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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-08 · Heft 4 (8.1.1839) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 4 (8.1.1839)
Date
1839-01-08
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 preußischen Staaten und der Aufenthalt in denselben zum Arbeiten bei Meistern gestattet: Wenn aber irgendwoso eröffnet sich eine schöne bürgerliche Zukunft den Israeliten in den österreichischen Kaiserstaaten. Hier wird das Prinzip innerlicher und bürgerlicher Ausbildung alter Orten festgehalten, die gottesdienstliche Veredlung kräftigst, befördert, und der Entwickelung unsrer Zustande ohne Zwang auf die eine oder andere Seite hin freier Raum gelassen. Städte in Ungar.», die sonst jedem Israeliten ihre Lhore gesperrt, haben sie ihnen geöffnet, Ofen ihnen bürgerliche Gleichstellung gegeben, Pesth sie mitten im Unglücke ausgezeichnet, Prag's Vorstadt erwählt sich einen Israeliten zum Gemeinderepräsentanten. Einen eigenthümlichen, mit dem ganzen Bezüge seiner gegenwärtigen Politik in der engsten Verbindung stehenden Weg schlug in der letzten Zeit Baiern ein. ' Von dem Prinzips ausgehend, jede Neligkonsparlei in ihrer ganzen, confessionellen Verschiedenheit bestehend zu erhalten, will Baiern, nicht nur die Proselytenmacherei zu befördern, sondern um des Prinzkpes willen, das alte Judenthum aufrecht erhalten, und zwar die neuere Bildung und Gestaltung nicht ganz unterdrücken, sie aber ganz sekundär halten. Indem es nun aber die katholische Religion als „Staatsreligion" angesehen und bevorzugt haben will, geht es in bürgerlicher Beziehung auch auf jede gesetzlich mögliche Beschränkung der Juden ein, und erhebt auch diese zum Prinzip. Hierbei stellt sich nun die Unzulänglichkeit der frühem Gesetzgebung auf, welche, die extremen Falle im Allgemeinen berücksichtigend, im Einzelnen auf eine mildere Interpretation rechnete. So eine doppelte Auslegung gestattend, giebt sie freie Hand, selbst die alten , Judenabgaben, Steuern und besonderen Auflagen zu extorquiren, wie es in Thatsachen vorliegt. So hat sich Baiern auf einen eigenen, von keinem Staate mehr gehaltenen Standpunkt versetzt, der dem Gewissenszwangs die Bahn eröffnet, und das Wesen und die Form in beunruhigenden Widerspruch bringt. Unsicherheit in religiöser wie bürgerlicher Beschaffenheit ist die Folge, und ein unseliges Zwitter-' wesen scheint sich daraus entwickeln zu wollen. Rußland entwickelt eine bedeutsame Energie in Beziehung auf seine hebräischen Unterlhanen. . Es bevorzugt auf der einen Seite diejenigen Hebräer, welche eine wissenschaftliche Bildung sich verschaffen, oder sich dem Ackerbau widmen, ungemein. DenAerzten hat es den Staatsdienst eröffnet, den Soldaten die Ansiedelung ganz wie den christlichen frei gestellt, die Judencolonieenim Cherson'- schen Gouvernement regulirt. Auf der andern Seite, zu wenig den ganzen bisherigen tiefen Standpunkt der russischen Juden berücksichtigend, verfährt es so streng gegen die noch rohe Masse, daß diese eher tiefer zu sinken, als stc!) zu erheben droht. Gewiß ist es, daß da, wo in Rußland sich der Geist der Bildung oer Juden bemächtigt hat, ein glückliches Leben für sie begann. Eben so gewiß, daß die noch uncultivirte Masse einer fördernden Schonung bedürfte. Die Resultate.des verflossenen Jahres km bürgerlichen Leben der Israeliten sind also höchst bedeutend und vielversprechend. . Sie sind weniger glänzend und in die Augen springend, liegen abertiefer und sicherer. Ebenso bedeutsam,, und viel bedeutsamer, als in früheren Jahren, hat sich auch das innere Leben der Israeliten im vorigen Jahre-gestaltet, und erfreut es uns tief, folgenden Rechenschaftsbericht darüber geben zu können.' Es sind aber weniger äußerliche Resultate, die wir hier aufzuzahlen hatten,' als vielmehr das'ganze, allgemeine-Leben, das sich wieder in raschern, regeren Pulsschlägen bewegt. Das innere Religionsleben Israels war schon zum Stillstände gekommen; man hatte sich längst daran gewöhnt, zweierlei Israeliten zu unterscheiden, und beide hatten sich bereits als unverbesserlich aufgegeben, ohne zu bedenken, daß sie hiermit ihre eigene Besserung fallen ließen. Nun ist zwar niemals das Aneinanderstoßen zweier Parteien an sich erfreulich, aber wenn es hervorgeht aus einer lebendigen innern Gestaltung einer Jeden, so ist es zu gleicher Zeit Zeichen der Lebenskraft, und unumgängliche Nothwendigkeit für die Förderung des^ Ganzen. Alle Geschichte, politische und religiöse, erweist, daß wenn durch irgend einen Umstand, einer Partei, die doch nie das Ganze ist, ihre Gegenpartei verloren gegangen, sie. selbst von da an gesunken ist. — Sollen wir aber, wie es unsere Pflicht ist, es offen gestehen, so ist es allerdings die orthodoxe Partei, welche im verflossenen Jahre, den meisten Fortschritt erlangt hat. - Darum nämlich, weil diese dahin gekommen, sich öffentlich in Schrift und Rede auszusprechen. Dahin war sie bis jetzt nicht gelangt, und das ist ihr Fortschritt. Freilich hatte diesen Vortheil die Reformpartei immer, aber in deren Natur lag es von vom herein. Die orthodoxe Partei dagegen war, weil sie jener gegenüber stand, befangen genug, sich auf ihre bisherigen Kreise und Mittet zn beschranken, und dadurch an Kraft, Wirksamkeit und Anfthn immermehr zu vertieren. Es öffnet sich aber hieraus ein immenser Gewinn für beide Theile, für das Ganze. — Denn bei dem neuen Werkzeuge, welches die' Orthodoxie ergriffen, der öffentlichen An- und Aussprache, bedarf sie der Logik, und durch fle

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