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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-01-03 · Heft 2 (3.1.1839) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 2 (3.1.1839)
Date
1839-01-03
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 sammlung machen könnte oder nicht. 'Die Majorität des Commit« meint daß der achte Jude an die Wiedererrichtung des jüdischen Reiches durch Messias glauben muß, daß dieser Glaube die Hoffnung zur Folge haben muß, daß der , Jude sich überall als Fremden ansieht, wodurch er verhindert wird, mit irgend welchem anderen Volke zu verschmelzen, und es ihm deshalb an Interesse für des Landes Wohl fehlt, in welchem er sich, aufhalt. Dieser Satz ist inzwischen nicht bewiesen. Erstens bestätigt die Erfahrung keinesweges, daß die Idee eines neuen irdischen Jerusalems noch unter den Juden herrschend ist; sie kann sich vielleicht bei einzelnen alten, weniger aufgeklärten Juden finden, aber nicht bei der Menge, so wie man gesehen hat, daß sie auch nicht in das autorisirte Lehrbuch ausgenommen ist. Gesetzt sogar, die Juden nährten noch die Hoffnung einer selbstständigen politischen Existenz, so kann eine solche Hoffnung me das Interesse für das Volk schwächen, unter welchem sie wohnen; denn sie theilen in Allem sein Schicksal. Was das Wohl der Christen hier im Lande befördert, befördert auch das der Juden;' was Dänemark schadet, schadet eben so sehr den Juden, und der Glaube an ein neues Jerusalem kann niein Collision gerathen mit ihren Pflichten als dänische Bürger. Warum sollte man denn wegen eines solchen Glaubens, wenn er auch unter den Juden herrschend wäre? sie aus dem Standesaal ausschließen wollen? Aus der Kirchengeschichte weiß man, daß sich unter den Christen eine Lehre von einem zukünftigen tausendjährigen Reiche verbreitete, wo Alle in Glückseligkeit' leben sollten. Diese Lehren hat an mehreren Orten sich bis auf die neueste Zeit erhalten. Sie bat sogar kürzlich-im Gehirn der St. Simonisten gespuckt. Gesetzt nun, ein Dane bekennt sich öffentlich zu diesem Glauben, sollte er deshalb ungeschickt sein, in einer Ständeversammlung einen Sitz einzunehmen? Würde man ihn deshalb ausschließen wollen? Dieses könnte gewiß nie Jemandem aus dieser Versammlung einfallen. Weshalb sollten denn die Juden ausgeschlossen werden, wenn sie auch an ein solches künftiges Reich glaubten? -Der Proponent hat aus dem Lehrbuch der Juden gezeigt, daß sich in ihrer Religion nichts findet, welches sie in eiy feindseliges Verhaltniß zu den Christen setzt, daß also in ihrer Religion kein Hinderniß'für hie Zulassung derselben zu den Ständen ist. Der Redner will jetzt beweisen, daß es nach unserer Religion Pflicht ist, sie aufzunehmen. Im 7. Cap. 12. Vers Matthäus steht geschrieben: „Alles, ■ was Ihr wollt, daß die Menschen gegen Euch thun sollen; das thut gegen sie; denn so ist das Gesetz und die Propheten." Es sind Jesu Worte, die hier angeführt werden. Wenn die Inden nun einen selbstständigen Staat ausmachtert und Christen unter ihnen wohnten, so würden diese gewiß wünschen dieselben Rechte, wie sie zu erhalten; würden sie dies aber, so ist es auch ihre Pflicht, jetzt das Begehren der Juden zu erfüllen. Jesus sagt, „denn so ist das Gesetz und Die Propheten," das. heißt, so ist die mosaische Religion,, denn diese ist ja im Gesetz und in den^Pcopheten enthalten.^ Hierfür gelten die eigenen Worte Jesu; was haben wir denn mehr Zeugniß nöthig? Die Juden müßten also, wenn die Verhältnisse umgekehrt waren, und sie nach den Vorschriften ihrer Religion handeln wollten, die Christen in. ihren^Rath aufnehmen. Sollen die Christen denn weniger als sie die Vorschriften der Religion befolgen? Etatsrath Brinck-Heidelin äußerte, daß aus dem, worüber der königliche Commissarius die Versammlung aufgeklärt hat, gesehen wird, daß eF mehrere Punkte gibt, worin die Juden mit den übrigen" Landeskindern nicht gleich geachtet werden. 'Dem Redner scheint es, daß der Menschenfreund, darüber trauern muß, daß nbch vieles zu ändern, ist, ehe die Scheidewand zwischen Juden und Christen weg-, fallt. Doch sieht er hierin nicht den Grund, daß die Wählbarkeit dem Juden nicht zugestanden werden sollte. Materielle Interessen'hat jeder Staatsbürger, und er sieht nicht, daß man mit Billigkeit dem Mosaiten vorwecfen kann, daß sie für ihn mehr bedeuten sollten als für den Christen. Bischof Ollgard meint, daß der . Jude für das Vaterland nicht wie der Dane fühlen könne, und doch weiß der Redner nicht, wann er ihm seinen Beistand versagte oder daß er nicht willig mit andern Dänen wetteiferte, ihm .in der Stunde der Noth sein Opfer zu bringen. Mancher Juhr zeigte sich oft als besserer Christ als der, der den Namen eines Christen trägt. Der Redner ist nicht genau mtt der jüdischen Religion bekannt, daher würde er nie die Behauptung wagen, daß sie den Mosaiten verhindern sollte , dir Pflichten eines braven Ständedeputirten zu erfüllen. Er kann es nicht glauben, „denn, schloß er," ich erinnere mich, als unter den von Sr. Maj. im Jahre 1832 zusammenberufenen aufgeklärten Männern die Frage darüber war, stand der ewig' unvergeßliche Bischof von Seeland, Petrus Erasmus Möller auf, er, bet dem Menschenliebe und Lehre in dem herrlichsten Einklang stand, und sprach mi4 wahrer christlicher Toleranz und mit für mich und Viele .überzeugender Kraft für unsere mosaischen Brüder. Mir ist es immer klar gewesen, daß er damals eine schöne Blume in den Kranz band, der jetzt des Verewigten Grabhügel ziert." Obergerichtsprocuraror Möller äußerte, da er die Met* nung nicht hinlänglich begründet findet, daß es schädlich für die bürgerliche Gesellschaft sein sollte, daß die Juden Zutritt

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