Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1844)
- Date
- 1844-12-09
- Page
- Seite 721 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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721 zeigten Ehre, und gab eine Darstellung der Gesetze Moses, des großen jüdischen Gesetzgebers, welche sich durch ihren vorzüglich republikanischen und populären Charakter auszeichneten (»8 being preemineutly republican and populär in tbeir character). Er schloß mit folgendem Gedanken: Der Gründer des jüdischen Staates vereinigte mit einem Verstände der höchsten Art und einer über seine Zeit erhabenen Weisheit ein vorsichtiges, durchdringendes und tiefes Urtheil, große Energie und Pünktlichkeit in Handeln, einen feurigen und unauslöschlichen Patriotismus, eine unbestechliche Tugend, eine Verachtung der Mühseligkeiten und Gefahren. Er war frei von persönlichem Ehrgeiz und von einer Seelengröße, in welcher Keiner der bcwundertsten Helden der alten und neuen Zeit ihn übertroffen hat. Am meisten näherte sich diesem ausgezeichneten jüdischen Vorbilde unser geehrter und unsterblicher Washington. Dieser Gedanke wurde mit großem Beifall ausgenommen. Der Präsident brachte einen Toast aus auf die Richter und die Gesundheit des George Sulioan, Esq., welcher zugegen war. Mr. Sulioan erwiderte mit einer Lobrede auf das jüdische Volk. Er betrachtete ihre Stellung in diesem freien Lande als einen nahen Schritt (stepping stone) zu ihrer in den Propheten verheißenen, gänzlichen Wiederherstellung. Mr. Otis antwortete auf einen Toast zu Ehren des Präs, und seiner Berichterstatter, und machte auf die Thalsache aufmerksam, daß von der Zeit Davids „des lieblichen Sängers von Israel" bis auf den heutigen Tag Musik ein Erbtheil der Juden gewesen zu sein scheine, und zum Beweise las er eine Stelle aus dem letzten Werke d'Jsraeli's vor.— Der Abend verging auf eine sehr angenehme Art.— Dr. Werner. Krakau. flvafau, im Oktober. (Privatmitth. Schluß.) Lange vorher war sowol der Senat als auch die Universität mit einer Ausarbeitung eines Reformplanes für die Juden beschäftigt. Diese Erlebnisse gaben vielleicht demselben eine andere Richtung, als er vielleicht im Sinne der Berathenden angelegt war. Der nur einigermaßen mit der heutigen Art der Gesetzgebung im krakauer Freistaate bekannt ist, wird leicht vorausgesehen haben, daß bei so einer wichtigen Vorkehrung der Einfluß der drei Residenten kein geringer sein werde. Wiewol der vor kurzer Zeit hier eingesetzte preußische Gesandte, Herr Engclhart, früher einen Generalsekretarposten bei dem preußischen Bevollmächtigten in Stockholm bekleidend — ein Mann von humaner Gesinnung, edler Denkungsart und rechtlichen Begriffen, wie sich nur von einem Vertreter preußischer Prinzipien erwarten läßt — gegen den Gesetzentwurf prolestirte: so verhallte doch seine Stimme vor dem Qualm judengehäffiger Beweisführung — wie gewöhnlich das gerechte Wort von der Mehrheit des Unbills überschrieen wird. Das Pharaonengesetz weckte von Neuem sein grimmiges Haupt und Bestürzung erfüllte Krakaus Ghetto. Das Erste, womit die Juden in Krakau immer bedrohet werden, ist der Einhalt der Population. Es ist auch etwas Schreckliches um das Heirathverbvt! Rousseau sagt irgendwo, daß das beste Kennzeichen von dem Aufschwünge oder Verfall eines Reiches die Zu - oder Abnahme der Bevölkerung abgeben kann. Diese Bemerkung finden wir bestätigt sowol bei den alten als neuen Völkern. Es ist hier der Ort nicht naher in die Beleuchtung dieser Frage einzugehen, eben so wenig wollen wir das Ungerechte eines Gesetzes erst auseinande, setzen, das dem menschlichen Naturtriebe widernatürliche Gränzen zu setzen sich bestrebt — denn schon der Buchstabe des Gesetzes drückt seine Schmahlichkeit zur Genüge aus; aber unsinnig müssen wir eine Maßtegel nennen in einem Staate wie Krakau, der seit der Zeit seines Flores bis zur Halste der Population zusammcngeschmolzen ist und jetzt nicht einen kärglichen Unterhalt für eine geringe Menschenzahl zu bieten im Stande sei, während in dieser volkreichen Stadt früher Alles in Ueberfluß schwelgte! — Noch vor der Bekanntmachung des Gesetzes, wurden die Israeliten auf Nebenwegen von der Absicht der neuen Einführung halb in Kenntniß gesetzt und bei der Jugend tauchten verworrene Gedanken über ihre Zukunft auf, welche zu klaren Ansichten zu bringen sie wenig Lust und Fähigkeit in sich verspürte. Tausend Hoffnungen und Entwürfe bewegen immer in tobendem Ungestüm des Jünglings Brust, Ruhm ist das Ideal, das ihm in seinen Träumen vorschwebt, Gesellschaft ist es, wozu ihn sein innerer Hang antreibt und der mächtigste Drang seiner Seele ist, sich einer Nation anzuschließen, wenigstens sich ihr beige-