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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-10 · Heft 5 (10.1.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 5 (10.1.1839)
Date
1839-01-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ui. Zahrgaug. I.llgemerne No. s. Zeitung -es Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Gächstscher allergnädigfier.Concession.) Leipzig, den 10. Januar. 1839. Zeitungsnachrichten. Parma, 20. Dez. (Privatmitth.) Der Geist, so die Israeliten in Deutschland zu einer fortschreitenden Entwickelung beseelt, ist auch denen in Italien nicht ganz.fremd geblieben; ihm ist die Gründung des rabbinischen Institutes in Padua, ihm die Einführung des Choralgesanges und eines wohlgeordneten, ruhig andächtigen. Gottesdienstes in den Synagogen zu Venedig, Padua, Verona, ihm die trefflichen Verpfleganstalten und Arbeitshäuser und die bei Gelegenheit der Durchreise I. k. k. Majestäten neu gegründete Mädchenschule, zu Mantua zu verdanken. Daß diese Gestaltungen des fortschreitenden Geistes alle im östreichischen Italien sich befinden, ist gewiß großentheils der humanen Behandlung der Regierung betreffs der Israeliten zuzuschreiben," zum Theil aber auch bem größeren Einflüsse, den die deutsch-jüdische Literatur im östreichischen als im übrigen Italien übt. Die ^Wellen des Granzflusses Po reißen gleichsam alle Erzeugnisse der Kunst und Literatur mit sich fort, die von Deutschland her bis zu seinem linken Ufer gelangt sind, und an seinem reckten sind die Nanun Mendelssohn, Wessely, Bensew u. bergt, kaum, Zun;, Salomon, Rießer u. dergb. gar nicht bekannt. Diese Vernachlässigung theilen die Israeliten in Italien mit ihren christlichen Landsleuten, denn eben so wenig sind die besten deutschen Schriftsteller hierorts bekannt, und selbst das Wenige/ das in Mailand aus dem Deutschen ins Italienische übertragen wird, wird vorurtheilvoll verächtlich zurückgesetzt. So lange daher diese Spaltung fortdauert, oder nicht in Italien selbst ein Mendelssohn emporkömmt, dessen Schule die Gahrung hervorbringt, die in Deutschland so lange währte, nun aber zu den schönsten Hoffnungen berechtiget; so lange wird das alte Schlendrian. aus Italien nicht schwinden, so lange werden Kultus und Kultur in ihrem niedern Zustande bleiben. E Daß nicht Alles zu Schulden der beschrankenden und drückenden Regierungen komme, beweisendie Herzogthümer Toscana und Parma. Da wie dort genießen die Israeliten beinahe völliges Bürgerrecht, sie dürfen jederlei Gewerbe treiben, alle freie Künste üben, jederlei Grundstücke kaufen und bewohnen, sie erhalten Aemter und Lehrstellen — und darum? — Nirgend eine wohlgeordnete Schule, nirgend ein geregelter Kultus, nirgend ein wahrer Geist der Nationalität. Was die Israeliten im Herzogthum Parma insbesondere betrifft, muß zu ihrer Entschuldigung gesagt werden, daß sieben der Gemeinden daselbst sich auf dem Lande befinden, dabei nicht zahl- und nicht geldreich sind, so daß ihnen zum Theil Mittel und Gelegenheit, - zum Theil Reiz zur Veredlung ihres Geistes mangelt. Die Gemeinde in Guastalla beschränkt sich gleichfalls' auf wenige nicht reiche Familien, und theilen somit alle Nachtheile der Landbewohner. Die größte Schuld fallt 'auf die ettva dreißig Familien starke Gemeinde in Parma, welche Mittel und Gelegenheit hatte ihre Jugend zu bilden, und ihren Kultus aus dem tiefen Zustande zu heben, in dem er liegt; doppelte Schuld, da mit leichter Mühe die übrigen Gemeinden dahin gebracht werden könnten, sich zn vereinen, um daselbst eine Centralschule zu errichten, die von einem tüchtigen Rabbinen und Schulmanne geleitet, gewiß die besten Früchte tragen würde. .Statt dessen stehen sie Allen in Allem nach, und während eine nahe gelegene Gemeinde von sieben bis acht wohlhabenden aber nicht reichen Familiendie hierzulande bedeutende Besoldung von 1700 Francs für einen -Lehrer aussetzt, und eine Schule errichtet, wo die, Jugend wenigstens bis zu den ersten Gymnasialklassen unterrichtet, und zu gründlicher Kenntniß ihrer Religion geleitet werde, ist eben dort gar keine Elementarschule, und man begnügt sich mit einem völlig kenntnißleeren Schochet, der die Kinder ihre Gebete herplappern lehrt, mit einem privaten Betzimmer, wo die größte Unordnung und zügelloseste Anarchie herrscht, und'die Folge davon ist, daß die Jugend, jedoch nicht ohne glänzende Ausnahmen, ohne alle Bildung, ohne alle moralische Grundlage, ohne allen Sinnfür Religion und Nationalität heranwachst, nur und kaum fähig ihren Handel zu führen. Ihre Emancipation möchte man sagen war zu frühzeitig, beschränkter und bedingt-wäre sie viel nützlicher gewesen; wo wenig oder gar nichts zu gewinnen ist, bleibt der Mensch un-' thätig, während Kampf und Reibung den Willen stärkt und die Kraft erhärtet: Dennoch ist nicht alle Hoffnung einer bessernden Umgestaltung aufzugeben, -und sie ist vorzüglich auf zwei Umstände gegründet, auf die wenigen jungen Lehrer und auf dje vielen jungen Schüler. Oie meisten, oder besser alle jetzt angestellten Schullehrer sind alt und alterthümlich, und in aller Gemeinden Ehen ist Gottes Segen; da nun nicht alle vorteilhaft dem'Handel sich widmen können, so wird das Bedürfniß immer wehr gefühlt, daß Einige den Wissenschaften, Andere den Gewerben und Künsten sich widmen. Demnach mögen in der Folge die alten mit jungen, gebildctern Schullehrern ersetzt werden, die der Jugend eine zeitgemäße Richtung zu geben verstehen, und den gehörigen Muth dazu haben. Wahrscheinlich wird man solche wählen, die, da sie ohnehin auch Rabbinenstelle vertreten müssen,

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