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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-16 · Heft 51 (16.12.1844) · p. Seite 742

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 51 (16.12.1844)
Date
1844-12-16
Page
Seite 742 (sequence 10)
Language
German
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742 dungsstücke, die Bestandtheile einer Tracht des polnischen Juden genauer analysiren, sehen wir sie halb von der alten Zeit Polens und des nachbarlichen Ungarlandes, halb sogar von morgenländischen Zonen mitgebracht*). Will man bedenken, daß selbst mit dieser polnischen Tracht schon viele Veränderungen vorgegangen, daß selbst über diese Bekleidung in den weit ausgedehnten Niederlassungen der polnischen Juden eine große Meinungsverschiedenheit herrscht — wie z. B. das Tragen einer Oberhülle, die in vielen Gegenden Polens schon abgeschafft, in manchen Ortschaften aber als nothwendiges Attribut der Oeffentlichkeit gilt — und daß ferner — laut dem glaubwürdigen Berichte in No. 44 der Allgem. Zeit, des Judenthums — selbst diese „fromme" Tracht als eine moderne bei den moldauischen Juden angesehen wird, so wird man wol aufhören, auf diesen „jüdischlechen Gang" ein so großes Gewicht zu legen. Denn wahrlich! es findet sich in dem weiten Gebiet rabbinischer Halacha kein gründliches Verbot der Anlegung der Landestracht. Und kann der Zwang der Regierung keineswegs gerecht, das zudringliche Verlangen der christlichen Welt keineswegs billig und die ganze Maaßregel der Regierung nicht die erfolgreichste genannt werden, so seid Ihr einmal die schwächere, unterdrückte Klaffe, und müßt Eurer bessern Stellung dieses kleine Opfer bringen und vor der Nothwendigkeit mit einem so hartnäckigen Vorurtheil weichen. Wozu noch einen Vorwand mehr den Judenfeinden geben? Wozu die Kluft noch schroffer machen? Wozu Jedem ins Auge fallen durch solche Wunderlichkeit im Anzuge? Besser, wenn Israel am wenigsten von sich reden läßt und, wie es ihm ziemt, bescheiden im Leben zu wandeln und getrost einer bessern Zukunft entgegen zu sehen. „Entziehe dich jeder Mundverrenkung und Lippenschmunzeln entferne von dir." — e) Selbst die Namen deuten darauf hin. Der Rock des polnischen Juden „Zsipize" genannt, ist der „Zupan" der alten Polen mit einiger Umstaltung; der außer Mode gekommene „Kintisch" ist das alte Oberkleid der Polen „Kontusz." Manche sind sogar von geistlichen Orden entlehnt, wie die polnisch-jüdische „Kaputa" die Bekleidung der Kapuziner war. In der Kopfbedeckung haben sie mit den alten Polen und Ungarn Vieles Algier. Algier, im Oktober. (.4rcli. isr. de Fr.) Unter die Waffen des Aberglaubens,, welche die Rabbinen Algiers über die dortigen Israeliten ausgestreckt halten, gehört auch der Eid auf das Sepher Rab. In der Synagoge Dar Sarphati bewahrt man, sorgfältig in einen Schrein eingeschloffen, und durch Glasfenster geschützt; ein Gesetzbuch, Sepher Rab genannt, auf, dem man wundersame Eigenschaften zuschreibt. Nach der Sage ist es auf den Wogen des Meeres angeschwommen gekommen, und reicht bis in die frühesten Zeiten hinauf; seitdem ist es ein Gegenstand der tiefsten Verehrung. Eine Lampe brennt beständig vor dem Schrein, worin es liegt. Seine Wunderkraft hat es noch in den letzten Zeiten bewährt. Vor einem Jahre mußte man den Tempel Sarphati restauriren; man mußte das Sepher Rab nothwendigerweise aus dem Schrein nehmen, und brachte es in ein benachbartes Lokal; während der Nacht kam das Buch, trotz der verschlossenen Thüren, von selbst an seinen gewöhnlichen Platz, und am Morgen sahen die Gläubigen mit Erstaunen den Schrein vom Sepher Rab, wie vordem, eingenommen. Es ist nun ein alter Aberglauben bei den algier'schen Juden, daß wer, die Hand auf dem S. Rab, einen falschen Eid schwört, binnen Jahresfrist stirbt. Dies hat veranlaßt, aus dem Schwur auf den S. R. eine besondere Art Eides more judaico zu machen, und die Rabbinen haben eine gute Einkunftsquelle dadurch, denn sie lassen sich jeden Eid auf den S. R. mit 15 Fr. (4 Thlrn.) bezahlen. Dabei herrscht überhaupt eine solche Scheu vor der Berührung dieses Buches, daß sie lieber ihre gerechte Sache haben verloren gegeben. — Der Advokat Cohen nun, der sich in Algier beharrend der Verbesserung der dortigen jüdischen Verhältnisse widmet, brachte die Sache vor gemein. Der polnisch-jüdische „Rolpak" stammt von „Kalap," der Hut im Ungarischen ab; die Pelzmütze der polnischen Juden, bei ihnen „Ritschma" benannt, ist das polnische „Kiezma" und das ungarische „Kucsma," u. dergl. m. Die Kopfbedeckung der jüdischen Frauen in Polen, die sich bei ihnen neben den neuesten Moden als grelle Abzeichnung beibehaltcn hat, ist unleugbar der Juwelen-Kopfputz asiatischer Völker, u. s. w. Koresp.

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