Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1844)
- Date
- 1844-12-23
- Page
- Seite 759 (sequence 7)
- Language
- German
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759 Zweck und Nutzen — eine wichtige Erscheinung, und verdient in den Annalen der Gemeinde mit rother Dinte ausgezeichnet zu werden. Das israel. Schulwesen in Ungarn könnte man füglich einer Pulsader vergleichen, denn sein rasches und thätiges Leben verbürgt einen gesunden und kräftigen Zustand des geistigen Körpers der ungarischen Jsraelitenschaft. Auch das in früheren Jahrzehenden so vernachlässigte Ungar. Element wird durch die im Geiste der Zeit und der Nation errichteten Schulen sehr belebt, und berechtiget zu den schönsten Erwartungen. Denn, beispiellos ist in der That der Enthusiasmus der sich in solchen Anstalten — trotz dem Sichselbstüberlaffensein von Seiten der Regierung — bei der Schuljugend für die ungarische Sprache immer mehr entwickelt. Mögen uns immerhin manche kalte Männer der Legislatur den Nationalitätssinn absprechen, die innere Selbstzufriedenheit die sich bei dem schönen, korrekte» Hersagen der ungar. Lektionen auf den vergnügten Gesichterchen der zartesten Schuljugend abspiegelt, straft sie Lügen. Auch Miskolcz (im borsoder Komitate) reihet sich seit einem Jahre ehrenvoll den Gemeinden Ungarns an, die zur Erreichung eines edeln Zweckes große Opfer und Anstrengungen nicht scheuen. Ihre Schule wird allgemein gerühmt, die Energie der wackern Schulkommission verdient allgemeine Anerkennung. An der Spitze der Schule stehen: Herr vr. I. Mayer aus Komorn, ein tüchtiger Schulmann von biederm Charakter und gründlicher Gelehrsamkeit, Herr Rabbinatskandidat Blücher durch seine Lrawmalica Aramaica rühmlichst bekannt, Herr Löffler, eben so vollkommen als Schulmann wie zeitgemäß gebildet, und ein Lehrer der ungar. Sprache. Rajecz (trentschiner Komitat) eine nicht große Gemeinde hat eben in Verlaufe dieses Jahres eine Schule errichtet, und — der Eifer für das Ungarische — unter Slovaken wo das Ungarische so fremd ist — soll sich so triumphirend Herausstellen, daß es an's Unglaubliche grenzt! — is nicp trjssvn ■'s» (Psalm VIU, 3.) ° ' E. F. Nikolsburg, 13. Dezember. (Privatmitth.) Auch in unsrer Gemeinde gedeihen treffliche Anstalten. Die von der Hosstelle genehmigte hebräische deutsche Hauptschule leistet immer mehr Gutes. Viele der Jünglinge, die diese Schule verlassen, erlernen das Gewerk in einer eigens hierzu errichteten Fabrik unter der Leitung eines ausgezeichneten Kunstwebemeisters. Darum tausendfachen Dank den verdienten Schulvorstehern, Herren A. Karpeles und H. Kollisch. Letzterer gründet jetzt eine Taubstummenanstalt für die Israeliten Mähren's und Schlesien's auf eigene Kosten, und zog durch ein Rundschreiben über alle derartigen Unglücklichen in der Provinz Erkundigung ein. Sechs sind es, die bereits Aufnahme gefunden. Die Anstalt trefflichst eingerichtet, ist seit dem 1. Oktober eröffnet, und die Schüler haben schon sichtliche Fortschritte gemacht. So ist es eine ergreifende Erscheinung, daß ihnen bereits das beigebracht ist. — P. K. Deutschland. Braunschweig, im Dezember. Den eben eröffneten Ständen ist unter Anderm auch ein Gesetzentwurf von Seiten des herzogl. Staatsministerii vorgelegt worden, den Eid der Juden betreffend. Derselbe ist einer Kommission zur Begutachtung überwiesen worden. Das Schreiben zur Begründung des Gesetzentwurfs über die Eide der Juden erklärt, daß die Judenschaft in Braunschweig schon 1815, dringend darum nachgesucht habe, eine Aenderung in dem Verfahren bei Abnahme der Eide jüdischer Glaubensgenossen eintreten zu lassen. Die Landesregierung sei der Ueberzeugung, daß der sittliche Standpunkt, den die hiesige Judenschaft einnehme, es gestatte, hier eben so, wie in anderen deutschen Ländern, eine zeitgemäße Verbesserung der zum Theil auf unrichtigen Ansichten beruhenden bisherigen Vorschriften eintreten zu lassen und zugleich überdies schon aus Gebrauch gekommene Bestimmungen über die Zulässigkeit und Glaubwürdigkeit der Eide der Juden aufzuheben. —. Dieses Zeugniß des Staatsministerii ist wol die beste Erwiderung auf den Schmähartikel, den bei dieser Gelegenheit die Deutsche Allgemeine Zeitung enthielt. Jedes Wort mehr darüber, wäre verloren. Hamburg, 15. Dezember. In Betreff des am 3. Dezember stattgesundenen Todes des vielverehrten vr. nied. Gerson, stehen einige Worte der