Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 3 (5.1.1839)
- Date
- 1839-01-05
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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12 Haben" so recht eigentlich bewährt. Denn nachdem eS wirklich gar lange gedauert, bis unsere diesigen Gemeinde-Verhältnisse zu solcher wichtigen Unternehmung völlig reif waren: sehen wir uns nunmehr auch für die Zögerung hinlänglich entschädigt. Unsere neue Synagoge also ist, was den äußern Ausbau angeht, ganz vollendet und die weiteren, inneren Arbeiten schreiten rasch vorwärts, so daß wir im nächsten Sommer, so Gott will, die Einweihung unfehlbar erwarten dürfen. Ein stattliches Gebäude! von 130' Länge und 72' Breite, ganz aus Stein und im byzantinischen Styl, in dem untern Ausgange der Königsstraße und von'allen Seiten lichtvoll gesehen, wird dasselbe von Fremden und Einheimischen als eine Zierde, nicht nur dieses Stadttheils, sondern unserer schönen Stadt überhaupt allgemein anerkannt. — Die westliche Giebel- und Hauptfaoade mit drei bogenförmigen Eingängen’ einem Haupt- und zwei Seiteneingängen zu den Frauengallcrien — einem großen Portalfenstcr über dem Hauptcingangc; die pfeilerartigen Lissenen aus Quadern von bräunlichem Sandstein, welche in der Fronte und nach den Seiten hin in Zwischenräumen von je 20', in Risalits mir doppelten Gesimsen und gefälligen Zwischenvcrzierungen (so daß sich an den vier Seiten des Gebäudes thurmartige, in rechteckigen Plattformen ausgehende Pilaster darstellcn) aufstrebend, zwischen welchen, an der gedachten Facade, oberhalb jenes Portalfensiers die stumpf-, winklige Giebelfröntt sich erhebt, auf deren Spitze die heilige Bestimmung des Gebäudes durch den, mir vergoldeten Zahlen, die Getttzrafckn verstellenden Stein in sinniger Einfachheit angedeutet ist: alles dies macht den wohlthucndsten Eindruck. Nicht minder zeigen sich, auch die Seitenfaeaden. eines Gokteshauseö würdig. Die vierseitigen Pfeiler-Risalits, zwischen welchen das blinkende Schieferdach über dem verzierten Dachgesimse in mäßiger Schräge sich hinzieht; die fortlaufende Lissencn-Reihe mit den fortgesetzten Gesimsen, zwischen denen die bogenförmigen Fenster in,ihren Fassungen — vollenden das Gepräge des Ganzen zum schönsten Ausdruck des Einfachen und Edlen. Im Innern tragen auf beiden Seiten je drei vierseitige Pfeiler mit abgestumpften Ecken die Frauengallerie. Der Raum vom Eingänge aus, die kleine Vorhalle abgerechnet, beträgt bis zur großen Nische für die heilige Lade 90', im Ganzen 115' im Lichte. "Die Dcckverzierungen sind noch unvollendet. Die innern Einrichtungen in Beziehung auf die Oekonomie der Raume bei. Anbringung der Kanzel, der Stände rc. berathcn und leiten gemeinschaftlich mit dem Architekten und den Gemcinde-Aeltesten, Herr Landrabbine vr. Roman n und Herr vr.'Pinhas;'wie denn der allgemein anerkannte Kunstsinn und Geschmack des Letztem, bereits auch bei den frühem Arbeiten manche Anwendung gestunden hat, und darf man über diese Angelegenheit einem befriedigenden Resultate entgegensehen. Und nun auch dem Verdienste seine Krone. Den Plan, so wie alle, weitern Zeichnungen des Baues verdanken wir unserm Glaubensgenossen und Mitbürger, dem talcntrcichcn Architekten Al brecht Rosengarten, welcher dann auch, in administrativtechnischer Beziehung unter der Oberleitung des Hrn. Ober-Bauratbs.. Schmchard Hierselbst, die Arbeiten des Baues durchgehends und nach allen Details hin, mit beharrlichstem Eifer geleitet hat und noch fortwährend leitet. Mit Vergnügen bemerken wir hierbei , dasi von Seiten der hiesigen Akademie für bildende Künste, mittelst Genehmigung der hohen Staatsregierung, diesem jungen Manne, welcher bereits seit längerer Zeit als Bau-Eleve ernannt war und fungirte, in diesem Jahre die, für angehende Künstler gewöhnliche, Summe, (von 750 Thlr.) zum Behufe' mehrjähriger Ausbildungsreisen verwilligt worden ist: gewiß die sprechendsten Beweise vvn Würdigung seines ausgezeichneten Talents und bekundeten Fleißes. - ' Um die Entstehung dieser unserer Synagoge haben sich die zeitigen Gemeindealtesten als da sind: die Herren Salomon Büding, Joseph Wertha-uer und Moses Weill, in jedem Betrachte unsterbliches Verdienst erworben; besonders.ist cs der unermüdlichen Thaligkeit das Letztem gelungen, den ersten Anfang des Baues zu veranlagen und ins Werk zu fetzen. Aber gemeinschaftlich theilen btc1 genannten Männer ba$ große Verdienst, im Einverständnisse mit dem Hm. Kreisvorstehcr Levisohn, viele Schwierigkeiten und Hemmnisse beseitigt und uneigennützigster Weise mit dem wärmsten Eifer das heilige Geschäft so weil gefördert zu haben, wie sie noch fortwährend die weitere Vollendung zu erzielen sorgfältig bemüht sind. Und wohl dürfen sie, denen Gottes Freundlichkeit so huldvoll zugewendct war, sich ihres gelungenen Werkes freuen und von ihren Mühen segensreichen Erfolg um so mehr erwarten, lalS fämmtliche Gemeindeglieder, Alt uvd Jung, ihnen den unzweideutigsten Beifall zollen und von innigem Danke gegen sie erfüllt sind. — Und was endlich die Hauptsache aller Sachen, die würdige Seele des schönen Körpers, nämlich die Organisation des Gottesdienstes im neuen Tempel, betrifft, so dürfen wir uns bei dem frommsinnigen Walten unsers allgemein geachteten Hm. Landrabbinen, hierüber den besten Hoffnungen hingeben; vorausgesetzt freilich, daß die Erwartungen und Wünsche nicht überspannt, d. h. nicht zu unbedingt reformatorisch, sondern bedächtig und bescheiden die Lokal-Verhälr- nisse berücksichtigend, auch nicht auf momentane Effektmacherei, sondern auf innere solide Religiosität nach angestammten Formen und-Bräuchen, gegründet seien. — Anzeiger. ' In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum aufgenommeu.' Die Verlagshandlung. G e s u <ä>. Ein geprüfter Lehrer, praktisch geübt,, der zugleich in der englischen und französischen Sprache gründlich unterrichten kann, sucht eine Stelle als Privat- oder Gemeindelehrer. Als letzterer kann derselbe auch als Cantor und Prediger fungiren. Frankirte Briefe unter D, J: Z. befördert die Verlagshandlung dieser Zeitung. — Im Verlage von L. Fort in Leipzig ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Historisches Wörterbuch der jüdischen Schriftsteller und ihrer Werke, von G. B. de Rossi, aus dem Italienischen übersetzt - von ®r. C. H. Hamberger. gr. 8. brochirt.' Preis 2 Thlr. Die Vereins - Buchhandlung in Berlin, Schloßfreihekt Nö. 6, empfiehlt sich zu prompter Besorgung von dhilippson, Zeitung für Judenthrmr, und Jost Jüdischen Annalen, für d. I. 1839. Redacteur: Dr; L. PHMppson. -7 Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld. (Hierzu das literar. und homrlet. Beiblatt No. 1.)