Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1839)
- Date
- 1839-01-03
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225016--01525-3315396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 in die Ständeversammlung erhielten, so stimmt er für den vorgelegten Antrag. Er nimmt an, die Furcht ist nicht gegründet, daß zu viele Juden in die Versammlung kommen würden: denn wäre es auch richtig, daß einige in den größeren Städten Handelskunden haben könnten, die sich möglicherweise für ihre Wahl interefsirten, so ist es auch unlaugbar, daß sie daselbst Neider haben würden, die ein hinlängliches Gegengewicht zu bilden wissen würden. Justizrath Fleischer äußerte, .daß man in der vorliegenden Sache sich gewiß für die Mosaiten'so sehr ausgesprochen 'hat, daß es nicht möglich ist§ etwas Neues vorzubringen. Aber nicht allein die Gegenwart sondern auch die Zukunft wird die Versammlung ^eurtheilen, und er hat deshalb geglaubt, seine Meinung-aussprechen zu müssen. Durch Vernunft und Erfahrung müssen wir die Verhältnisse im Leben beürtheilen; was hinter dem Vorhänge der Zukunft verborgen liegt, müssen wir derselben überlassen, wenn er aufgerollt sein wird. So müssen wir denn auch zu einem Resultat über die Juden kommen. Wenn man aber von dem ausgeht, was die Majorität des Commite zur Abhaltung derselben von der Wählbarkeit vorgebracht hat, so kann er nicht erkennen, daß jenes Prkncip befolgt ist. Im Allgemeinen die in dem Bedenken hervorgehobenen Gründe durchzugehen wird unnöthig sein, denn das ist schon geschehen; der Redner will aber einige nur kurz berühren. ' Mit Freuden erkennt die Majorität, wie die Juden in Dänemark sich zu achtbaren Gliedern der Gesellschaft gehoben, daß sie Veredlung angenommen habm, und daß dieses von einer gerechten und humanen Behandlung herrührt, die ihnen zu Theil geworden ist. Es ist aber, nicht genug, daß man diese Anerkennung nicht zu ihrem Vortheil anwenden will, man sucht auch dieses Verdienst bei ihnen herabzusetzen, indem man gleichsam einen Schatten auf sie werfen will, indem man heraushebt, daß ihre fortschreitende Cultur theils von dem steigenden Wohlstände'herrührt, welchen sie durch ihre ausgebreiteten Verbindungen unter Conjuncturen zu erwerben gewußt haben, die für Andere unglücklich waren und Verluste herbeiführten. Ist es aber nicht der Fall mit Uns Allen, daß wir uns nicht ohne Vermögen wahre Bildung, Kenntnisse und Einsichten erwerben können- Weshalb also dieses rücksichtlich der Juden herausheben? Und würde man es dem christlichen Handelsmann zur Last legen,, dgß er durch seine ausgedehnten Handelsverbindungen sich vor Verlust zu sichern gewußt, daß er dadurch sich Wohlstand bereitet hat? Sicherlich nicht, und doch wird es dem Juden beinahe zu einem Verbrechen angerechnet. Daß der Wohlstand, den er erwirbt, nicht allein ihm zu Gute kommt, sondern auch ein Gewinn für das Land ist, in dem er wohnt, darauf ist nicht Rücksicht genommen. Man nennt . ihn einen Fremden; ist er aber fremd, so wird vorausgesetzt, daß es in der Welt einen Ort gibt, wo er es nicht ist, und wo er zu Hause gehört; wo ist aber dieser Ort, wenn er nicht in dem Lande wäre, das sein Geburtsland ist? Es ist dem Redner nicht klar, was die Majorität hucch die Nationalität versteht, die dem Juden vorgeworfen wird. Ist es die, daß er sich an seine Glaubensverwandte eng anschließt? Wie kann man von ihm dieses aber erwarten, wenn man ihn verwirft? Gemeinschaftliche Noch muß vereinigen, das kennen wir ja. Und weshalb sollte er nicht Liebe für ,das Land hegen können, worin er lebt chnd gut lebt? Bewundern wir nicht die Hingebung der vertriebenen und flüchtigen Polen für ihr Vaterland, und würden, wir es nicht für Unrecht halten, aus diesem Grunde ihnen Aufnahme in den Staat zu versagen, oder ihnen die allgemeinen Bürgerrechte zu verwehren? Würden wir es nicht ungerecht finden, wenn wir, vertrieben durch Uebermacht, so zurückgesetzt würden, weil wir. die Sehnsucht nach dem Lande unserer Geburt nicht unterdrücken können? Wahrlich der Redner kann dies eben so wenig einsehen, und nach seinem Gefühl zeugt Alles, was die Majorität angeführt hat, von einer Verkennung. Daß die Juden noch in mehreren Hinsichten nicht gleiche Rechte mit den Christen haben, dem kann gewiß nicht widersprochen werden, hierauf kann er aber nur mit einem vorhergehenden Redner durch den Wunsch antworten^ , daß auch diese Scheidewand vernichtet werden möge. Und wenn man von der Voraussetzung argumentiren will, die ihr Eid enthält, so muß der Redner bezweifeln, daß dieses in einer wahren Kenntnkß ihrer Glaubenslehren begründet ist. Sicherlich hat man jetzt eine andere Ueberzeugung, als zur Zeit, da die Eidesformel vorgeschriebe» wurde. Er hat übrigens den frohen Glauben, daß wir einer fortschreitenden Entwickelung entgegen gehen, wo fich Geist an Geist ohne materielle Rücksicht knüpfen wird, und danach müssen wir streben. Man hat gesagt, daß der Jude kein Däne ist; was ist er denn, wenn er hier geboren ist, und wenn die Gehurts^ stätte - seiner Eltern hier ist? Ja er ist Däne und hat, wie wir, eine dänische Geschichte, und es kann kein gegrür^ derer Zweifel stattsinden/ daß er als Däne für fein Vaterland fühlen wird. Ist denn der getaufte Jude Däne, Hal er eine dänische Geschichte? Wie. will man da-