Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 5 (10.1.1839)
- Date
- 1839-01-10
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 auch Fähigkeit besitzen dann und wann eine wohlgeordnete und zweckmäßige Kanzelrede zu halten, die mehr oder weniger immer auch auf das erwachsene Geschlecht zu, wirken vermag. Die Rabbinatskandidaten des rabbinischen Collegiums in Padua, deren bisher aus Mangel an Stellen nur zwei als Rabbinen angestellt wurden, werden vielleichtin der Folge einen, wenn auch nicht glänzend besoldeten, doch ehrenhaften und thätigen Wirkungskreis in kleinen Gemeinden den Pribatanstellungen als Hofmeister in reichen Häusern vorzuziehen lernen, und dann mag des Segens in Fülle verbreitet werden, denn sie sogen an einer honigreichen Pflanze, an einem noch wenig bekannten Lebensbaume, an einer lebendigen Quelle der Wahrheit und Weisheit. Herr S. D. Luzzatto, Professor an jenem Kollegium von dem ich rede, ist bisher nur als genialer hebräischer-Dichter und als tiefer Sprachforscher in der literarischem Welt bekannt, und vielleicht verschlingt diese letzte Beschäftigung einen zu großen Theil seiner Muße. Möchte ihm nur Zeit bleiben und in ihm die' Lust entstehen, seine tiefen und Hellen Blicke in die Philosophie und in die jüdische Theologie öffentlich bekannt zu machen, wie er sie seinen Schülern mündlich mittheilt, und sein Name wäre gewiß eben so sehr auch als Philosoph gefeiert. Und dieser Wunsch, der nicht hoffnungslos sein mag, soll den Schluß meiner heutigen Mittheilung bilden. —r. Historische Mittheilungen über die Juden in Asien und A f r i k 6 in dem letzten Jahrzehend. (Eingesandt durch Dr. I. Fürst.) (Fortsetzung.) Von dort führte man uns in das sogenannte Fremdenzimmer zur Unterhaltung. Indessen zeigte ich dem Cham- Kiao die am Ende meiner Bibel verwischt geschriebenen Ueberschriften der Bücher des alten Testaments. Nachdem er sie gelesen, bemerkte er mir,, daß dieses die Namen ihres Chin-Kings oder des Pentateuchs wären. Ich nahm sodann meine Bibel, der Cham-Kiao sein Beresith —'wie sie das Buch der Genesis nennen —, wir verglichen die Nachkommen Adams bis Noah, zugleich auch das Alter eines jeden, und fanden, daß die Angaben ganz genau mit einander übersknstimmten. Wir durchliefen in Eile die Namen und die Chronologie aller fünf Bücher. Hierauf bemerkte einer derselben, daß diese Bücher Beresith,. Wecle Semoth, Vajicra, Vajedabber (taittä) und Haddebarkm von ihnen genannt und in 53 Abschnitte getheilt würden: das erste Buch in 12, das zweite in 11, und die drei folgenden, jedes in 10, die sie Küen (vielleicht Kerlen wie Kerioth?) nennen. Vergebens aber öffneten sie mir dieselben, da ich, wie schon bemerkt, kein hebräisch verstehe. Als ich den Synagogen-Vorsteher fragte, was es mit den Ueberschriften der anderen biblischen Bücher für Bewandniß hatte, antwortete er mir, daß sie einige derselben besäßen, andere ihnen abginaen, von einigen endlich wüßten sie gar nichts; wozu noch einige von seiner Umgebung hinzufügten, daß mehrere solcher Bücher bei der Ueberschwemmung des Hoango untergegangen waren. Uebrkgens könnte ich so ganz bestimmte Auskunft nicht erhalten da ich kein hebräisch verstünde; denn ohne Kenntniß dieser Sprache kann man sich in der That nicht von Allem überzeugen. Was mich am meisten überraschte, waren einige lächerliche (?) Erzählungen, die ihre Rabbinen mit den unumstößlichen Thatsachen der heiligen Schrift, ohne Schonung selbst des Pentateuchs vermischt haben. Unter diesen Mittheilungen war in der That so viel Ueberspanntes, daß ich mich kaum des Lachens erwehren konnte. Meine. Ansicht in dieser Beziehung bestätigte mir von .den Juden gemachte Bemerkung, wie unter Min-Chax oder, der Dynastie der Familie Laming*), der Pater Ti-lo-te, . das ist Pater Rodriguez de Figueredo; — und unter Chin- Chao, oder''der Dynastie der noch herrschenden Familie, der Pater Euriguez, deren Andenken noch heute verehrt wich, öfter ihre Synagogen besucht hätten, um sich mit ihnen zu unterhalten. . Durch den Umstand aber, daß keiner dieser beiden Gelehrten sich die Mühe gab, sich in den Besitz eines. Exemplars ihrer Bibel zu setzen, ist mir wahrscheinlich geworden, daß sie die Bibel durch die Lalmudisten entstellt, nicht mehr rein, wie. vor der Geburt Jesu, gefunden.haben (eine genug seltsame, selbst bis zur Wahrscheinlichkeit gesteigerte, Muthmaßung eines im hebräischen ganz unwissenden Paters!) Mögen nun übrigens diese, Tlao-kin»kiao in China genannten, Juden Anhänger des Talmuds sein oder nicht, so beobachten sie doch wenigstens viele Ceremonieen des alten Bundes, z. B. die Beschneidung, die vom- Patriarchen Abraham ihrer Aussage nach (das wußte der Pater nicht!) angefangen hat; das Fest der ungesäuerten Brode, mit Erinnerung an das Osterlamm und Danksagung für den Ausgang aus Egypten und die Errettung aus dem rothen ■*) Diese Familie herrschte vdm Jahr 1368 bis zum Jahr 1641, wo die Lartaren in das Reich cinfielen.