Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1844)
- Date
- 1844-11-25
- Page
- Seite 698 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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698 und als ft* sich sei««s Jaworts versichert hatte, gab fi« «nr nichts, dir nichts an de« Kaiser eine Bittschrift ab. und bat um die Erlaubniß, den russischen Soldaten heirathen zu dürfen. Augenblicklich wurde die Bewilligung ausgefertigt; er mit seiner dort ihm angetrauken Frau zur Post hierher gesandt, und später ließ sich der Großfürst Michael Pawlowitsch, kaiserliche Hoheit, daS wunderliche Paar, das bis jetzt sehr glücklich lebt, besonders vorstellen. Also da unsere Mädchen so zum Ziele zu gelangen verstehen, so sind die Hochzeiten nichts seltenes, und ich ward zu einer solchen geladen. In der Kaserne war ein großer Saal hiezu angewiesen, der Abends sechs Uhr — da die Hochzeiten hier im ganzen Lande, wie bei den Russen, nur des Abends gefeiert werden — reich erleuchtet war. Ein Musikchor, bestehend größtentheils aus Juden, spielte bis die Trauung selbst vor sich ging, die herrlichsten Musikstücke. Endlich ward die Braut auf die Kufe, in der das Brod gekneten wird, gesetzt, (damit die Ehe eine recht brodgesegnete sei) und das Haarabschneiden begann; anstatt der Traurede, die bei uns gehalten wird, trat ein Soldat als Marschalk — der bei uns veraltete Possenmacher — auf und hielt in für alle Hochzeiten stereotypen Versen eine Rede, in der er die Braut auf ihre neue Pflichten als Gattin, Mutter und Jüdin aufmerksam macht, sie von ihrer Jugend Abschied nehmen ließ, und die guten Mütter zu den herzlichsten Thränen rührte. Nachdem die Braut unter dem üblichen Spruche naai •’sbNb m i:mns mit dem Schleier bedeckt war, begann der ■jm unter Begleitung der Trauermusik ein btt für die verstorbenen Eltern des Brautpaares. Dann wurde unter einem andern Marsch die Braut unter den Trauhimmcl, unter dem der Bräutigam schon stand, und dreimal um den Bräutigam herumgeführt; eine Sitte, die auch die Russen befolgen, und die vielleicht daher kommen mag, daß der Bräutigam seine Braut oft vor der Trauungsstunde nicht sah, und er sie wenigstens jetzt sich von allen Seiten besehen solle. — Nach der Trauung begann der Hochzeitsschmaus; und am Ende bestieg der Marschalk— Hochzeitsmarschall den Tisch, und rief die einzelnen Hochzeitsgcschenke aus, die iLvi;nhn ixa gegeben wurden. Dabei beeifern sich die Soldaten, dem Neuvermählten fast den ganzen Hausbedarf der neuen kleinen Wirthschaft herzustellen, und ihm den Anfang zu erleichtern. — Der Herr lohne ihnen für ihren Glauben an sein allgütiges und allmächtiges Walten. — Donau - Fürstenthinner. Bon der untern Donau, 25. Oktober (Voss. Zeit.) Wie nothwendig übrigens der Schutz der Konsulate noch in diesen Gegenden ist, geht aus folgendem Vorfall hervor: Ein Jude war vor einigen Jahren in Jassy ermordet worden. Da derselbe zu einem Bojaren mit 1000 Dukaten bestellt worden war, entstand ein sehr allgemeinrr Verdacht gegen denselben; doch da diese Herren über dem Gesetz stehen, blieb es dabei, und der Diener eines Bojaren wagte sich über diesen Judenmord gegen mehrere Juden auf öffentlicher Straße lustig zu machen. Es kam dabei zu einigen Thätlichkeiten, wofür ein Paar Juden in ein Paar Dukaten Geldstrafe genommen wurden. Unterdeß ist dieser Diener selbst Bojar geworden, und nun forderte er die strengste Bestrafung der Juden, mit denen er sich vor sechs Jahren geprügelt hat. Sie wurden zur Knute verurtheilt und wären wahrscheinlich schon zu Tode gehauen worden, wenn sie nicht zum Glück fremde Unterthanen gewesen wären. Es ist für sie von den betreffenden Konsulaten die Vollziehung dieses noch nach alter Barbarei schmeckenden Erkenntnisses Hintertrieben worden, obwol manche sich wundern, wie man nur auf den Gedanken kommen kann, daß ein Jude noch leben dürfe, nachdem er seine Hand an die hohe Person eines Bojaren gelegt. Marokko, London, 2. November. Der Zustand der Juden von Mogador ist in Folge der letzten Kriegsereigniffe ein sehr bedauernswürdiger, indem die Kabylen ihrer Habe sich bemächtigt und eine große Zahl von ihnen in das größte Elend versetzt worden sind- Einige Kaufleute der City, welche beträchtliche Handelsverbindungen mit Mogador unterhalten, haben eine Subskription zum Besten derselben eröffnet, an deren Spitze die Herren von Rothschild sich mit 508 L. St. gestellt haben.