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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-09 · Heft 50 (9.12.1844) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 50 (9.12.1844)
Date
1844-12-09
Page
Seite 729 (sequence 13)
Language
German
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7m in die Magdeburger Synagoge eingeführt, obschon er sie immer frei halt, und sie daher nicht ausschreibt. Aber etwas ausführlicher und nachdrücklicher -müssen sie fein — weil sonst der Eindruck zu schnell verwischt ist; wir sprechen nicht zu einer Versammlung von Denkern. S. 55 wird das diesen Betrachtungen angeschlossene Gebet an, der Stelle von ■)]**© tnp->, und na^iön mitgetheilt. So einverstanden wir mit der Abfassungsweise dieses Gebetes sind, fragen wir doch; wozu ein stetiges Gebet? warum nicht auch hier Wechsel des Ausdrucks, aus der vorangegangenm Betrachtung gezogen? haben wir nicht genug Einerlei im Gottesdienste, daß wir noch deutsche stetige Formen hinzugeben sollen? Wir verschmelzen die Betrachtung und das Gebet zu einem, stets verschiedenen Ganzen. — B. „Gebete für alle Festtage des Jahres." Auch diese Gebete sind zweckmäßig, einfach, gemüthlich, in den Zweck des Festes eingehend. Doch auch hier machen wir den Grundsatz der Abwechselung in allen deutschen Theilen der Liturgie geltend. 6. „Anhänge zu den voranstehenden Gebeten, betreffend Vorfälle in der Gemeinde," Aufgebot, , Wöchnerin, Todesfälle rc. — Zweite Abtheilung. Psalmen. An die Stelle von öibb liest der Verf. jeden Sabbath einen Psalm vor. Er hielt es aber für nothwendig, dieselben dem Zwecke gemäß zu bearbeiten. Hören wir den Verf. hierüber selbst: „Ich habe diese Psalmen überall, wo es nur anging, wörtlich, an weniger geeigneten Stellen frei übertragen; sehr oft aber genügte auch das nicht, und ich mußte es wagen, einzelne Stellen rein zu überarbeiten. Wer die Psalmen und aber auch die abweichende Anschauungsweise kennt, welche neuerer Zeit theils schon herrscht, theils herrschend werden muß, wird den Pfad, den ich hier betrat, eben so unausweichlich als schlüpfrig finden, und aus beiden Gründen gegen diese Bearbeitung Nachsicht üben. Bei den vielfachen Abweichungen, deren aber keine einzige ich mir erlaubte, ohne dazu gedrängt zu sein, ging ich davon aus, daß behufs des beabsichtigten Gebrauches zu entfernen sei der häufige Wechsel der Personen und des Numerus; dann Alles, was auf palästinische Verhältnisse sich bezieht, die gegenwärtig kein Interesse mehr haben, z. B. Opfer, Tempelmusik, der jüdische König; ferner jedes Pochen auf eigenen Werth, Flüche, Alles, was Grausamkeit und Rache athmet; nicht minder, daß alle Ausdrücke, welche dem jetzigen ästhetischen Gefühl widerstreben, gemildert werden und erforderlichen Falls wegbleiden müßten; ebenso alle diejenigen messianischen Ideen, welche iü einer .geläuterten Ueberzeugung keinen Boden wehr haben; auch daß alles völlig Tautokogffche, alles von dem einfachen Gedankengange zu sehr Abschweifende äuszuschei- > den, und was allzu gedehnt ist, zusammenzuzi'ehen sek.! Vieles in den Psalmen scheint die Erfahrung gegen sich "zu haben, bloß weil es zu allgemein ausgedrückt ist; ich suchte diesem Uebelstande dadurch zu begegnen, daß ich in solchen Fällen die einschränkenden Wöctcherr „aft", - „zuletzt" und ähnliche einschob. Dem tiefem Sinn mancher Stelle zu Liebe glaubte ich zuweilen ein einzelnes prägnantes Wort durch ein ganzes Sätzchen wiedergeben, auch wol eine kleine Inversion vornehmen zu dürfen. Letzteres that ich auch mitunter, um den Psalm nicht mit harten Worten schließen zu lassen. Noch ging ich davon aus, daß die Psalmen fast immer ein allgemeines Interesse vertreten, und wo dies Nicht der Fall sein sollte, doch zum Synagogengebrauche nur dann tauglich sind, wenn der Zuhörer an dem Privatinteresse des Dichters irgendwie betheiligt werden kann. Aus diesem Grunde setzte ich für die erste Person Singularis bald „wir", bald „du" oder „man" auch wol das geeignete Appellativum, z. B. der Fromme, der Leidende u. s. w. Endlich ließ ich fast sämmtliche Ueberschriften als unerquickliches Außenwerk weg, auch sind sie ja ohnehin nicht kritisch gesichert." Es kommt hier freilich die Frage herein: wie doch fast alle Theile der Bibel sich auf individuelle und lokale Verhältnisse beziehen, und ob daher nicht, sobald etwas aus der Bibel als solches verlesen werden soll, beim Zuhörer vorausgesetzt werden müsse, daß er vom Individuellen absehen und das Allgemeine sich herausziehen müsse, weit sonst der Willkühr, mit der Bibel zu schalten nach eigenem Bedünken, zu sehr Thor und Thüre geöffnet werde. Von den Grundsätzen des Verf. aus ist diese Überarbeitung einsichtsvoll vollzogen: aber wie oft ist die Auslegung an den einzelnen Stellen witlkührlich, und Schwierigkeiten durch hineingelegte Bedeutung umgangen! Wir müssen offen gestehen, daß uns dies nicht zusagt. Wir sehen so auch an diesem Werke, wie schwierig die Frage unsrer Liturgie ist, wie hier Alles noch im ersten Stadium steht, und wie voreilig es daher ist, ehe die Vorfragen gelöst sind, schon an eine Arbeit „aus Einem Güsse" zu denken, wie der Verf. in der Vorrede über eine neue Liturgie durch die Rabb.-Vers. meint.

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