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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-09 · Heft 50 (9.12.1844) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 50 (9.12.1844)
Date
1844-12-09
Page
Seite 722 (sequence 6)
Language
German
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7 22 zählt zu wissen. Dies alles findet auch bei dem jüdischen Jüngling Polens, nur in konfuser Gestaltung, statt. Anstalt der Hoffnungen aber hat er noch eine trübere Aussicht vor sich, statt dem Ruhme siehet er auf Verachtung, die seine älteren Brüder trifft und die auch seinerwartet — nur den Haß seiner Unterdrücker fühlt er; und sein ganzer Seelendrang ist diesen durch Opfer zu versöhnen, um sich als Glied einer mächtigern Kette zu wissen als die einer Sklavenkette. — So sucht der von hundert Zweifeln gefolterte jüdische Jüngling sich wenigstens dem Christen im Aeußern gleich zu stellen. Es sind daher mehrere junge Leute bei der Nachricht einer Reform zusammengetreten und haben eine Petition dem Senate cingereicht, worin sie versprachen sich zu „zivilisiren" d. h. eine deutsche Eracht anzulegen, falls man ihnen bürgerliche Rechte einräumen würde. Dem Senate konnte, bei aller seiner Verstocktheit, eine solche Versicherung nichts weniger als gefallen, obwol damit so viel wie Nichts gerhan sei. Ader eine fernere Enlscheitung der Behörde kam in Stocken. Bereits ist es das dritte Jahr, daß Friede zwischen dem Rabbinen und seinem Gegner eingetreten ist, veranlaßt durch eine Verschwägerung des Verwandten Landaus mit Meisels. Ein allgemeiner Jubel war zu der Zeit in den Judenstraßen Krakaus zu bemerken, ein Sonnenstrahl in der ewigen Nacht. Der Radbine gab ein solennes Festmahl fast für die ganze Gemeinde und freudig schaute Jeder aus die beiden Gegner, wie sie in traulichem Gespräche nebeneinander saßen und sich über Gemeindeverhältnisse mit Eifer besprachen. Man glaubte einer ewigen Ruhe gesichert zu sein und groß waren die Erwartungen, die sich an diese Versöhnung knüpften. Die Erbitterung der Parteien ließ nach, da man dem frommen Landau, ohne dessen Zustimmung in der Gemeinde nichts vorgenommen werden konnte, die nächste Stelle nach dem Rabbinen eingeräumt hatte. Aber so wie der Friede eigentlich nur wie erzwungen war und nur durch Vermittelung eines fremden Rabbi zu Stande kam, so war leicht vorauszusehen, daß derselbe von keiner langen Dauer sein kann. Der Ehrgeiz von beiden Seiten erwachte auf's Neue: dem Rabbinen genirte eine Abhängigkeit, dem sein Stolz nicht gewachsen war und Landau konnte schon mit mehr Recht nicht ruhig mit ansehen, wie der Rabbine nach und nach sich erlaubte den mit ihm geschlossenen Vertrag zu verletzen. Bald war wieder die alte, unselige Schächterfrage an der Tagesordnung, die Reibungen darüber wurden täglich erbitterter, auf dem Markte vernahm man Publikationen von beiden Seiten, bald daß das Fleisch des von Landau anullirten Schächters „koscher" bald daß es „trefah" sei und die Klagen der Parteien drangen sogar bis zu der Behörde. Jndeß nahmen ganz andere Dinge die Thätigkcit des Rabbinen in Anspruch und ein Gespräch interessantern Inhalts ward in den Gesellschaften Krakaus auf's Tapet gebracht. Der luxuriöse Pomp, den der Rabbine in orientalischem Geschmacke zur Schau stellte, die fast fürstliche Haushaltung, die beispiellos zwischen Krakaus Juden da stand und sogar den hämischen Neid der Christen aus sich zog, seine großartige Entreprisen, seine weit umfassenden Geschäfte,! das öffentliche Erscheinen seiner Frau in ihrem rei-! chen Juwelenschmuck — dies alles ließ enorme! Reichthümer muthmaßen und wenn der Regierung sein geckenhaftes Benehmen nur lächerlich Vorkommen konnte, so flößte doch sein Glanz eine gewisse Art von Respekt ein, die natürlicherweise den Juden j nicht geschadet. Aber im Grunde war es mit seinen attalischen Schätzen nicht so beschaffen und sein plötzlicher Sturz war für Jeden ein höchst überraschendes Ereigniß. Der Nimbus, der ihn in seinem Wohlstände umgab, schwand allmälig und die Unzahl von Bekümmernissen, die ihn drücken, erlauben ihm kaum an seine Gemeinde zu denken. Redendem verläßt ihn die eiserne Beharrlichkeit in der Behauptung seiner ehrsüchtigen Pläne auch in seinem Unglücke nicht: um so erbitterter trat er auf, jedem Wunsche Landaus etwas entgegenzusetzen. Anstalt bei so einer wichtigen Krise ohne Leidenschaft -zu berathen, auf Rettung ernstlich zu denken und Heilsames zu beschließen, warb Landau, aus Argwohn daß bei der ganzen Sache nicht die Hand des Rabbinen im Spiele sei, auf der Eile Jung und Alt zu einer Bittschrift im entgegengesetzten Sinne und die Behörde wurde durch ein Ersuch voll des Unsinnes von einigen Hundert Unterschriften in Verlegenheit gesetzt. Da beschloß der Senat, von dem Widerspruche und der Zersallenheit der Judengemeinde durch solches Verfahren hinreichend überwiesen, auf eigner Bahn und nach eigner Einsicht zu handeln. Noch vor dem Publizircn des Gesetzes ließ die

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