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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-02 · Heft 49 (2.12.1844) · p. Seite 708

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 49 (2.12.1844)
Date
1844-12-02
Page
Seite 708 (sequence 8)
Language
German
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708 Zurückgestvßenheit liegt ihr Ruin. Was steht noch von einem Menschen zu erwarten, den man immer daran erinnert, daß er am Boden zu kleben einmal verdammt ist und höher hinauf sich nicht wagen darf? — Jedoch noch konnten sich die hiesigen Juden materiell aufrecht erhalten, so'lange noch eine Macht bei ihnen war, die sie bald als Mittel zur Selbsterhaltung , bald als Stachel der Rache den Bedrückungen der Christen entgegensetzen konnten; solange noch eine Gegenbalan^e, so lange noch die aristokratische Macht der Neuzeit, — die Geldmacht und mit ihr die Wuchergewalt in ihren Händen war, konnten die inhumanen Absurditäten so weit nicht ausarten: denn wenn man auch die Juden dieser ihrer Macht wegen geradeaus nicht gefürchtet, so hielt doch die Besorguiß vor einer noch starkem Erpressung di« Hand der gesetzgebenden Behörde, in der zu seinem Leidwesen manches Mitglied mit Juden in Geschäften verwickelt war, von vielen Beschränkungen zurück. Der Rcichthum der Juden wurde durch manche Entfaltung des Luxus noch überschätzt und diese, ihrer Waffe sich bewußt, konnten auch hie und da mancher Gcsctzverordnung stillschweigenden Trotz bieten. Aber die Verhältnisse haben sich geändert. Durch enorme Vermehrung der jüdischen Population haben sich viele private Reichthümer theils ganz aufrcibrn, theils zersplittern müssen; Krakau hat seit der letzten polnischen Revolution sowol durch Auswanderung an reichen Gutsbesitzern, die durch ihren steten Aufenthalt in der zweiten Hauptstadt Polens zu dem luxuriösen Hofstaate, dem jeder nur einigermaßen begüterte Pole bis zum gänzlichen Sturze seines Landes ergeben war, große Summen bei den Juden ausheben mußten, als auch durch die Grenzsperre an Schmuggelhandel, der, wie an jeder Grenzstadt, als Basis zu dem en-gras-Verschleiß in Krakau war, verloren und die Juden anderer soliden Nahrungszweige theils ganz beraubt, theils unter sehr erschwerten Umständen zugelassen, mußten, durch immerwährende Erschöpfung ihrer Kapitalien entweder, wenn das Renommö des jüdischen Kaufmanns noch gut war, zu christlichen Rentiers ihre Zuflucht nehmen — und da hatte er noch von Glück zu sprechen — oder, wenn dies der Fall nicht war, so wurde er genöthigt sich seinem eignen Bruder in die Arme zu werfen und so war cs um seine Existenz geschehen; denn meistens hat er erfahren müssen in was für Klauen er gerathen war ohne sich wieder denselben loswinden zu können — und mit der Zeit war er ohne Rettung verloren. In Krakau nämlich ist der erste Gedanke, worauf die jüdischen Eltern fallen, um ihren Kindern nach ihren Etablissements eine Existenz zu verschaffen: von Prozenten leben. Wie hoch der Prozentfuß hier angeschlagen wird, läßt sich bei dem drückenden Geldmangel leicht errathen. Der junge Mann sitzt zu Hause gcmächlieb an des Schwiegervaters Tafel, nebenbei heißt es auch, daß der „junge Mann lernt" worunter natürlich nur talmudische Studien verstanden werden. So zehrt er auf fremde Kosten, bis er von der „Kost" entfernt wird, wonach er in seinem Gewerbe mir noch größerem Nachdrucke, da es sein Haushalt so dringend erheischt, fortfährt. So hat sich ein Schwarnr von Wucherern gebildet, die an dem Mark des Kaufmanns mit solcher Erbarmungslosigkeit nagen, daß derselbe früher oder später zu Grunde gehen muß. Ist der Mensch einmal von der Bahn der Solidität und Gewissenhaftigkeit abgewichen, so fällt es ihm dann schon schwer, nachdem er auf Nebenwegen herumgeschweift, zu der rechten Heerstraße zurückzukehren. Auf geringen Fonds sah man große jüdische Lager sich bilden; ohne Ordnung in der Einrichtung, ohne Pünktlichkeit im Buchführcn mußte der Knäul immer mehr sich verwirren, der Kaufmann strebte nur durch den Andrang der Deckungen sich durchzuwinden, aber nur für den Augenblick war ihm abgeholfen und irgend eine Stockung der Geschäfte mußte nothwendigerweise eine so furchtbare Krisis, wie sie am Beginn dieses Jahres bei den jüdischen Kaufleuten in Krakau stattfand, nach sich ziehen. Fallimente häuften sich auf Fallimente und christliche Kaufleute bei den zum Konkurs erklärten Massen zu Kuratoren ernannt, sahen den Nebel vor ihren Augen sich zerstreuen, indem sie einen tiefen Blick in die finanziellen Verhältnisse der Juden geworfen. Schrecklich waren die Auftritte, die sich bei diesen Gelegenheiten durch eine Dauer von einigen Monaten erneuerten. Unter diesen gab es Tage, von denen jeder mehrere jüdische Handlungen von der Behörde in Beschlag nehmen sah; widerrechtlich wurden die Maaren der Falliten von den inländischen Gläubigern in der Christenstadt öffentlich versteigert — und die hämischen Bürger feierten ihren Triumph über gedemüthigte Menschen, denen eben

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