Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 8 (17.1.1839)
- Date
- 1839-01-17
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225022--01562-3315439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 ' Sie vertheidigt ferner, diese Angelegenheit-mit den schlagendsten. Worten, und yerweijd auf ein vor Kurzem erschienenes Schriftchen: j ,/Die -Eman-zk-pa'tl'on^-der Juden von C. Steinacker. Au Händen der schweizerischen Großräthe, .abgedruckt aus Rotteck und Melkers Staatslexikon Bd. Y. Hft. I. Zürich Verlag des Neuen Berichthauses, und Literatur-Bureau. 1838. 8. broschirt." " ■ ■' Wer diese unparteiische staatsrechtliche Schrift mit Verstand und gutem Willen zur Hand nimmt und gewissenhaft prüft, der muß zu dem Resultate kommen, daß es ein himmelschreiendes Verbrechen an dem. Grundsätze und an dem Geiste unserer Verfassung-fei, wenn man die Juden nicht allen übrigen Staatsbürgern gleich 'stellt." Wir können dem Volksboten so nur den rechten Eingang wünschen in die Herzen des Volkes und seiner Führer.— Außerdem ist schon wieder eine Note der französischen Regierung wegen Gewerbsbeschränkungen eines französischen Bürgers, der sich zur israelitischen Religion bekennt, eingelaufen. 1 . Kopenhagen, .29/Dez. Am 24. Dez. wurden die Roeskilder Provinzial- Stande geschlossen. Die Standezeitung bringt uns die'Rede des Königl. Kommissars in der'Schlußsitzung, welche leider! schon im Voraus zu bezeugen scheint, daß die an den König von den Ständen gerichtete Petition, auch den Mosaiken das Recht, in die Stände. gewählt zu werden, zu geben, ohne Wirkung -bleiben wird. Es heißt in dieser Rede:, „Die Bitten, welche sich dem Throne nahten, würden unfehlbar des Königs landesvaterliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen; doch habe ex (der Kommissar) den Auftrag, ihnen zu erkennen zu geben, daß die Bitten, welche sich auf Veränderung inden Provinzialständen selbst bezögen, nicht bewilligt werden könnten; gewiß "würden sie erkennen, daß der König wichtige Gründe haben müsse, keine Veränderung in der Institution zu machen, die ja auch überdieß, so wie sie aus des Gebers Hand gekommen, dem Volke von so großem Nutzen sei." - Nicht zu übersehen ist hingegen in der Schlußrede des Präsidenten, wo er den. Geist der Versammlung belobt, die Phrase, daß dieselbe auch die Geneigtheit bewiesen hätten, „die ungehinderte Wirksamkeit der Kräfte in der bür? gerlichen Gesellschaft zu befördern." — Sei es immerhin, haben wir doch die Genugthuung, daß die Versammlung selbst uns für würdig hielt, in ihren Schooß aufgenommen zu werden; ist dies doch das glänzendste Zeugniß für unsere bürgerliche Tüchtigkeit, und was da kommen soll, bleibt niemals aus. — London, 1. Jan. (Privatmitth.). So eben lese ich in der Allg. Augsb. Zeitung über die sogenannten Christus- Israeliten, die sich in England zu einer Sekte gebildet hätten. Ich halte es für nothwendig, zu erklären, daß diese Sekte durchaus nichts mit den Juden gemein hat, sind auch keine Juden zu ihr gehören. Ausgehend von den Stellen am Neuen Testamente, wo die Aufhebung des mosaischen Gesetzes geleugnet wird, wollen die Anhänger, doch ohne bis jetzt zu weiterer praktischer Ausführung gekommen zu sein, als höchstens unsinnige Reden auf offener Straße zu halten, einen Mittelstand zwischen Judenthum und Arianistnus einnehmen. Uebrigens sind die Mitglieder nur Leute aus den untersten Ständen, Fabrik-Arbeiter ff., die allerdings einen Schutzen einem Lord gefunden haben,, denn wozu findet man den hier nicht? Prag, 2. Jan. (Privatmitth.). Die Zahl derjenigen, welche dem Wunsche beitreten Rappoport als Religionsvorsteher unserer Gemeinde zu begrüßen, vergrößert sich mit jedem Tage, und die geachteten Herren I. Piesling und M. Schwab werden sich die ganze Gemeinde zum größten 'Danke verpflichten, wenn sie in ihrem Eifer fortfahren, mit welchem ' sie bisher in dieser Angelegenheit hervorgetreten sind. Die Sache ist bereits so weit gediehen, daß es nur noch darauf ankömmtob Herr R. geneigt sein werde seine jetzige Stelle mit dem Prager Rabbinen-Sitze zu vertauschen, um die nöthigen Schritte bei den hohen Behörden machen zuckönnen. — Unstreitig würde diese Acquisition sowohl für ihn, als kür die Gemeinde vom größten Nutzen sein. Für ihn, weil er, einem empfänglicheren Publikum näher'gebracht, durch Vermehrung der Berührungspunkte für die Produkte seiner Forschungen im Gebiete der Theologie und Philologie einen größeren Spielraum finden wird — für die Gemeinde, weil sie eben das Bedürfniß fühlt, die Zahl derjenigen, welchen es um ein gediegenes Wissen, und eine solide Richtung im Judenthum Ernst ist, um eine Illustration zu vermehren. Hoffentlich wird auch seine Erscheinung dazu beitragen, diejenigen, welche sich durch seine Berufung zurückgesetzt glauben, eines Besseren zu belehren, wenn sie sich nur einmal überzeugt haben werden, daß durch eine solche Besetzung die Würde des Amtes nur gewinnen könne; daher auch für diejenigen, welche in kollegialischen -.Beziehungen zu ihm stehen eine Verdunkelung oder anderweitige Gefährdung am allerwenigsten zu befürchten ist. N. Theologie. Was knüpft den' Juden au sein Volk und seinen Glauben? Von Dr. Steinheim, kn Altona. Nachdem sich nunmehr wol alle auflösenden Potenzen . an dem jüdischen Volksthume erschöpft und vergebens abgearbeitet haben; nachdem alle Mittel und Wege der Zersetzung unsers volksthümlichen Charakters nach einander umsonst versucht worden sind: ist es gewiß von hoher Wichtigkeit, zu untersuchen, wodurch es denn eigentlich möglich gewor-