Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1844)
- Date
- 1844-12-02
- Page
- Seite 705 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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705 bau- und Handwerkslehrlinge, verwendet werden dürfen. Es konnten aber nicht mehr als 66 fl. 48 Kr. angebracht werden. In dem Bericht des Verwaltungsausschusses wird es nun unentschieden gelassen, ob die geringe Zahl der zur Unterstützung sich Meldenden daher rühre, weil der Verein einem wahren Bedürfnisse nicht, oder daher weil er demselben nicht auf die rechte Weise entgegenkomme, ja es wird spater ziemlich sicher behauptet, daß die geringe Zahl der Meldungen mit der Schwierigkeit der Ansassigmachung in Zusammenhang stehe. So sehr der Ver-, ein für sein edles Streben alle mögliche Anerkennung verdient, so muß doch ein solcher Zweifel oder gar eine solche Behauptung, wodurch es scheinen könnte, daß die bairischen Israeliten sich nicht zur Erlernung von Handwerken wenden wollen, durchaus zurückgewiesen werden. Es giebt in Baiern ungeachtet der Schwierigkeit der Ansäffigmachung über 500 israelit. Handwerkslehrlinge, und unter diesen giebt es gewiß immer Mehrere, welche der Unterstützung bedürfen. Die Ursache, daß sich der Thätigkeit des Vereins kein entsprechendes Feld eröffnen will, kann also nicht in dem Mangel des Bedürfnisses oder in der Schwierigkeit der Ansäffigmachung, sondern nur darin liegen, daß er dem Bedürfnisse nicht auf die rechte Weise entgegen kommt; und ist diese Ursache offenbar in der Bedingung zu suchen, daß das Handwerk oder der Ackerbau in München oder dessen Umgebung erlernt werde. Es ist gewiß jedem Knaben oder Jüngling leichter, in seinem Heimathsorte oder in desien Umgebung auch ohne Unterstützung, als mit einer solchen von höchstens 60 fl. in München ein Handwerk zu erlernen. Möge es nun dem Vereine gefallen, jene Bedingung aufzuhcben, oder wenigstens zu modisizircn, so wird es ihm gewiß an Gelegenheit zu zweckmäßiger Wirksamkeit nicht fehlen. Ist ihm auch an entfernten Orten keine unmittelbare Aufsicht möglich, so wird er gewiß allenthalben Männer finden, denen er dieselben übertragen kann. Nur für den Ackerbau werden sich kaum Lehrlinge finden. Denn wer kein Vermögen hat, für den ist es zweckmäßiger ein Handwerk zu lernen, und wer Vermögen hat, der bedarf keiner Unterstützung. Der Rechnungsablage ist auch eine „Tabellarische Uebersicht des Betriebs der Handwerke und des Ackerbaues von den Israeliten in Baiern" beigegeben. Dieselbe ist aus eingeholten Berichten der Rabbiner und Gemeindevorsteher zusammengestellt, und verdient der Verein unfern vollkommensten Dank für dieses in schöner Weise ausgeführte, zweckmäßige Unternehmen. Es geht daraus hervor, daß sich in Baiern 4697 Individuen verschiedenen Handwerken und 1212 dem Feldbau gewidmet haben. Unter den Handwerkern sind 1838 Meister, 2308 Gesellen und 55! Lehrlinge. Das Verhältniß dieser Letzteren zu den Meistern und Gesellen ist eben nicht so gering als in dem Berichte angenommen wird, indem die Lehrzeit ja nur zwei bis drei Jahre währt. Uebrigens verdient es noch bemerkt zu werden, daß die Zusammenstellung keineswegs vollständig ist, was mir jedoch den thätigen Unternehmern durchaus nicht zur Last legen wollen, da bei solchen Unternehmungen, besonders das erste Mal, Mangelhaftigkeit nicht leicht zu vermeiden ist. Es fehlen in Unterfranken die Rabbinatsdistrikte Marktstift und Gcrbfcld, so wie die Gemeinde Reckendorf, zusammen etwa 4000 Israeliten enthaltend; in Oberfranken der Rabbinatsdistrikt Hagenbach; auch in der Pfalz scheinen Auslassungen stattgcfunden zu haben, wornach die Zahl der Handwerker und Ackerbauer in Baiern vielleicht noch um '/« größer angenommen werden darf. Wir zweifeln nicht daran, daß der Verwaltungsausschuß bei seiner nächsten Zusammenstellung diesen Mangel vermeiden wird. Preußen. Breslau, 12. November. (Privatmitth.) Ein Ministerialreskript ist im Verlaufe der vorigen Woche an die Herren Bankier Bamberg und Dr. med. Laband, als an die Vertreter der altgläubigen Partei, und abschriftlich auch an das Obervorstcherkollegium der hiesigen Gemeinde gekommen, und von den Ministern Eichhorn und v. Arnim unterzeichnet, bringt cs folgendes Resultat der Untersuchung der hiesigen Gemcindeverhältnisse. Geiger wird gegenwärtig als einziger Rabbine, und die Wahl des Tiktin als illegal anerkannt. Dem Vorsteherkollcgium der hiesigen Gemeinde wird daher der Auftrag, ihren Statuten gemäß, die in diesem Reskripte neuerdings bestätigt werden, eine Konkurrenz für die Wahl eines zweiten Rabbinen zu eröffnen, mit der Hinzufügung, daß es dem Ge-