Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1844)
- Date
- 1844-12-23
- Page
- Seite 760 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225388--06556-3315379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
760 Betraurung im Hamb. Korresp. vom lOten, aus denen wir folgende hervorheben. „Ja, ein trefflicher, lassen Sie mich sagen, ein großer, großer Mensch ist aus unsrer Mitte geschieden. Ein großer Mensch ist von dannen gegangen. Diese zwei Worte drücken am würdigsten aus, was wir in unserm Gerson verloren haben; diese zwei Worte bezeichnen ganz und vollständig, was er der leidenden Menschheit, was er den Armen und Unglücklichen, was er seinen Kollegen, was er den Seinigen, was er Allen, Allen gewesen, die sich mit irgend einer Angelegenheit an ihn wendeten. was sage ich, an ihn wendeten! nein, die er mit seinem liebehcißen Gemüthe und zuvorkommenden Wesen ausgesucht, damir er dem Einen seinen Schmerz mildere, damit er einem Andern Erleichterung verschaffe, damit er dem dritten Rath ertheile, damit er dem Vierten eine Freude, dem Fünften eine beglückende Ueberraschung bereite." „Groß war der Heimgegangne schon als Jüngling in seinem Feuereifer bei seinem Studium, in seiner Berufstreue, auf dem Schlachtfeldes, wie an den Sterbebetten." Später heißt es: „Und welch' einen großen Mann verlieren wir, Israel! denn dem Gerechten zum segnenden Angedenken sei auch dies erwähnt, daß der Mann, der mit seinem Geiste und seinem Herzen der ganzen Menschheit angehörte, die heiligen und heiligsten Interessen derer nicht aus dem Auge ließ, in deren Schooß er das Licht des Glaubens erhielt. So sehr ihn auch sein Beruf als Arzt und Wundarzt Tag und Nacht in Anspruch nahm, widmete er "doch einen Theil seiner Zeit und Kraft der Beaufsichtigung der Schul- und Bildungsanstalt für die arme israelitische Jugend, und ich schätze mich glücklich, Ihnen sagen zu können, daß der erleuchtete Vater seine beiden Kinder in der Religion Jsrael's mehre Jahre hindurch durch einen der Lehrer am neuen israelitischen Gotteshause unterweisen ließ, und es hat der Verklärte diese heilige Angelegenheit als eine der wichtigsten angesehen und behandelt." Aus Mittelfrankcn, im November. (Prioatmitth. Verspätet.) Die Wahl auf die Rabbiner- Di. Gerson diente bei der deutschen Legion in Spanien als Militärarzt.! stelle des leider zu früh verstorbnen Bier heim in! Welbhausen hat wieder zu vielen ärgerlichen Vor« j kommnissen Veranlassung gegeben und sie wird, auf! den Rabbinatsadjunkt, Herrn Dr. Fränkel zu Set*! tingen, gefallen, von den Mitbewerbern in so weit ' mit Erfolg angestritten, daß bereits von dem zustän-! digen, Landgericht eine Untersuchung wegen Be- ' stechung mehrer Wähler geführt wird. Wir wollen mit den Herren Kandidaten wegen der Mittel, welche sie zur Erreichung einer Stelle anwenden, nicht strenge rechten, nicht untersuchen, ob die in der Minorität Gebliebnen in der Wahl der Mittel! sehr streng waren. Man weiß, wie schwer es ihnen j fallt, Stellen zu bekommen, und in welche fatale j Stellung die mehrmals durchgefallnen gerathen.! Aber vielen Wählern, besonders in den Landgcmein-! den, die da wähnen, sie allein seien noch wahre sromme Juden, ihnen muß es zur Schmach nachgesagl werden, wenn sie mit ihren Wahlstimmen einen schmählichen Handel treiben und sich so tief erniedrigen, denjenigen zu ihrem Rabbinen zu wählen, der ihnen am meisten Geld bietet. Einzelheiten will ich nicht geben, aber was man sich allgemein laut und ungescheut erzählt, ist schmählich, schändlich. Es war eine entartete Zeit, jene, in der das Oberpriesterthum käuflich war; aber es waren Römer, Heiden, die die Demoralisation der Juden bezielten und welche diesen feilen Handel trieben. Hier aber verkaufen Israeliten, fromme „fleißig schulgehende" Jehudim ihre Rabbinerstelle an den Meistbietenden!") — Zu der in diesen Blättern gemeldeten Nachricht von der Zulassung jüdischer Seminaristen in dem Seminar zu Schwabach, muß nachträglich noch lobend erwähnt werden, daß Herr Rabbiner Wechsler daselbst dem bereits aufgenommnen Seminaristen den hebräischen Unterricht unentgeltlich ertheilt und sich dadurch als eiir ächter Rabbiner bewährt, der Tora Man erzählt sich von dem seligen Bierheim folgende Anekdote- Einer seiner Mitbewerber bei der Wahl, der das Zimmer über ihn bewohnte, hatte einen völligen Stimmenhandel organisirt. Zu diesem wollte ein Landmann gehen, gerieth aber irrthümlich zu Herrn Bierheim im untern Stock, dem er denn nun den Preis seiner Stimme offeriere. Da sprach Vierheim! Sie sind an den Unrechten Mann gerathen, aber der über uns zahlt Alles. Korresp.