Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 3 (5.1.1839)
- Date
- 1839-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Jahrgang. No. 1 Literarisches homiletisch es Be i b I a tt. Leipzig, den 5. Januar 1839. 2 it e t at u v. lieber die hebräische und' jüdische Literatur in Frankreichs). Paris. ' Ich bekenne offen, daß es vielleicht leichtsinnig war, die Verbindlichkeit zu. übernehmen, einen Artikel über die hebräische und. jüdische Literatur in Frankreich zu schreiben. Zn Wirklichkeit, die Literatur und der Ausdruck der Wünsche und Bedürfnisse einer Gesellschaft, ist der Spiegel, der die Ideen zurückstrahlt, welche in derselben herrschen, und die Fragen, die in ihrem Schooße beantwortet werden. Aus unseren früheren Artikeln müssen unsere Leser die französischen Israeliten kennen gelernt haben, wie sie vor, wahrend und nach der sranz. Revolution waren. Vor jenem großen 'Akte höherer Politik bildeten die Israeliten in Frankreich kleine Körperschaften (agglomerations), kaum an dem Orte gekannt, wo sie sich befanden, oder selbst von den Magistraten, denen die Israeliten gewisse Abgabenbezahlten, als Schutzgelder. Eine israelitische Gesellschaft war da gar nicht vorhanden. Die hebräische Literatur' Frankreichs ist daher größtentheils die Deutschlands und aller Lander, wo sich Israeliten befinden. Veröffentlichte ein Rabbine ein Werk über einen ceremoniellen, rituellen oder moralischen Gegenstand (andere veröffentlichte man -nicht,) so bezeichnet Nichts diese Veröffentlichung. Die'Exemplare wurden selbst öfter gegeben als gekauft. So verbreitete sich das '»'-nico Tifi? des seligen A. Worms, des früheren Groß-Rabbinen von Metz und das iTnm ttb'n des seligen Ouri Cahen, seines Vorgängers, welches sein Sohn, Herr David Cahen, Rabbine zu Verdun, so lange für sein Werkhat gelten lassen. Man gab sie reichen Leuten, Bräutigamen, sobald sie nicht ganz hebräischer und religiöser Kenntnisse entblößt waren. Diese bezahlten sie bald mehr, bald weniger großmüthig, nach ihrem Vermögen.. Die Dunkelheit der hebräischen Literatur dieser Epoche ist so groß, daß man kaum, *) Als Fortsetzung der Artikel über die Franz. Israeliten, deren letzter in No. 85. und 86. deö vor. Jahres. Redakt. wenn man ein rüNü, ein. rnaan ff. vor sich hat, den Ort und die Zeit der Ausgabe angeben kann. Diese Literatur wurde von Rossi, Wolfs, Barrholocci verachtet, und verdiente es. Die Frauen und Unwissenden üy) hatten auch ihre Literatur, z. B. nmia, ip, üttin ■»m», und das allbekannte i-rnwi diese verschaffte aber Deutschland, und sind abgefaßt in dem sogenannten Jüdisch- Deutsch, einem vom baltischen Meere bis zu den Ufern der Mosel und Seine verbreiteten Jargon. Gegen das Ende des 18ten Jahrhunderts hat der Drucker Mai aus i Metz, der ein sehr geschätztes Pentateuch, Machsor, Selichot und andere rituelle Werke gedruckt hat, ein rman edirt, dessen Druck noch heute bewundert wird. Die National-Versammlung decretirt die Menschenrechte und die Gleichheit der französischen Bürger. Dieses wichtige Geschehniß weckt die Israeliten aus der Versunkenheit, worin sie 18 Jahrhunderte der Verfolgung gelassen. Schon im ersten Jahre der französischen Republik (93) sehen wic Moses Ensheim von Metz durch einen hebräischen Gesang zeigen, daß die Theilnahme der Juden erwacht ist. Dieser Gesang, anfangend mit den Worten : msVw i'm Maahhkf abgedcuckt, und am 21. Okt. 93 in der Synagoge zu Metz nach der Melodie der Marseillaise abgesun-, gen, athmet, fernem Inhalte nach, den politischen Wahnsinn seiner Zeit. Es ist zu bedauern, daß die Muse Ensheims sich nicht an einem friedlicheren Gegenstand versucht hat. Diehebräische Uebersetzung des Phädon von Mendelssohn durch den. seligen Jesar'as Berr von Metz (Berlin 1786, Brünn 1797), kann von den sranz. Israeliten sich zugeschrieben werden. Derselbe Schriftsteller zog 1788 die öffentliche Aufmerksamkeit durch sein Sendschreiben an den anonymen Verfasser der Schrift: „Ruf des Bürgers gegen die Juden" (Cri du citoyen coiitre les Juifs,) auf sich. Micabeau erwähnt es auch in seiner Monarchie prussienne. Wir bemerken bet dieser Gelegenheit, daß auch Frankreich seine Paulus und Streckfuß gehabt; aber die Gegner der israelitischen Emancipation waren hier nicht so zahlreich und hartnäckig. Jesaias Berr veröffentlichte eine prächtige Uebersetzung der erhabenen Elegie: jvx •’ba, und hat in die Decade