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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-10 · Heft 5 (10.1.1839) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 5 (10.1.1839)
Date
1839-01-10
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Diesen Namen, den ihnen Anfangs die Heiden gaben, nahmen sie sehr gern an, um sich dadurch von den Mohammedanern zu unterscheiden, welche sie Teemo-Kiao nennen. Ihr Gesetz heißen sie Kon-Kiao, das alte Gesetz, Ten- Kiao, das Gesetz Gottes, oder das Gesetz Israels. Der Sonnabend ist ihnen so heilig, daß sie weder Feuer an demselben anzünden, noch etwas kochen; hingegen machen sie im Voraus Alles, was sie nur etwa benöthigten, am Freitag fertig. Bei dem Lesen der Bibel in ihrer Synagoge, bedecken sie sich das Gesicht (?) mit einem durchsichtigen Gewände zu Ehren von Moses Andenken, weil dieser mit verdecktem Antlitz vom Berge einst hinabstieg und seinem Volke das Gesetz gab und die zehn Gebote verkündete. Uebrigens bemerke ich noch Nachträglich, daß die chinesischen Juden außer der Bibel noch andere, von Rabbinen verfaßte Bücher besitzen, welche sie, wo ich nicht irre, Santio benennen. - Diese Bücher sind mit Albernheiten angefüllt (— welche Kühnheit eines des hebräischen ganz unkundigen Paters!)/ und enthalten die Gebräuche und Eere- 'monicn, welche sie immer noch beobachten. Von Himmelreich und Höllenstrafen sprachen sie mir auf eine ganz unsinnige Weise. Dieses Alles, glaube ich hat den -Anschein, als wenn sie es aus dem Talmud genommen hätten. (F ortsetzung folgt.) C o r r e s p o N d e n > z e n. Aus Amsterdam. Angelegenheiten Palästinas (Fortsetzung). Ikl Schreiben der Rabbiner, Vorgesetzten und anderer ehrwürhigen Mitglieder der Gemeinde Askenastm in Hebron, 'von Äb 5594 a. m. — (August 1834.) „Es war am 9tcn des Monatö Jjar, da die ungläubigen „Bewohner dieser Stadt sich wider unfern Landesherrn, den Bi- „cekönig von Egypten auflehnten, und drohcten uns, weit ww „keine gemeine Sache mit ihnen machen wollten, mit Marter „und Tod. Doch dieser Verfolgung sind wir nun glücklich entgangen, um bald andere Iammerfälle zu erleben; denn acht „Tage später erbebte die Erde unter uns, daß eine Todesangst „sich Aller Herzen bemeistcrtc. Viele unserer Häuser bekamen „schwere Riffe oder zerfielen gar in Trümmer, und um unser „Leben zu retten flohen wir alle sammt ins offene Land außer „der Stadt. Hier lagen wir mit Weib und Kindern in Ungemach, Dürftigkeit und .in folternder Furcht sieben Tage lang. „Endlich hörte das Erdbeben auf und wir kehrten in die Stadt „zurück. Doch in unfern meist öden Wohnungen, konnten wir „der lang entbehrten Ruhe noch nicht genießen, denn der Empö- „rung schwere Geißel -rohere jetzt wieder mir grimmiger Wuth. „Nur in der Ankunft des bereits im Anzuge'begriffenen Vicckö- „niges an der Spitze seines Kampfgeübren Heeres, schimmerte „unsere einzige Hoffnung. Den 23. Taurus tarn wirklich auch „der Vicekonig hcrangczogen, und nahm.die Stadt in Besitz. — „Aber ad), der Tag, von dem wir Freude hofften, ward uns zur „Trauer, — Licht — zur Finsierniß! — Unsere Stadt wurde zur „Strafe ihres Abfalls dem siegenden Kriegesheer zur Plünderung „Preis gegeben, und beide, Unschuldige und Schuldige, Treue und „Treulose wurden nun Gegenstand des RaubenS und des Mor- „dens! — Mit Schwerdr und Vogen verbreiten nun die zügel- „losen Krieger Tod und Verderben nach allen Seiten. Hier wird „das Prächtigste vernichtet, da ein Frommer erwürgt, dort von „Wütdrichen die heilige Unschuld entehrt, und überall sieht man „die Bosheit in ihrer schrecklichsten Gestalt einhcrwandeln. O der „Verruchtheit ohne Grenzen; das Heiligste ist ihr nicht heilig, „und die schwärzesten Frevel scheuet sie nicht! — Sehr hier die „rheuersten Kleinodien werden mir knirschendem Hohn in dem „Staub zertreten; unsere gottesdienstlichen Denkzierden >— die „Thephillin zerreißt die unersättliche Habsucht in dem Wahne, „eS seien irdische Kostbarkeiten darin anfbewahrt; die Pforten der „Synagoge werden aufgerennet, Alles darin durchwühlt und zur „Beute gemacht, und — o die Feder sträubt sich's nieder zu „schreiben — und die h e i bi g e n Rollen der T o ra h werden „zerschnitten, mir .Menschenblut besudelt, oder Schande derSchan- „den darauf getrieben!!! — , „Nicht noch zu gedenken der vielen andern .Peinigungen, die ,>wir in der Feinden Raserei erlitten; so das Zerren,. Staupen, „das Zerfetzen unserer Kleider am Leibe, das Rauben und Zerfrören aller unfern Habfeligkeiten, der unerhörte Zwang, ihren „Raub/Stunden.weit unter der Bürde keuchend ihnen selbst „nachzutragen." — Im Plan der^Aufrührcr lag dieses Schreckliche: alle Israeliten in dieser Stadt, weil diese sich mit ihnen zum Abfalle von ihrem Fürsten nicht vereinigen wollten — zu überfallen, auszuplündern, grausam zu mißhandeln und sie gänzlich auszutilgen.—- In dieser ruchlosen Absicht sind die Aufrührer, am 8ren des Monats Siwan 5594 die dortigen Israeliten in der Synagoge, allwo sie sich versammelt hakten, Um den Himmel zur Abwendung des so unbeilsvollen Aufruhrs anzuflehen plötzlich überfallen. Dem größten Theil ist cs zwar noch gelungen, nach dem Dorfe En Sethon prpt ps> zu flüchten; das Loos derer aber, die in der Feinden Hände gerathen, war Marter und Tod. So haben fünf derselben unter mörderischen Schlägen oder in Folge davon ihren Geist aufgegeben. — Nicht -minder entsetzlich waren die übrigen Thaten dieser wütbcnden Band,c. — Die heiligen Laden wurden erbrochen; der kostbare Schmuck von den Gesetzrollen geraubt; die heiligen Teppiche, rDl'iD Und Gewänder derselben gar zu Pferdedecken genommen und die Tora Hs selbst zerriffen, auf der Erde herum geschleudert, oder gar Schandung der Unschuld darauf verübt! — Außer denen von den Sephardim, werden allein von den Askenasim fünf und sechvzig Tora HS vermißt. Alle und p^LN und andere ähnliche Gegenstände wurden auf eben solche unerhörte Weise entheiliget und vernichtet. (Fortsetzung folgt.) Redakteur: vr. L. Philippfo«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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