Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 5 (10.1.1839)
- Date
- 1839-01-10
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 Meer; ferner den Sabbat und andere Feste des rochen Meeres. Sie erzählten mir ferner, daß die ersten Juden, welche in China erschienen, unter Ham-Chao *) oder der Dynastie der Han angekommen waren. Anfangs bestanden sie aus mehreren. Familien (Geschlechtern), deren Anzahl, aber so abnahm, daß sie jetzt nur noch 7 Familien ausmachen, deren Namen so lauten: Thao, Kin, Che, Cao, Theman, Li und Ngai. Merkwürdig ist auch T>ic Abgesondertheit der Juden, da diese Familien, wie sie mir erzählten, unter sich Verbindungen eingingen, ohne sich mit denHoni- Honi oder Muhammedanern zu vermischen, denen sie hinsichtlich ihrer Religionsbücher sowol als m Rücksicht ihrer übrigen Schriften nicht gleich waren. Ja, wer sollte es glauben, daß diese.Unterscheidung selbst bis auf die Schnurrbärte sich erstreckt, die diese Gegend verlassen haben und nach einem andern Landesstrich gewandert sind. Die einzige Synagoge in der Provinz Honan befindet sich in der Hauptstadt derselben, .welche Synagoge sie Lipaisu nennen. Keinen Altar fand ichdaselbst aufgestellt, nur den Stuhl Mosi's mit einer R-auchpfanne, einen langen Tisch und große Leuchter mit Talglichtern. Das Gebäude selbst hat viel Aehnlichkeit mit unsern europäischen Kirchen. Es theilt sich in drei Schisse, in deren mittlerem sich der Tisch' mit dem Rauchweck, der Stuhl Mosi's und das Schild des Kaisers, Van-sui-pai genannt/ nebst den Bundesladen, in welchen, die dreizehn Exemplare des Pentateuchs aufgestellt sind, Befinden. Diese Bundesladeu sind kastenartig. Ich möchte das mittlere Schiff den Chor des Gotteshauses nennen. Die anderen beiden sind für's Gebet bestimmt. Im Innern kann man rings um die Synagoge gehen. ' Da jetzt wie früher Baccalaurien (dieses Ausdrucks bedient sich Gozani,) und Kien-sens, die einen Grad tiefer als jene stehen, sich da befinden, so nahm ich zu fragen Gelegenheit ob auch Confucius von ihnen verehrt würde. Alle und selbst ihre Vorsteher antworteten mir, daß sie ihn auf dieselbe Weise verehrten, wie die Gelehrten China's, und daß sie im Saale ihrer denkwürdigen Männer feierliche Gebräuche verrichteten. Auch fügten sie die Bemerkung hinzu, daß sie eben so, wie dieß von den Chinesen zu geschehen pssege, im Frühling und' im Herbst ihren Vorfahren in dem Saale neben der Synagoge Ehre erwiesen. Sie legten ihnen zwar nichts vom Schweine, jedoch von andern Thieren vor; bei gewöhnlichen Feierlichkeiten brachten sie bloß porzellanene Gefäße mit Backwerk und andern ™ Die Dynastie beherrschte das Reich von 208 v. Chr. bis 220 nach Chr. v Speisen, so wie mit Wohlgerüchen in tiefer Ehrfurcht vor sie. Auf meine zweite, ob sie in ihren Wohnungen oder Todtenhäusern Gemälde zu Ehren ihrer Vorfahren hätten, antworteten sie mir: „Wir haben weder Gemälde, noch sonstige Bilder, sondern. bloß Rauchpfannen." Bei den Mandarinen leidet, dies jedoch eine Ausnahme, für welche man in dem' Thutam oder im Saal der Vorfahren ein Gemälde aufstellt, mit Angabe des Namens und des Grades ihres Mandarinats. Zwar habe ich in Betreff der Namen, deren sie sich zur Bezeichnung der „Ursache aller Dinge" bedienen, die meisten davon erwähnt; doch werden die Inschriften, von deüen ich Ihnen eine Abschrift mitschicke, das Gesagte noch genauer bestätigen. Ich hoffe, daß dieselben nicht ohne Nutzen für Sie sein werden. Auch habe ich. mir eine Bibel von ihnen geliehen, was sie mit dem größten Wohlwollen thaten. Sobald eine Abschrift davon fertig ist, werde ich auch diese übersenden- Nachschrift. .Ueberall. in diesen Inschriften werden sie bemerken, daß diese Juden daselbst ihr Gesetz, das Gesetz Israels, Nselas- Kiao, nennen. Sie erklärten mir dieß, indem sie sagten, .daß ihre Vorfahren aus einem Reich im fernen Westen, dem Reiche Juda's stammten, welches lange nach dem Ausgang aus Egypten, nach dem Gange durch's rothe Meer und der Wanderung durch.die Wüste, Josua eingenommen hätte. Auch traf die Anzahl der aus Egypten ausgezogenen Israeliten, nämlich sechzig Vans, d.i. 600,000 Seelen nach ihrer Angabe mit der der Bibel zusammen. Dann erzählten sie mir von den Büchern der Richter, ferner von David, Salomo, von Ezechiel, welcher die Todtengebeine wieder ins Leben zurückrief; vom Propheten Jonas, welcher drei Tage im Bauche des Wallfisches zugebracht hatte; aus diesem allem ersieht man natürlich, daß sie außer dem Pentateuch noch andere Bücher des alten Bundes besaßen. Ihr Alphabet, sagten sie mir ferner, bestehe aus 27 Buchstaben, von denen sie. sich aber nur 22 bedienten. Dieses stimmt mit der Angabe des heiligen Hieronymus (!) überein, daß die Hebräer 22 Buchstaben hätten, ' von denen aber fünf doppelt wären. Auf meine Frage, wie sie ihr Gesetz chinesisch nennen, entgegneten sie mir: Tiao-Kin-- Kiao, wodurch sie andeuteten, daß sie sich des Blutes enthalten, und daß sie die Nerven und Adern der geschlachteten Thiere ablösten, damit das Bht desto leichter ausfließen könnte.