Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1844)
- Date
- 1844-12-16
- Page
- Seite 736 (sequence 4)
- Language
- German
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736 um derentwillen die Kämpfe willig zu kämpfen, die wir dazu bestehen, die Entsagungen zu tragen, die uns da erwarten? Erstens wiederum, weil wir dem Beispiele unsrer Väter folgen, weil wir der großen Familie Jsyael's uns augescklossen erhalten. Der Mensch, m. Br., bedarf eines Anhalts im Erdenleben, woran er sich an; lehnt, worauf er sich stützt, wo er sich heimisch und betraut fühlet. Da ist nun die Familie, die ist zu enge, der Staat, er ist zu weit, mitten Lnne steht die Glaubensgenoffenschaft: diese ist es. die Verbrüderung durch Gleichheit der Abstammung und des Glaubens und der allgemeinen Schicksale, welche dem Geiste und dem Herzen Genüge schafft; in diesem Kreise bewegt er sich frei und sicber, hier findet er Liebe, Mitgefühl, Ausdauer. Denn wer bat cs nicht schon erfahren — und wünschten wir es auch anders — der Nichtisraelit bleibt dem Israeliten stets fern, stets fremd, es täuschet sich, wer um jenes Gunst buhlet, er trügt sich, wer sich auf sie verlässet. Bei dem ersten Schlage des Geschickes steht er allein, fliehen sie sein Haus, lassen sie ihn fühlen, daß er eben — nur Jude sei. Hingegen die Welt, nicht wir, hat es so gemacht — auch in den entlegensten Ländern tritt der Jude dem Juden freundlich entgegen, sie sind sich vertraut, nahe gerück^ sie fühlen sich Brüder. Wem aber gehöret der Jude an, der von seinem Stamme und Glauben sich losgeriffen? Dem Nichts, nicht hüben und drüben, Freundschaft und Vertraulichkeit sind für ihn keine Worte der Wirklichkeit mehr. Aber noch mehr, m. Br. Wie der Glaubensgenosse den Menschen, also nähern wir uns durch die Treue in unserm Glauben immermehr — ©OÜC* Wir halten ja fest die Bestimmung, die er selbsten uns mitgegeben in's Erdenleben, da er uns als Israeliten geboren werden ließ; wir suchen die Aufgabe zu losen, die er selbst uns gestellt; wir erkennen ihn, wir verkünden ihn, wir bezeugen ihn, wir tragen seine Lehre! Und wenn es nun wahr ist, daß überhaupt je mehr Kämpfe und Schicksale im Leben wir zu bestehen, desto reiner, geläuterter, veredelter werden wir, desto näher kommen wir unserm Ziele, desto höher werden unsere Hoffnungen und Ansprüche auf die Seligkeit des Himmels — um wie viel mehr noch, m. Br., wenn diese Kämpfe geradezu um die Wahrheit, um die Gottcscrkenntniß, um Gott selbsten sind?! Wenn wir uns sagen können: um Dich nicht zu verleugnen, Hab' ich Erdengütern und Erdenehren entsaget; um Dich zu bekennen, Hab' ich mich beschränken und bedrücken lassen, um Dich, den Wahrhaftigen, zu verehren, Hab ich Schmach und Zurücksetzung ertragen —- das ist es, was der Prophet vom wahrhaftigen Knecht Gottes ausspricht: ■’nng tTEnfc:? D'Mb „meinen Rücken bot ich den Schlagenden, meine Wange den Raufenden." (Jesch. 50, 6.). O, m. Gel.! Es ist ein wirres, verwickeltes Leben, das uns auf Erden umgiebr, mit so vielen Räthseln, so vielen Irrungen, und gewiß gab es keine Zeit noch auf Erden, die so wirre und verworren wie die unsrige: wohl, so lasset uns wenigstens das festhalten, was fest stehet — die Erkenntniß des einigen, geoffenbarten Gottes. Diese vermag uns das Leben zu erhalten, die Wirren zu lösen, und zu stützen und zu tragen. Lasset uns das Erbtheil unsrer Väter nicht schnöde vergeuden und verschleudern, lasset es uns treulich bewahren und unseren Enkeln überantworten, auf daß es nach Jahrhunderten noch heiße: Jakob blieb im Lande des Aufenthalts seiner Väter! — Amen. Zeitungsnachrichten. Rußland. St. Petersburg, 28. November. (Privatmitth.) Ich habe hiermit die Ehre, Ihnen den allerhöchsten Befehl zu übersenden, der die Organisation einer europäischen Bildung unter den Juden Rußlands bezweckt, und die Errichtung besonderer Schulen für dieselben anordnet. Der Ukas enthält nur die Prinzipien des ganzen Unternehmens, die Ausführung derselben im Einzelnen ist dem Herrn Minister der Vvlksaufklarung überlassen. Diese Ausführung wird durch die einzelnen Vorschriften, die nun aus dem Ministerium erlasseiUwerden, bezweckt; und ich werde nicht unterlassen, sie Ihnen baldigst mitzutheilen. Aus ihnen werden Sie ersehen, in welchem Umfange die jüdischen Lehrgegenstände sowol, als die weltlichen gelehrt werden. Mein Gebet ist nur bei diesem Vorhaben, daß der König der Könige demselben Seinen Segen verleihe, und es zur Verherrlichung Seines heiligen Namens wirken lasse. l>r. Lilienthal. Ukas an den Minister.der Volksaufklärung. Um unter den Hebräern eine staatsbürgerliche