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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-02 · Heft 49 (2.12.1844) · p. Seite 709

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 49 (2.12.1844)
Date
1844-12-02
Page
Seite 709 (sequence 9)
Language
German
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die letzte Kraft genommen wird. Mit immer steigender Wehmuth sahen wir dem Elende in „seines Grimmes Geißel" mit an und dachten noch auf Abhülfe. Zuvörderst schlugen wir vor, eine jüdische Bank zu bilden, zu deren Gründung ein Jeder sein Geschmeide sammt unnützen silbernen Geräthschaften hergeben sollte, deren Werth, wie wir es ungefähr mit einigen Gutgesinnten berechneten, sich auf mehr als 200,000 Silberrubel belaufen könnte; daß ein Viertel der Summe zu einer Industrie — für gewerblustige Knaben und eine Hochschule für Jünglinge in der höhern Theologie angewendet werden sollte, von dem Uebrigen soll eine Leihbank errichtet werden, von der jeder solide Kaufmann, nach Maaßstab seines Vermögens und seines in die Bank gelegten Werthes, eine gewisse Summe unter sehr geringen Zinsen ziehen könnte. Diese Leihbank sollte unter eine Direktion von zwei renomirten Häusern in Krakau stehen die diesem wohlthätigen Institute in kurzer Zeit auch Kredit und Ansehen verschaffen würden. Diese Vorschläge, wie abhelfend sie auch für die schlimme Lage der krakauer Juden werden konnten, fanden nur wenig Anklang selbst bei der erleuchteten Klasse. Doch 'wir verzweifelten nicht so bald an der guten Sache, ließen uns nicht abschrecken und schritten zur Aufnahme von Unterschriften. Aber bald war es wieder die trostloseste Resignation, bald die weibische Schwäche von Männern, deren Geist genug erhellt ist, um das Gute und Heilsame solcher Anstalten erfassen zu können, aber deren Kleinmuth ihnen die Kraft nicht gewährt, dem unsinnigen Gewäsche der Hausfrau männliche Thatkraft entgegen zu setzen, an die unsere Proposilionen anstoßen mußten. Da nämlich der Perlen- und Diamantenschmuck der polnischen Juden mehr als ausschließliches Eigenthum der Frau betrachtet wird, so spielt der Ehemann, wenn es sich um den Schmuck handelt, nie eine Hauptrolle dabei, sondern muß sich dem launischen Willen der Hausfrau fügen. Aber bei den Krakauern, die sich auf Bildung und Aufklärung etwas zu Gut thun, muß man es mehr als für Schwäche nehmen, wenn sitzsich, von den Einflüsterungen der Frauen, die sich nur aus gemeiner Absicht ihren alleinigen Besitz sichern wollten, überredet, die Hand von der guten Sache nachlässig fallen ließen. Auch der adelsstolze Hochmuth, der als Zerrbild eines begüterten Aristokratismus vor uns dasteht und unwillkührlich an die Paläste Venedigs erinnert, worin nur Lazaroni Hausen, die Juden Krakaus in so hohem Grade beherrschend, hat nicht wenig dazu beigetragen, diesen wohlthuenden Plan beim Beginn scheitern zu lassen. „Womit" wurde unsere Vorstellungen von einer Frau höhern Ranges erwidert, „womit werde ich sonst auf einer Hochzeit oder sonstiger Feierlichkeit als „Stückel Negidiste" letwas fürstlich aussehend) erkannt werden, wenn ich „Sternbündel und das ganze Bissel Zierung" weggebe?" — Das gute Werk wurde im Beginn zerstört und das Uebel griff täglich mehr um sich: der Mißkredit stieg auf's Höchste und der Sturz der mittellosen Kaufleute, die sich nur durch das Vertrauen Anderer erhalten konnten, war unumgänglich; zwischen einfachen Fallissementen liefen auch muthwillige Betrügereien, Wechselverfälschungen u. dgl. mit unter und im täglichen Tribunalberichte waren überall die Namen jüdischer Fallite zu lesen. Manche wanderten aus in die weite Ferne und bitter» Groll im Busen tragend, verließen sie einen Boden, wo ihre Wiege gestanden und die Asche ihrer Väter ruhte, kein stärkeres Weh konnte ihren Entschluß wankend machen, eine Heimath zu verlassen, wo, als Fremde betrachtet, auch eine wirkliche Liebe gegen dieselbe im Herzen nie genährt, worin nur trübe Erinnerungen einer blühenden Vergangenheit ihre Ruhe stören mußte. Gesellschaften, die noch irgend einen Reiz im herben Leben hervorzubringen vermochten, lösten sich allgemach auf — Jeder verfolgte einsam seinen schauervollen Weg: der Sturz des Einen erfüllte das Herz des Andern mit Grauen vor seinem eigenen Schicksal, das ihm bcvorstand; düstere Schatten lagerten sich auf jedes Antlitz eines auch Unbetheiliglen an diesem ansteckenden Uebel; Mißtrauen, Ungunst herrschten überall — und selbst die Luft schien drückend zu sein in dem Judenviertel Krakaus. — Während solches zwischen den Juden vorging, was that die gesetzgebende Behörde? — UeberHaupt, was für Miene mochten die Bürger dazu machen? — ' Doch beide müssen wir kennen lernen, ehe wir den Eindruck zu berechnen wissen, den solche Ereignisse auf dieselben machen mußten.! j Die Bürger — unter denen, seitdem man die! Polen von den Staatsgeschästenimmer mehr zu ver-! drängen sucht, die reicheren Kaufleute deutscher Her- 49 *

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