Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1844)
- Date
- 1844-12-16
- Page
- Seite 743 (sequence 11)
- Language
- German
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743 das oberste Tribunal, und trug darauf an, auch in Algier die Juden wie jeden französischen Bürger einfach schwören zu lassen. Die Rabbinen suchten auf alle mögliche Weise die Sache zu Hintertreiben, und desfallsige Deputationen stellten sich bei dem Staatsprokurator ein. Jndeß wurde die Sache den 25. Juli verhandelt. Man warf ein, daß die algier'schen Juden den französischen Gesetzen noch nicht völlig unterworfen seien. Allein in einem kräftigen Plaidoyer entwickelte Cohen die Gründe, daß gerade jetzt, wo man die israelitische Bevölkerung mit den Franzosen assimiliren wolle, eine solche Scheidewand aufführen, die Verschmelzung durch Nährung des Aberglaubens gänzlich verhindern heiße. Der Erfolg war glänzend, in der Sitzung vom 18. September hat das Tribunal erklärt, daß die eingebornen Israeliten den Eid ganz wie die französischen Bürger leisten sollten. Frankreich. Paris, im November. - Das Zentralkonsistorium und das Kultusministerium haben Erlasse Behufs der Ausführung der Ordonnanz vom 2b. Mai zur Ausfertigung der Notabelnlisten und zur Wahl der neuen Konsistorien und des Großrabbinen resp. an die Konsistorien und Präfekten versendet. —. Nach den Arch. isr. de Fr. wird das Zentralkonsistorium bei der neuen Wahl ziemlich dasselbe bleiben. Cremieux, Cerfberr, Franck und Halphen werden wieder erwählt werden; nur Maas für Paris wird eine lebhafte Opposition finden, ebenso Anspach, der Jurist. — Gleiches glaubt man von den Departementalkonsistorien. Am meisten Anstrengungen machen die Orthodoxen im Oberrhein, um ein ganz neues Konsistorium zu schaffen. —. Der Redakt. der Arch. isr. de Fr. macht einige Bemerkungen über unser Schreiben an Herrn Bloch. Er streicht die Segel. Gut. Wir pflegen einem nachgebenden Widersacher nicht noch Bitterkeiten zu sagen. Dennoch will er den deutschen Israeliten kein „Vaterland" zugestehen, weil sie nicht vollständiges Bürgerrecht haben. Arme Seelen, die das unveräußerliche Gut eines Vaterlandes nach der Krämerelle einiger Beschränkungen messen! Doch wozu des Streites? Lächerlich ist der Beweis, den der Herr Cahen führt. „Als der König von Preußen Mendelssohn zu der Akademie von Berlin nicht zuließ, weil er Jude war, würde man den verspottet haben, der gesagt hätte, Preußen wäre das Vaterland Mendelssohns!" Also von dem Ausstreichen aus der vorgelegten akademischen Liste oder nicht durch den König hing es ab, ob Mendelssohn ein Vaterland habe oder, nicht? Oder war das M.'s Vaterland nicht, wo er seine Bildung sich erworben, ein anständiges Besitzthum sich gewonnen, einen großartigen Wirkungskreis sich geschaffen, wo er Lehrer der ganzen deutschen Nation geworden? Nein! von einem Könige hängt es nicht ab, Einem ein Vaterland zu geben oder zu nehmen! Doch genug, Herr Cahen versteht so Etwas nicht. Ganz irrthümlich schiebt er uns unter gesagt zu haben „die französischen Juden vor 1789?" wir sagten: „die Franzosen vor 1789," da sogleich die Irländer darauf folgten, so konnte nur die Flüchtigkeit des Herrn Cahen dies versehen. Mühlhausen, I. Dezember. (Privatmitth.) Der Herr Rabb. Dreyfuß hat in einem besondern Schreiben die Umtriebe der Familie Wahl aufgedeckt, und gezeigt, von welchen Gesinnungen diese Leute, welche die sämmtlichen deutschen und französischen Rabbinen der Irreligiosität zeihen, ausgehen. Es thut uns leid, daß Herr R. Dr. sich nur bemüßigt sehen muß, solchen Menschen zu antworten. Großbritannien. London, im November. Der Prediger an der bekannten neuen Synagoge, Herr Marks hat die Stelle des Herrn Hurwitz s. A. als Professor der hebräischen Sprache an der Universität London erhalten. — Der Dämon der Zwietracht wüthet hier um die Wahl des Rabbinen. Die Orthodoxen und Finanzleute wollen Adler in Hannover, die Aufgeklärteren Hirschseld in Wollstein. Da beide Männer wenig gekannt sind, so schaaren sich die Leute bloß um die Namen. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Schweden und Norwegen. Christiania, 20. November. Der Reform in der Judensache ist jüngst auf die trübseligste Weise