Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 6 (12.1.1839)
- Date
- 1839-01-12
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225020--01549-3315424- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
25 keine eigentliche Vaterlandsliebe fühlen oder für das Land wirken, worin sie geboren wurden, und hat historisch? Merkmale für das Entgegengesetzte verlangt. So möge die Geschichte sprechen. Wer die Geschichte des westgothischen Reiches kennt, und genauer bekannt ist mit dem. empörenden Bruch aller Menschlichkeit, den man sich damals gegen die Juden erlaubte, eine Folge des unchristlichen Religionshaffes einer bigotten Hierarchie, wird sich zugleich erinnern, daß die Juden damals keinesweges gute Bürger, in Spanien waren; Christen Und Juden unterlagen der Herrschaft der Araber; aber unter dieser Herrschaft hatten die Juden Menschenrechte, und die Geschichte berichtet, wie die spanischen Juden unter der Herrscherperiode der Mauren sich als Bürger auszeichneten. ' Dieses zeigt aber vollständig, daß der Jude, da wo er den Schutz der Gesetze genießt und Menschenrechte hat, auch ein guter Bürger wird., Und um die Versammlung in die Geschichte der neueren Zeit zu versetzen — die neuere Zeit hat auch zuerst den Juden Gerechtigkeit wiederfahren lassen — theilt Proponent das Zeugniß mit, welches der französische Minister Merilhou abgab über die Juden auf Veranlassung einer Proposition in Betreff der Bestreitung der Ausgaben für den mosaischen Cultus^ Seine Worte sind folgende: „In den öffentlichen Geschäften, zu welchen sie berufen worden sind, unter den Fahnen unserer unsterblichen Kriegerschaaren, in Lehren, Kenntnissen, Wissenschaften und Industrie haben sie seit einem Viertel Jahrhundert unter uns das Unge-' gründete der Verlaumdungen ihrer Widersacher.gezeigt.-" Hier haben wir ein historisches Zeugniß, dem man Gewicht beilegen .muß. Es ist die 25jahrige Erfahrung, welche spricht, Erfahrungen, die unter so bewegten Zeiten gemacht worden sind, daß die Geschichte keine bewegteren kennt. Frankreich war das Land, das zuexst den 'Mofaiten Bürgerrecht gab, und die Frucht war patriotischer Eifer für Frankreich, so daß sie als Krieger, Gelehrte, Ackerbauer und Fabrikanten wesentlich zur Sicherheit, zur Ehre, zum Flor Frankreichs beitrugen. Auch in Holland wurden die Juden emancipirt, und daß sie mit der That das Vertrauen gerechtfertigt haben, welches man bei der Emancipation ihnen gezeigt hatte, geht deutlich daraus hervor, daß der König der Niederlande sich aufgefordert fühlte, im Jahre 1816 durch seinen Minister in der deutschen Bundesversammlung darauf anzutragen, daß sie in'sammtlichen deutschen Staaten den Genuß derselben Rechte - erhalten möch? ten. Es ist übrigens ein bekanntes Faktum, daß bei der Einnahme Antwerpens'durch die Franzosen 156 mosaischen Glaubens- Ueberreste einer nicht geringen Anzahl Krieger, zu Kriegsgefangenen gemacht wurden, so wie daß General Chass« von der jüdischen Soldateske erklärt hak, baß ffs zu seinen besten Waffengefahrten gehörte. Wenn wir nun bedenken, daß die mosaische Religion den Juden Liebe zu Nicht-Juden einschärft, wenn es heißt 3. Büch Moses 19, 34: „Der Fremde, der fremd bei Euch ist, soll Euch sein wie ein Eingeborner von Euch und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst,", und einschärft das Streben für das Wohl des Landes, in welchem sie selbst sich als Fremde aufhalten müssen, wenn es.heißt Jerem. 29, 7: „Befördert die Wohlfahrt des Landes, in welches ich Euch fort- > führen ließ, und betet dafür zum Herren," und wir fügen nun hinzu, daß es gerade diese Lehren der mosaischen Religion sind, die durch Unterricht der mosaischen Jugend eingepragt werden, was deü Proponent in.den vorhergehenden Verhandlungen bewiesen hat; wenn wir ferner die ^Geschichte der neuesten Zeit als Zeugen auftreten lassen, welche totale Veränderung in Dänemark mit dem ganzen Wesen' und Wirken der Juden vorgegangen ist, seit Frederik der Sechste ihnen Bürgerrechte gab, so daß wir jetzt Mosaiten einen ehrenvolle Platz unter Ackerbauern, Gutsbesitzern, Handwerkern, Künstlern und Männern der Wissenschaft einnehmen sehen, wenn Proponent endlich di? Versammlung darüber aufklären kann, daß jene obenerwähnte Prämiengesellschaft, auf einen 1835 genommenen Beschluß, ihre Wirksamkeit unter Anderm dahin ausgedehnt hat, daß sie y ihres jährlichen Überschusses zum zinsfreien Darlehn an würdige und bedürftige Handwerksgesellen anwendet, die sich als Meister niederlassen wollen, und zwar einerlei, ob sie Christen oder Juden sind: so ist es außer aller historischen Analogie und ohne triftigen Grund meinen zu wollen, daß 'die Mosaiten in Dänemark nicht wirksame Liebe in der That für das Land, fugten, und zeigen werden, welches, indem es ihnen auch Wählbarkeit zugesteht, die rechtliche Ungleichheit zwischen ihnen und anderen Religionsbekennern unter der'dänischen Bevölkerung aufhob. Auf die Hebung dieser Ungleichheit zielt der Vorschlag des Proponenten, und er darf annehmen, daß. er sich auf überwiegende Gründe stützt. (Schluß folgt:) Eitl Literatnrbrief. (Fortsetzung.) , Indem ich Ihnen nun den Kampf des Schaffens am Gegebenen näher beschreiben will, bedenke ich, daß dieö auf zweifache Weise geschehen .könnte. Entweder kann ich vom Geist des Schaffens selbst ausgehen, und ihn sseiner Jntensivität nach verfolgen, so daß ich mit seiner stärksten Kraftentwickelung beginne, mit der schwächer» und abnehmenden ende; oder ich gehe vom Stand-