unmittelbar vorangehenden als Gegensatz gegenüber steht. Es ist nämlich durchaus nicht zu verkennen, daß in den Gemüthern aller derjenigen, die sich noch zum Judenthum, näher oder ferner, bekennen, sich eine mächtige Umstimmung ereignet hat. Diese. Umstimmung aber schreibt sich zuvörderst her von der ausgebildeteren Anerkennung einer Unbill, die den Bekennern der jüdischen Religion eben wegen dieses Bekenntnisses durch die mächtigere herrschende Kirche,. die zugleich 'Staat war, zugefügt ward. Dieser Anerkennung ging eine andere, allgemeinere, unmittelbar voran, daß man nämlich keinen .Gewissenszwang zu üben berechtigt sek; daß mithin jede Rechtskürzung aus religiösen Rücksichten eine Ungerechtigkeit, eine Gewalt, fei, und daß.durch jene Beeinträchtigung das Prinzip des Rechts im.Allgemeinen tief gekränkt werde. Unterdrücker und Unterdrückte gewannen beide durch diese, unserem Zeitalter, nimmer mehr zur Klarheit gewordene Erkenntniß, und es ist noch die Frage, wer von beiden am meisten dabei gewonnen habe. Denn mitten unter dem schwächlichsten Drucke von Außen entwickelte sich beim Gedrückten noch immer zu jene geistige Elastizität und moralische Strebekraft, die je und je dem Dulder die Palme und die Krone errungen hat; während der Unterdrückte an der Entwürdigung der Moralperson im Menschen nicht sowohl Theil nahm, als sich selbst vielmehr zu ihrem bestochenen Richter und Henker entwürdigte. — Sodann aber datirt sich diese Umstimmung,in der Gemütbsverfassung des jüdischen Volkes ganz augenscheinlich von jenem regeren Kampfe her, der auf dem Gebiete des alten guten Rechts von den Unterdrückten gegen die Unterdrücker immer siegreicher geführt wurde und der namentlich im letzten Jahrzehend vom hochbegabten Vertreter dieses Rechts, dem vr. G. Rießer, mit einem Erfolge durchgeführt wurde, den ihm selbst die in,ab8traeto einräumen, die in oouereto auch dem Rechte nur so viel zugestehen mögen, als ihnen die Gewalt in seinem Geleite abtrotzt, ein toryistisches Eingestandniß, das dem. Diabolischen persemare in errore noch den Rang ablaufen möchte. Es ist offenbar, daß gerade durch diesen Kampf, und durch die Art, wie er geführt wurde, das Vertrauen sich neu belebt, und eine Lebenswarme sich I entzündet habe, die unsere Heranwachsende Generation empor, und mit sich fortriß zu einer Begeisterung höherer Art, und zum Gefühle innerer Würde, deren Verletzung mit jedem Momente fühlbarer und deshalb unerträglicher wurde. Dies ist die tiefe Nachwirkung jener scheinbar äußerlichen Debatte über die bürgerliche Gleichstellung, und dies ist der Gewinn vor dem eigentlichen Erfolge, dessen Werth von diesem kaum erreicht werden, und der überhaupt jeden andern Vortheil leicht aufwiegen dürfte. Dieser Eindruck ist von einer Tiefe, und von einem solchen Nachhalle begleitet, daß auf eine, Manchem unerwartete Weise dem jüdischen Volksthume (dessen Auflösung mit sichtbarem Wohlgefallen von mehr als Einer Seite mit falschprophetischer Zuversicht vorausgesagt wurde) ein neuer, lebenskräftiger Mittelpunkt errungen wurde. Nicht blos schwand die Makel, die auf dem Namen Jude seit dem Ausstößen desselben aus der bürgerlichen Gemeinschaft von außen her haftete, und später von innen her durch die entehrende Scheu, den Namen zu tragen, vor aller Wett anerkannt ward; sondern es schlug, was früher als Schande und Unglück getragen ward, in sein Gegentheil um; und was noch kurz zuvor so oft ein Hauptmotiv zum Abfalle war, eben dasselbe ward umgekehrt zum Beweggründe. des Verharrens umgestempelt, dem selbst die Ansprüche der Ueberzeugung einstweilen untergeordnet werden sollten, als einer Angelegenheit der höchsten Menschenwürde, der innern Ehre, die über jedes andere Moment erhaben ist. Kurz, der Wahn einer falschen Schande verwandelte sich in die Ueberzeugung einer tiefen Pflicht und eines hohen Ehcenpunktes. Und jetzt war vorläufig das Hinderniß, das auf die Menge wirkt, und zwar auf die bessere Menge, glücklich überwunden, denn gegen die Verworfenheit einer niederträchtigen Gesinnung wird nun und nimmer was Erhebliches auszurichten sein, und die allecgemeinste Klugheit wird niemals auf die Dauer und mit wahrhaftem Ernste eine gute „milchgebende Kuh" zu behaupten im Stande sein. Wenn nun auf die eben bezeichnete Weise durch die Geisteskraft eines reichbegabten Mitgliedes unserer Gemeinde ein erhöhetes moralisches Bewußtsein in derselben erweckt wurde, das zwar für's erste vom untergeordneten politischen Standpunkte aus auf den religiösen mit einem raschen, unerwarteten Aufschwünge emporgehoben ward; wenn das Gefühl einer bürgerlichen Zurücksetzung, unverdient getragen,, wenn die innere Entrüstung über eine höhnende Gewalt, die ihr eingestandenes Unrecht fortzuüben sich nicht entblödet, jene moralisch erhabene Umwandlung hervorzurufen, im Stande war: so liefert auch dies Ereigniß wieder einen I