Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-12 · Heft 6 (12.1.1839) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 6 (12.1.1839)
Date
1839-01-12
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225020--01550-3315425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 punkte des Gegebenen aus, und -zeige die allmälig, ansteigenden! Anstrengungen, in dasselbe einzudringcn, und die Zersetzung zu vollenden. Die erste Weise ist Der geschichtliche Gang, darum Lassen GiL mich ihn beschreiten. Denn der Geist des Schaffens Ersteht, nicht wie ein Kiud, das erst groß gezogen werden muß, sondern wie ein Jüngling mit voller Kraft, aber ohne Erfahrung und Bewußtsein, darum verliert er in seiner Entwickelung an Kraft und Gewaltigkeit, aber er wird sich seiner bewußter, und Läßt dann viel von sich selbst'fallen. Zuvor aber müssen wir LaS Gegebene im Judenrhume näher bezeichnen, wenn auch nur um dadurch das Folgende kürzer besprechen zu können. Der innerste Kern DeS-Judenrhumö ist allerdings die mosaische Offenbarung. Diese ist aber keine bloße Sammlung von'Begriffen und Lehrsätzen, sie sieht mir dem menschlichen Leben in dem engsten Rapport, fie wollte gleich in das Leben cingreifen und es. nach ihren innern Begriffen und Lehrsätzen einrichten und eingerichtet haben. Darum ist sie noch mehr Gesetz als Lehre. Das Leben ist aber in steter Entwickelung und Veränderung begriffen. Darum mußte dies zu aller Zeit Elemente heranschaffen, die der mosaischen Offenbarung entgegenstanden, ugd von ihr bezwungen werden mußten. Um dies zu vollführen, bedurfte es rmmer neuer Werkzeuge. Daher legte sich zuerst die Region der Propheten um die mosaische Offenbarung, welche unleugbar eine Verstärkung und Erkräftigung der mosaischen Begriffe gegen die Lebensstoffe, welche daS Volksleben Israels herangebracht batte, bezwecken. Mit dem zweiten Tempel begann das Leben Israels unter den Völkern; dcr mußte dem materiellen Sittenstande der Völker auch ein bestimmtes Sittenrcgulariv für Israel entgeacngestellt werden: das ist die Region der Syneoricn, die sich um die der Propheten legte; die mosaischen Begriffe sind schon fester und kompakter geworden, aber das mosaische Gesetz bedarf der breitem Ausführung. Als und je mehr nun die Juden unter die Völker zerstreut, und je mehr sie von diesen isolirr gehalten tvvrden,. ferner je'mehr das Leben des Menschen, gegen die frühere Einfachheit gehalten, an Verhältnissen reich und vereinzelt warddesto mehr bedurfte cs der speciellsten Kasuistik für das -Sittenregulativ: die Region des Talmuds, um die sich wieder die Region dev RabbiniSmus legte. Während dieser letzten langen Periode mußtss-cü natürlich auch geschehen, daß da, wo die jüdische Welt freier und .in Berührung mir der geistigen Bewegung! außerhalb gestellt ward, auch zugleich die mosaischen Lehrsätze zur Sprache und Bearbeitung Hainen. Die6 ist der Körper des JlrdenthumS. . Wol aber müssen wir bedenken, daß diese verschiedenen Regionen nicht bloS wie ein Commentar um den Text sich lchten , sondern selbst «Text waren. DaS heißt, sie mußten alle auf dieselbe Quelle zurückgeführt werden, auf die. Offenbarung; sie mußten selbst Offenbarung sein: die Propheten als unmittelbare Offenbarung, die heiligen Scribenten als inspirirt, der Talmud, rheils als mündlich überlieferte, schon vorhandene Offenbarung, th.eilS als Dcducticm aus dieser, die Rabbinen theilS letztere, theilö in frommer Autorität. Indem nun nach jener kurzen dekstifchen Periode der Geist des Schaffens in seiner vollen, aber bewußtlosen Kraft an diesen Körper des Judcnthums feindselig stößt: muß er Alles, 'was seiner Natur nicht zusagt, beseitigen suchen. Stofflich stößt er Alles, was nicht als Offenbarung sich documentiren kann, als solche um, daß ihm kaum Moses und die Propheten bleiben. Sachlich maßt er sich aber auch in diesen die Unterscheidung zwischen zeitlichen und ewigen Momenten an, so daß ihm nur Lehre und Moralgesetz übrig bleiben. Begrifflich will er auch in diesen das Volkrthümliche und Allgemeine trennen, so daß auch jene auf wenjge ganz allgemein gehaltene Sätze beschränkt werden. Wo möglich will er selbst yjaü vom 'n ■ abschneiden. — Nachdem aber der Geist des Schaffens das erste Moment des Bewußtseins erlangt, indem er erkennt, daß er so den ganzen Begriff der-Offenbarüng verloren und diese selbst ver- - pichtet habe, zieht er. sich einen Schritt zurück, setzt den MosaiSmus und die Propheten als fest und unverrückbar bestehende Offenbarung, außerhalb derer aber Nichts Geltung habe, und will siö in das neuere Leben einführen, dieses mit jener versöhnen. Dennoch aber, findet er hier Vieles, was sich jetzt nicht ausführen laßt, wie schon die Opfer- und agrarischen ^Gesetze, die Zehnten ff, und so will er die jüdische Welt an das jetzt noch Ausführbare der strikt mosaischen Gesetzgebung, binden, von dem Gegentheiligen sie lösen. — ■ DaS Bewußtsein wächst, und kommt zum zweiten Momente, indem es erkennt, daß eS im Vorhergehenden doch den ganzen Zusammenhang vertvren, daß, daS 56. Jahrhundert unmittelbar' an daS vier und zwanzigste rücken, wider alle Natur und Wahrheit fei; es findet, daß allerdings die mosaische Urkunde eine mündliche Ausführung in 'vielen Punkten voraussetze, und geschichtlich diese Tradition nur im Talmud zu finden sei, e'S har also bereits drei Elemente gefunden, die heil. Schrift, den Talmud und die Außenwelt, es macht den Talmud zu dem Objekt, auf dem eS operirt, es zergliedere, scheidet, trennt in diesem, e6 sucht aus diesem Fäden, die zu ver.jetzigen Zeit, ohne den RabbinismuS zur Hülfe zu nehmen, führen sollen. DaS Bewußtsein reift, mit größerer Intensität will eS die Zeiten erfassen, eS verläßt den besonder» Pfad§ schaut Um sich, und verlangt nach einem Begriffe des ganzen jüdischen Lebens im Schoße der Menschheit. Und.wenn eS diesen Begriff gewonnen, schaut eö rückwärts, und fragt, wie er von der jüdischen Welt zu allen Zeiten fest gehalten , verwirklicht worden, welche Mittel oaS Judenlhum dazu verwendet hat, und immerfort, verwenden muß. DaS Judenthum erscheint ihm alü v ein unveräußerliches Ganze, wie eS vom MosaiömuS aus herangewachsen ist, und weiter wachsen wird. Es ist ihm nicht Kern, nicht Schale, es ist ihm ein organisches Gewächs, das seine Krone immer höher, seine Aeste immer.weiter ^streckt, und dessen innerstes Lebensgewebe dennoch immer dasselbe bleibt. Es erkennt da.S Beharrende mitten im Wechsel, und den Wechsel rings um daS Beharrende an. ES ersieht die besondere Leitung Gottes, der die unmittelbare Offenbarung an Israeliten auf ganz Israel übertragen hat, um dem großen Zwecke desselben näher zu schreiten.. ES süßt daher alle einzelnen Regionen des Judenthums im Ganzen als gleich wichtige Aeußerungen des göttlichen Willens in und mit Israel aus, verfahrt aber nicht weniger der neuern Zeit ÜäS Recht,, das: Jüdenthum seinerseits weiter zu führen, wie jede frühere, und-findet dies durch die höhern Resultats und deg Zusammenstoß der Parteien. — (Schluß folgt.) Anzeiger. I«, demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum aufgenommen. . Die Berlagshandlung. In der.Huxterschen Buchhandlung in Schaffhausen ist erschienen, und durch alle Buchhandlüngen zu beziehen: •1 mino mi3/Q Mestorali teliorala oder das reine Judenthum als ' Ge g e n st ü r k des von I>r. M Creizenach, unter dem Titel Thariag herausgegebenen ersten Theils seines - 8 c hule ha» Aru eh. Irr . zw e i Abtheilnn gen von I. Löwerrstein. Bezirksrabblner in Gailingen, Großherzogthums Baden. , 14 Bogen. Velinpapier. Preis 45 Kr. oder 10 gG r» Redacrcur: vr. L. Phllippsotft — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von I. B Hirfchfeld. (Hierzu das literar. und Homilet. Beiblatt No. 2.) -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.