Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1844)
- Date
- 1844-12-02
- Page
- Seite 707 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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707 angehören können. Nachdem der Berf. des Artikels auf's kräftigste alle möglichen Gründe jener Beschränkung zurückgewiesen hat, spricht er die Hoffnung aus, daß die städtischen Gewalten diesen Paragraphen streichen werden, und .fordert die Juden zu kräftigem Widerstande auf. Er sagt: „Sollten unsre Worte spurlos verhallen, dann ergeht an die Juden die Mahnung, ihre gekränkten Rechte zu wahren und alle gesetzlichen Mittel aufzubieten, die Aufhebung der fraglichen Beschränkung herbeizuführen, und mit je mehr Würde und Eifer sie die dazu führenden Wege verfolgen, desto mehr werden sie zeigen, daß sie reif sind, von den Fesseln einer finstern Vergangenheit befreit zu werden. Denn wer sein Recht nicht erwirkt', der muß mit dem vorlieb nehmen, was die Gnade ihm erstattet." fHierfür machen auch wir unsrerseits unsre Brüder inKrotoschin verantwortlich. Uebrigens kann dies ihnen nicht einmal schwer werden. Kennt das Gesetz im Allgemeinen in Bezug auf die Stadtverordneten gar keinen religiösen Unterschied, so erging doch an das Oberpräsidium der Provinz Posen am 17. Februar 1840 ein Ministerialreskript, welches eine Kabinetsordre angeschloffen hatte, in der die Zahl der Stadtverordneten jüdischen Glaubens für die Städte des Großherzogthums Posen auf das Maximum von einem Drittel oder Viertel beschränkt wurde (Minist. Bl. der inner» Verw. 1840 S. 79) — worauf gestützt Krotoschin den obigen Paragraphen sich nicht erlauben darf. Redakt. d. A. Z. d. I.) Berlin, 8. November. Die Aach. Zeit, meldet von hier aus: Der preußische Konsul Schulz hat traurige Nachrichten über das evangel. Bisthum in Jerusalem hierhergebracht, und dem Könige in mehren Audienzen in Sanssouci darüber persönlich Bericht erstattet. Krakau. Krakau, im Oktober. (Privatmitth.) Eine lange Zeit hat die Oeffentlichkeit über die Verhältnisse der hiesigen Juden geschwiegen; es wäre nun einmal an der Zeit, dieses Schweigen zu brechen, um der Welt wiederum ein der Natur der Sache entnommenes Bild von einer Menschenklasse zu entrollen, die, weit entfernt, seit der Zeit, wo wir die Aufmerksamkeit des Publikums, auf dieselbe zu ziehen wußten"), sich in ihrer Stellung besser zu fühlen, vielmehr, unserer Voraussage zufolge, sowol in ihrer äußeren als inneren Verhältnissen, solche merkliche Fortschritte zum Schlimmen gemacht, daß, um sich eine treue Vorstellung von der wahren Lage der Dinge machen zu können, wir genökhigt sind, geschichtlich alle Begebenheiten und Ergebnisse, wenn auch gering an Zahl und Umfang, zu verfolgen. Aber dieses lange Schweigen müssen wir mit einem tiefverhaltenen Seufzer brechen, gepaart mit einem bemitleidenden Bedauern über die Israeliten Krakaus, die die öffentlichen Blätter des Auslands nahe der Emanzipation wähnen. Ein bitteres Lächeln -mußte uns manche Anfrage der Ausländer, denen die betrübende Stellung der Juden Krakaus unbekannt ist und durch die hochtrabenden Worte von „Emanzipation" und „Gleichstellung" mit der wirklichen Sachlage geblendet wurden, abdringen. Um Viele zu enttäuschen, werden wir den Lesern dieser Blätter, die sich noch der früheren Nachrichten über die krakauer Juden erinnern können, vielleicht einen Dienst erweisen, wenn wir den Faden der Geschichte von Neuem ausnehmen. Wenn dem Menschen kein einziger Preis im Leben zu erringen offen steht, wenn ihm jede Bahn versperrt ist, auf der er irgend einem Ziele zueilen könne, so verfällt er in eine Abgestumpftheit, aus der ihn höchstens der tägliche Bedarf seines Leibes aufzurütteln im Stande ist. Der Sklave verrichtet die schwersten Arbeiten ohne Murren, erträgt die drückendesten Lasten des Lebens ohne an die freudigere Vergangenheit zu denken, ohne die traurige Gegenwart sich genug zum Herzen zu nehmen, und ohne an die Zukunft tröstlichere Hoffnungen zu knüpfen. In seiner resignirten Apathie ist er weder der Hoffnung noch des Trostes fähig, ohne Haß und ohne Liebe vegetirt sein Körper noch immer fort, indem sein geistiges Leben längst dahin ist. So ist es auch bei den Juden in Krakau der Fall. Schon in dieser Verdrängtheit, in dieser furchtbaren *) Jahrg. 1841 No. 4. 5. 6. 12. 15. Man vgl. übrigens in der „Wanderung durch Krakau ff." was ein Anderer über dort berichtet hat. Redakt.