Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-12-02 · Heft 49 (2.12.1844) · p. Seite 703

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 49 (2.12.1844)
Date
1844-12-02
Page
Seite 703 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225385--06496-3315316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

703 wie bekannt, vom Gemeindevorstand selbst ausgegangen. München, 8. November. (D. A. Z.) Dem soeben im Druck erschienenen Rechenschaftsberichte des Unterstützungsvereins für israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge im Königreiche Baiern, dann einer demselben beigefügten tabellarischen, aus den Rabbinatslistev gefertigten Uebersicht des Betriebs von Handwerken °und des Ackerbaues durch bairische Israeliten, entnehmen wir folgende allgemein interessante Notizen. Baiern zählt zusammen 61,000 Juden. Bon diesen haben sich 4813 Individuen verschiedenen Handwerken und 1216 dem Feldbau gewidmet. Erwägt man, daß, nach Abzug der etwa 30,000 Juden weiblichen Geschlechts, dann der nicht unzahlreichen Individuen, die sich den Wissenschaften und Künsten widmen, diese 6029 dem Schacher entzogenen und dem Ackerbau und den Gewerben zugesührten Juden vollauf den fünften Lheil der israelitischen Bevölkerung Baierns bilden, so. muß man zugeben, daß der Zweck des bekannten Edikts über die Verhältnisse der Juden in Baiern vom Jahr 1813 nicht unerreicht geblieben ist. Erwägt man aber ferner, daß ohne die für die ausgelernten und gewanderten Gesellen jüdischen Glaubens im Verlaufe der Zeit fast unbesiegbar gewordenen Schwierigkeiten für alle und jede Konzeffionirung und Ansässigmachung die Zahl der etablirten Handwerker eine um Vieles größere, vielleicht die dreifache sein würde, dann kann man kaum in Abrede stellen, daß von den Erlassern des fraglichen Edikts die Art und Weise, wie die Juden ihrer Emanzipation entgegenzusühren seien, vollkommen richtig erkannt worden sei. Die Ucbersetzung aller Gewerbe durch christliche Handwerker, die auch für alle christlichen Unterkhanen in den Städten und Dorfgemeinden des ganzen Königreichs, mit Ausnahme allein der Rheinpfalz, unendlich schwierigen Ansässigmachungsverhältniffe werden jedoch hier nicht außer Acht gelassen werden dürfen, denn durch sie sieht sich die Regierung auch bei dem besten Willen die Hände außerordenrlich gebunden. Aber wo dergleichen Verhältnisse nicht staltsinden, da dürften die bei uns gemachten Wahrnehmungen mit gutem Erfolge benutzt werden können, um Hunderte von auswandernden Juden, die daheim als Handwerker und Ackerbauer höchst achtenswerthe Staatsangehörige sein könnten, der Heimath zu erhalten. Auch folgende weitere Notizen dürsten nicht ohne alles Interesse sein. Die Israeliten betreiben auf dem stachen Land in den meisten Bezirken außer ihre» Gewerben oder Handelsgeschäften häufig nebenbei noch Feldbau, sind aber in diesem Fall in den betreffenden Tabellen nicht zu den Ackerbauern gezählt. In die verschiedenen Kreise vertheilt sich obige Gesammtzahl folgendermaßen: Handwerker: Oberbaiern: 45, Pfalz 384, Oberfranken 768, Mittelfranken 1095, Unterfranken und Aschaffenburg 1718, Oberpfalz und Regensburg 76, Schwaben und Neuburg 611; Bauern: Oberbaiern —, Pfalz 304, Oberfranken 116, Mittelfranken 238, Unterfranken und Aschaffenburg 382, Oberpfalz und Regensburg 12, Schwaben und Neuburg 160. Hierbei ist zu bemerken, daß im Regierungsbezirk Oberbaiern, außer in der Haupt- und Residenzstadt München und ihrer nächsten Umgebung, keine, und im Regierungsbezirke Niederbaiern gar keine, im Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg nur in wenigen Orten Juden wohnen. Es steht sonach in diesen wie in den übrigen Bezirken die Anzahl der Handwerker und Ackerbauer ziemlich in gleichem Verhältnisse zur Zahl der Israeliten in den resp. Bezirken. Leipzig, im November. (Privatmitth.) Ist es nicht schimpflich, daß eine Deutsche Allgemeine Zeitung (No. 317) einen Artikel aus der Aschaffenburger Winkelzeitung an der Spitze ihrer Nummer abdrucken läßr, worin es unter Anderm den Juden empfohlen wird, nach Judaa zu ziehen (— und die Deutschen nach dem Kaukasus?) — Ist es nicht schimpflich, daß, als dieselbe Zeitung sich von dem merkwürdigen Ereigniß berichten läßt, daß in Bamberg sich hat ein Jude taufen lassen, die meisten deutschen Zeitungen z. B. die Allgemeine Preußische Zeitung, sich beeilten, es ihr nachzuverrchten?-. Aus Unterfranken, 19. November. (Privatmitth.) Zum Beweise, daß es auch in Baiern nicht an Beamten fehlt, welche sich der Israeliten mit Wohlwollen annehmen, mache ich Ihnen heute von zwei nützlichen und nachahmungswürvigen Einrichtungen Mitlheilung, welche auf Veranlassung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.