Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1844)
- Date
- 1844-12-09
- Page
- Seite 726 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Basis. von Humanitätswissenschaften mit gieriger Lust gleichsam verschluckt werden, sie nur »erweichsichen und einem ewigen Vrrderbniß Preis geben. Durch ein kräftiges, Äuffassen der Nationalsprache kann diesem Uebel gesteuert werden. Dann ist es an der Regierung, den Israeliten Krakau's Menschenrecht zu erth eilen, einem Jeden, nach der Art des preußischen Landes die Pflicht aufzuerlegen, seine Kinder in die Nationalschule schicken zu müssen; Gewerbschulen zu stiften, wo die jüdische Jugend, der entweder Studienfähigkeiten abgehen, oder deren Eltern unbemittelt sind, sich zu einem tüchtigen, arbeitenden Menschenschläge heranbilden, worin die jetzigen Priester des Müßigganges zu nützlichen Bürgern erzogen werden sollten; dem Verdienste seine Kronen zeigen und eine freie Bahn zu eröffnen jedem verborgenen Talente; — dies würden wir Reform im Geiste der Menschenliebe und der zivilisirten Gesittung nennen. Ihr würdet mit der Zeit die Früchte Eurer guten Thaten sehen und aus dem verfallenen Schutte werdet Ihr noch einen festen und schönen Bau erblicken, denn der Saame, auf geistigen Boden ausgestreuet, würde in schöner Blüthe der Erbenscholle entkeimen zur Lust der Welt — und im niedergedrückten Juden würdet Ihr auf einmal einen würdigen Staatsbürger finden, der sich nun heimisch fühlen wird auf heimischem Boden, so wie wir sie in den vollkommen zivilisirten Staaten sehen. An Euch, Israeliten Krakaus! zum Schluffe noch ein ernstes Wort. Genug des Zauderns, das Euch Eure letzten Kräfte aufgezehrt; genug des Rückhalts das Euch zu des Abgrundes Rand geführt; genug -es verflachenden Spottes über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens, des sinnlosen Perhöhnens, die Euch nie Zeit gewinnen lassen über das Schauderhafte Eurer Lage nachzusinnen. Es ist Zeit zum Handeln da, zum kräftigen Handeln; schüret nur den Funken an, der in Eurem Busen verborgen liegt, das Gefühl der Nützlichkeit der allgemeinen Menschheit, das in Eurem Herzen schlummert. Erhebet Euch von dem Staube, in den man Euch gedrückt, mit Würde erhebet Euch und zeigt Eure innere Kraft. — Vergesset der Vergangenheit, beherziget, o beherziget! die traurige Gegenwart und leget rüstig die Hand an die Verbesserung Eures Schicksals. — Vier Jahre sind bereits verflossen, seitdem wir in diesem Tone, unsere kräftige Ermahnungen, unsere herzliche Warnungen an Euch erließen, und seit der Zeit — was ist von Euch zur Verbesserung geschehen? — Habt Ihr in der Erziehung Eurer Kinder auch nur einen Zug verändert? Habt Ihr den schützenden Monarchien ein besseres Verständniß über Eure Zustände gegeben? — Nichts von all' diesem ist geschehen, aber noch ist Zeit. Setzet ein Konnte an Eure Spitze, einsichtsvoll, thätig wirkend und entschlossen handelnd. Verzweifelt an, der guten Sache nicht, wenn ein Jeder sein Schärflein dazu beitragen will — und Gottes Beistand wird auf Eurer Seite sein! — Oesterreich. Preßburg, 14. November. (Privatmittb.) Gestern wurde der Landtag aufgelöst. Für die Juden ist gar nichts geschehen. Die Gesetzvorschläge „über die bürgerlichen Rechte der Juden" und „über die Naturalisation einwandernder Juden" wurden erst letzten Freitag an Se. Majestät den König expedirt. Es kam jedoch keine Antwort. Es wäre ein Unrecht, in diesem Augenblicke in eine Klage über das Scheitern der Emanzipationsfrage auszubrechcn, da mit ihr noch hundert Zeit- und Lebensfragen Schiffbruch erlitten. Preußen. Magdeburg, 20. November. Die D. A. Z. meldet von Königsberg, daß «in jüdischer Arzt sich mit einem vornehmen, gebildeten christlichen Mädchen verlobt habe, und die Erlaubniß zu einer Mischehe nachsuche, vom Konsistorium bereits abschläglich beschieden sei, sich aber nach Berlin gewandt habe. So weit unsre Erfahrung geht, wird der Arzt seine Wünsche nicht erfüllt sehen. Wir haben dergleichen mehre Fälle vorliegen gehabt, und vor Kurzem erst kam hier ein Ehepaar durch, das zur Auswanderung seine Zuflucht nehmen mußte. Deutschlaud. Heidelberg, 27. November. (Privatmitth.) Bor vier Jahren brachte Ihr Blatt die Notiz, daß der hier mit gutem Erfolg dozirende 0r. zur. A. Friedländer für Lösung der juristischen Preisfrage