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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-17 · Heft 8 (17.1.1839) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 8 (17.1.1839)
Date
1839-01-17
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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52 neuen schlagenden Beweis dafür, daß in dem Organismus der menschlichen Gesellschaft keine Ausladung desselben - anzutreffen sei, der nicht seine letzten Wurzelfasern in einem moralisch-religiösen Grund und Boden habe.*) Es giebt in den vielfachen Beziehungen der menschlichen Gesellschaft keine, die soweit vom moralischen Centrum des humanen Lebens entfernt wäre, daß man nicht von derselben aus in Einem Schritte unmittelbar in den Mittelpunkt selbst sich versetzen könnte. Nun aber ward für andere Ueberlegungen Raum und Zeit gewonnen. Das Maal der Schande einmal getilgt, konnte sich das beruhigte Selbstgefühl mehr den höhern Fragen zuwenden, und sich umschauen, ob nicht auch tiefere Gründe vorhanden seien, in der Ueberzeugung und dem Bekenntnisse aus freier. Wahl zu verharren, in welches ihn die waltende Vorsehung ohne sein Zuthun nun einmal hineinversetzt hatte. Diese Seelenverfassung ist ganz vortrefflich von dem berühmten Thomas Moore in seiney „Reisen, eine Religion zu suchen" geschildert worden. Begreiflich kann jener Grund, als äußerlicher, nur so lange Vorhalten, als er selbst in Kraft blieb. Sobald er auf eine oder die andere Weise gehoben wird, hört seine Wirksamkeit von selbst auf., Seiner Natur nach gleicht er für das, was er tragen und halten soll, einem starren Trotze, einer Gewaltsamkeit, vermöge welcher selbst die heiligen Gründe der Ueberzeugung für eine Zeit lang in den Schatten treten / müßten. Es besagte nichts mehr, als der bekannte Spruch: Fiat juslitia et pereat imindus! durch ihn ward Seele und Seligkeit dem Pflkchtgebote: laß dir deine Freiheit durch keinerlei - Zwang verkümmern! untergeordnet, und die Würde des Geistes, selbst auf Kosten seines höchsten Glückes, gerettet. Oder vielmehr: er bezeichnete die Anerkennung jener Wahrheit des unbedingten Pflichtgebotes, der Wahrheit, daß des Geistes einziges, und mithin, höchstes Gut seine Würde, und diese Würde nichts anders, als sein unbedingter Gehorsam gegen sein ihm eingeborenes eigenes Gebot, d. i. nichts anders,, als seine ungehemmte Selbstbestimmung, d. i. seine.geistige Freiheit 'ist, Diese Ehrensachekonnte indeß eben .so gut, als sie hier an eine Religion geknüpft war, an jede andere, selbst die geringfügigste Bedingung gebunden gedacht werden. (Fortsetzung folgt.) S p r a ch k n n b c. Jesurun und Konkordanz. Von dein gegenwärtigen Standpunkte der Grammatik und Lcxicographie der hebräischen Sprache giebt -p-vr^ hstt oder Jesurun von Franz Delitzsch?) die umfassendste Kunde. Es ist dies eine, neue Begründung der von Fürst begründeten „historisch-analytischen" Schule, welche somit die historische Ansicht Geseniuö' und die rationelle Ewalds beseitigen will. Wie es sich von selbst versteht, muß diese Schule selbst auf die historische Basis sich stellen, indem sie. selbst eine historische Spitze ist. Die vorliegende Jsagoge rheilt sich daher in drei Bücher, von denen das erste „Ueber den Ursprung und die Fortschritte der hebräischen Studien" sich auslaßt. Zuerst wird über die Anlehnung der. Kirchenväter in ihrer hebräischen Sprachkenntniß an die damaligen, talmudischen Lehrer gesprochen, und der Allgemeinsatz durchgeführt, daß die Alten, bei der genauesten.Herrschaft über ihre Sprachen, dennoch an grammatischer Erfassung derselben höchst dürftig waren, wie Plato, Philo und Varro hinlänglicherweisen. Dies bezeichnet Delitzsch als die unterste. Stufe. Im Mittelalter geht die Synagoge im Studium des Hebräischen rasch vorwärts, die Kirche folgt höchst'langsam -den Füßtapfen jener. Die Juden im geonischen Zeitalter bearbeiten, nach Vorgang der Araber, die Grammatik fleißig. Was bei den Arabern gegenseitig nicht der Fall war, die Juden benutzen die Targumim und arabische Sprache zur Vergleichung. Karl der Große und Kaiser Friedrich ll. suchten aber vergebens die Kirche zum Studium der orientalischen Sprachen anzuregcn. Die großen und glänzenden Fortschritte der Mohamedaner und Juden regten diese.zuerst an, aber auch da bediente sie sich nur-einiger jüdischen Renegaten, welche selbst unkundig waren. Unterdeß bildete sich die italische und spanische Schule der Juden glanzend aus. Endlich traten die vom Juden unterrichteten Reuchlin und Cajetan auf, und mit ihnen beginnt eine neue Periode der hebräischen Studien in der Kirche, die dritte, die jedoch ungeschickter Weise sich gerade auf.die geringfügigeren jüdischen grammatischen Schriften stützte. Dennoch war durch diese immer doch der Zugang eröffnet. Gegen Ende des 1<iten Jahrhunderts begann die vierte Periode, welche die hebräische Sprache sowohl.mit 'der lateinischen und griechischen, als auch mit den semitischen, welche durch die römischen Mipionen bekannt wurden, . verglich. Hierdurch geschah es aber, daß-die Kirche nunmehr den Zusammenhang mit der Synagoge in sprachlicher Beziehung gänzlich aufgab; wohingegen wiederum die Synagoge die Sprachvergleichung allmahlig vernachlässigte. Alb. Schultens, der Stifter der belgischen Schule, begründete die fünfte Periode. Diese war die arabissrende, welche die hebräische Sprache zur Magd ber nur empirisch gekannten arabischen machte, und jene ganz in die-Bande dieser schmieden wollte; die chaldäische würde ganz vernachlässigt, die Commenkarien der Juden nicht mehr angesehen. Nachdem so die einzelnen Quellen der hebräischen Studien eröffnet waren, sollte die sechste Periode diese organischer verbinden, und sämmtliche in ihr Bereich ziehen. Gerade darum mußte sie in einzelne Tendenzen zerfallen, die sich erst in einer höhern wieder zusammenfinden'mußten. Betrachten ww dies etwas genauer., (Fortsetzung folgt.) °) Jesurun sive Prolegoinenou iu Concordantias veteris Testa- Tiicuti a Julio Fuerstio editas libri tres. Auctore Fraueiscu Ddifzscliio, oder Isagogc in Grainmaticain et Lexicogniphiam^ linguae Hebriiicae. Coutra G. Geseuiuaj et II. Etvaldum. Auctore Fr. D. Grimmae 1S38. *) Wenn dieser Satz wortgemäß nicht ganz richtig ist, so liegt die Ursache in der Undeutlichkeit der Handschrift, und bitten wir um die Verbesserung. Rcdact. Redacteur vr. L. Pyrlippfon. — Verlag von Barrmgärtrrers Buchhandrung. — Äruck von I. B. Hirschfeld.

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