Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1844)
- Date
- 1844-12-16
- Page
- Seite 748 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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748 Jahren um seiner Militärpflicht zu genügen in das zu Münster in Garnison liegende elfte Husarenregiment ein. In Folge seiner guten Befähigung wurde er im Bureau der Brigadekommandeurs beschäftigt, avanz-irte zum Unteroffizier und wurde nach zwölfjähriger. Dienstzeit entlassen. Auf befürwortende Berichtendes Generalkommando's erfolgte gegen Ende v. $)l., die Kabinetsordre: „daß dem „zwölfjährigen jüdischen Unteroffizier die Zivilversor- „gungsberechtigung gleich jeder andern zum Christen- „thume sich bekennenden Militärperson zuerkannt „werde." — Der in's Recht gestellte Unteroffizier wird sich dem Rechnungs- und Kassenfache im Justizdienste widmen. — . Berlin, I. Dezember. Zu Mitgliedern des provisorischen Komitö's eines Lokalvereins für das Wohl der arbeitenden Klaffen wurden auch die Israeliten I>r. Beit und D. A. Ben da, Stadtrath, erwählt. Berlin, 24. November. (N. K.) Neulichen Donnerstag beschied Herr Minister Eichhorn den hiesigen Rabbinatsaffeffor, Herrn vr. Sachs, zu sich, und gewährte ihm eine sehr lange Audienz, in welcher wichtige Fragen, betreffend die jüdischen Verhältnisse, zur Sprache kamen. Man lebt der festen Hoffnung, daß hier vor der Hand alle inneren Konflikte überwunden seien, und daß das mit nächstem in Wirksamkeit tretende Judenreglement manche Erleichterungen mit sich bringen werde. Das Prinzip einer Judenemanzipation im modernen Sinne des Wortes soll in jenem Reglement nicht zum Vorschein kommen; für die freiere Bewegung des Ritus und des Kultus aber — versteht sich, auf wissenschaftlichorthodoxer Grundlage — soll manches sehr Erfreuliche im Werke sein. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 3. Dezember. sHomilelik.j Zwei Predigten über die Lehre vom Messias, gehalten den ersten Tag Sukkos und Simchas Tora d. I. von dem Landrabb. Dr. Herzfeld. Braunschweig, 1844. In der Einleitung stellt der Vers, als einen Beweis neuer Blüthe im Judenthum die jetzt häufige Besprechung der Messtaslehre auf^ dann spricht er aus: erstens daß das Messtasreich in der Anerkennung aller Nationen, daß es nur einen Gott giebt, bestehe, und daß in ihm alle rohe Gewalt, aller Unfrieden, alle Bosheit keine Kraft mehr haben werden — auf diese Weise sei die Lehre des Messiareiches Lehre der gesammten Menschheit; zweitens daß das Messiasreich nicht durch ein Individuum herbeigeführt werde, sondern durch das Judenthum, d. h. durch seine Lehren; drittens, baß es daher allmatig kommt, was sich in der Entwickelung der Menschheit zeigt, wenn auch unter schweren Kämpfen; endlich daß das Judenthdm im Messtasreiche nach talmud. Lehrsatz keine Zeremonieen mehr haben wird, womit aber die Unnöthigkeit der Zeremonieen, da das Messiasreich noch nicht gekommen, nicht erwiesen ist. — Indem also hier die Messiaslehre in das Bereich der Vernünftigkeit und Geschichte übertragen ist — der Verf. spricht nur eine weit verbreitete Ansicht aus — sind es doch zwei Fragen, die sich aufdrängen: kann durch die Verbreitung der Anerkennung des Einen Gottes zugleich §ine solche Umwandlung der Menschennatur hervorgebracht werden, daß, wie der Verf. sagt: „alle rohe Gewalt, aller Unfrieden, alle Bosheit keine Kraft mehr haben werden"? Man muß zugeben, daß durch das Aufhören der Religionsstreitigkeiten der Friede und die Tugend unter den Menschen viel, viel mehr Raum gewinnen werden — aber allen? Die Leidenschaft und der Eigennutz liegen zu tief in der Menschennatur, als daß sie nicht immer wieder gewaltige Störungen Hervorbringen sollten! Dies wird der Lehre vom Messiasreiche auf dem Gebiete der Vernünftigkeit stets gegenüberstehen, und der Verf. hat ihn nicht einmal berührt. Dieser Einwand weist uns aber eben, wie bei der Offenbarung, auf eine unmittelbare Einwirkung Gottes: Die Wahrheit konnte in die Menschheit ohne unmittelbare Einwirkung Gottes, d. h. ohne Offenbarung, nicht gelangen: der Friede, d. h. die vollständige Herrschaft der Liebe, kann in die Menschenwelt eben scr wenig ohne unmittelbare Einwirkung Gottes kommen. Letzterem muß aber die Eckenntniß der Wahrheit vorangehen, so daß das Messiasreich allerdings an die allgemeine Erkenntniß des einigen Gottes geknüpft ist. Keine Vernunft, keine Geschichte kann sonst das Eintreten des Messr'asreiches, wie es auch unser Verf. schildert, als möglich erweisen. Denn die Geschichte zeigt uns eine allmalige Besserung, Ausgleichung großer Uneben-