Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1844)
- Date
- 1844-12-16
- Page
- Seite 735 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225387--06530-3315352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
735 zu aller Zeit treu und fest in der Religion des Einigen beharren — trotz der Kämpfe, die es La zu bestehen, trotz der Leiden und Aufopferungen, die es da zu erwarten. Wohl, m. Br. und Schwestern! sind nun unsre Vater in diesem Lande ihres Aufenthalts geblieben? geblieben, treu und fest und beharrlich trotz Kämpfe, Leiden und Opfer? Ob auch Nebuchadnezzar sie führte nach Babel gefangen: in der Gefangenschaft wurden sie nur noch fester, beharrlicher in der Religion des Herrn. Ob auch Antiochus, der Syrer, Götzenaltäre im Tempel des Einigen errichtete: Juda Makkabi stieß sie wieder um, und wir feiern diese Kämpfe und Leiden und Opfer noch heute. Ob auch der Römer sie zerstreute durch alle Zonen: nur immer anhänglicher schlossen sie sich ihr an. Ob auch alle Herrscher und Völker der Erde sie bedrückten und verfolgten und marterten, und ihnen Kämpfe und Leiden und Opfer aller Art auferlegten, und ihr Leben machten zu einem elendern und bejammernswerthcrn denn einst in Aegypten, all' dies um der Religion des Einigen willen — unsre Väter haben den Ausspruch der Schrift bethätigt: Jakob blieb im Lande des Aufenthalts seiner Vater, in der Religion des Einigen! Was ist es aber, m. Glaubensgenossen, was uns vevpstichtei', in diesem Lande unsrer Väter zu bleiben? Was ist es, was uns als höchstes Gesetz, als oberste Lebcnsbedingung auferlegt, in der Religion des Einigen treu zu verharren? Ein Mehrfaches, meine Brüder. Zuerst, weil sie eben der Aufenthalt unsrer Vater ist, weil sie mit dem Gut und Blut all' unsrer Ahnen besiegelt worden; sie sind es, die wir mit unser Religion in den Staub stürzten, ihre Gräber noch entweihten, mit Füßen träten, wenn wir unsrer Religion entsagten. Wofür sie gelitten, das würden wir gleichgültig dahinwerfen, was sie mit ihren Mühsalen und Seufzern bezahlt, würden wir als Nichts von uns stoßen. Mit vier Jahrtausenden haben Geschlechter auf Geschlechter im Hause Jakob's dieses Kleinod, diesen höchsten Schatz bewahrt und verteidigt, und wir höhnten dem in's Angesicht? Wir höhnten unsre Väter noch in der Gruft? Wie? Ist es nicht der urälteste Adel, der uns schmückt, und ein gerechter Adel, denn es ist kein Erdengut, keine Ehre der Erde, sondern um das wir die Schmach der Erde ertrugen? Wehe dem Enkel, der seinen Ahnen entsaget, wehe dem Sohne, der seines Vaters entschlafenes Haupt schändet! Aber mehr noch. Weil, .meine Br., mit der Religion des Einigen wir unsrer Bestimmung entsagten. Es ist Israels, es ist jedes Einzelnen in Israel Bestimmung, die Lehre vom einigen Gotte zu verkünden, zu bezeugen, zu tragen, und sei es durch sein bloßes Dasein, durch sein Beharren in ihr, zu verkünden, zu bezeugen, zu tragen. Noch hat sie die ganze Menschheit nicht, und noch hat sie die Menschheit nicht ganz. Darum bestehet Israel, um sie für die späte Zukunft der ganzen Menschheit ganz zu erhalten. Dies ist unsre Aufgabe. Die Menschheit braucht uns, bedarf unser hierzu, sie kann unser nicht entratbeu. Ob sie dies anerkenne oder nicht, wenn wir es nur haben in unserm Bewußtsein, es vollführen. Darum: jeder Israelit, der seiner Religion entsaget, verläßt die Bestimmung, die Gott selbst ihm auferlegt hat, wirft den Zweck von sich, den ihm Gott selbst gesetzt hat, er ist ein Flüchtling, nicht von uns, sondern von Gott, ein Abtrünniger, nicht gen uns, sondern gen Gott! Wehe dem Wächter, der seinen Posten verläßt, sei es im freundlichen Sonnenlicht des Glückes, sei es wenn die Dunkelheit der Nacht, die Finsterniß des Druckes und der Entbehrung beranfsteigt. Aber mehr noch. Weil, m. Br., wer die Religion des Einigen verläßt, die Religion der Wahrheit verläßt. Was Echtreligiöses ist unwahr in unsrer Religion? Was ist religiöses Wahres, das nicht in unsrer Religion wäre? Wie Viele, die außerhalb unsrer Religion sind, haben dies schon erkannt! Also die Wahrheit verleugnet, welcher Israelit Israel verleugnet, dem wahren Gotte leugnet ab, welcher Israelit dem Gotte Jsrael's ableugner! Wehe dir, Staubgeborner, der Solches waget, der Solches vollziehet, deinem ewigen Heile leugnest du ab; webe dir, du erhebest die Hand gen Himmel, und sagest, von dem Gotte, der die Himmel gewölbcr wie einen Teppich, sag' ich mich ab! Dies ist es, m. Br., was uns verpflichtet, was uns bindet, was uns mit Ketten des Geistes, der Wahrheit und Gottes kettet an Israel. Jakob blieb, Jakob bleibt, Jakob wird bleiben im Lande des Aufenthalts seiner Väter, d. i. in der Religion des Einigen, des geoffenbarten Gottes, Schöpfers des Himmels und der Erde, Vaters der Liebe und der Wahrheit. II. Wenn wir aber, gel. Brüder, hierdurch auf's Höchste verpflichtet sind, so fragen wir uns noch: wodurch werden wir veranlaßt, im Lande unsrer Väter zu bleiben, in der Religion des Einigen treu zu verharren, und