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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 695

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 695 (sequence 15)
Language
German
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695 und höhern Schulbildung wie zwei entgegengesetzte Pole getrennt und entfernt. Während Tausende von Knaben in frühester Jugend den Ozean des Talmuds befahren und sich in dessen Tiefen versenken ohne einen andern Weg des Wissens und Erkennens zu ahnen, oder einen deutschen Buchstaben zu kennen; giebt es wieder andererseits viele ausgezeichnete jüdische Studenten, die kaum eine Zeile hebräisch lesen können, und von der Religion der Römer und Griechen mehr wissen als vom Glauben Israels. Die Folgen lassen sich leicht ermessen, und wenn nur der zehnte Theil unserer Jugend in dieser Schule eine zeitgemäße jüdische Schulbildung erhalten sollte, wird aus derselben eine Generation hervorgehen, von der die Bereinigung und Versöhnung der Extreme und die Sicherung der Zukunft der Gemeinde sich erwarten läßt. Uebrigens ist der Fonds derselben allerdings eine Fleischsteuer, die jedoch unbedcutenv und keineswegs drückend ist, nämlich 1 fl. Konv. Münze vom Stück Hornvieh. Es gereichet dieses Niemanden zum Vorwurf, und es ist nur zu bedauern daß die nichts weniger als reiche und vielseitig in Anspruch genommene Gemeinde die Existenz derselben auf keine andere Weise zu sichern im Stande war"). Die Schule wird auch nicht im November, sondern erst im Januar 1845 eröffnet werden können, da bis dahin weder das Lokal adoplirt, noch das Lehrpersonal angestellt sein dürste. Es hätte ferner von Ihrem Korrespondenten bemerkt werden dürfen, daß Herr Kohn bei der provisorischen Uebernahme des Direktorats aus den mit diesem Amte verbundenen Gehalte von 508 fl. Konv. Münze zu Gunsten der Schule Verzicht geleistet hat, wahrscheinlich weil der Schule für eine solche Gemeinde die Mittel nicht allzu reichlich zugemessen sind. Jedenfalls laßt sich das Beste von der Anstalt erwarten, und harren nicht blos viele hiesige Eltern mit heißer Sehnsucht auf die Eröffnung derselben, sondern auch nicht we- *) Unbegreiflich ist cs wie Ihr Korrespondent in No. 39 hat behaupten können, daß die Fleischpachter eine Absindungspauschale von 5060 fl. K. M. der Schute zahle gegen die Regel {«pan Nb '■'ibro NNiNVi Nnb72 ■»iW’N, und wenn dem also wäre, setzt nicht eine Abfindungspauschale eine Steuer voraus? Nun soll aber gar in Folge (höchstens Trotz) dieser Steuer der Fleischpreiö gefallen sein?! nige Familienväter aus der Umgegend werden ihre Kinder hierher schicken, und haben manche bereits den Anfang gemacht. .‘,nnN Aus Ungur», im November. (Privatmitth.) Der „Ungar" theilt Folgendes mit. „Bei der Dampfschifffahrtsgesellschaft haben die armen Handwerksburschen die Vergünstigung, gegen Vorzeigung ihres Wanderbuches bei den Fahrten mit den Schiffen nur für den dritten Platz zahlen zu dürfen; — sollte da zu Ungunst der jüdischen Handwerker eine Ausnahme geschehen? und doch scheint es so, da kürzlich in Wien der Fall vorkam, daß ein armer jüdischer Handwcrksbursche sein letztes Geld mit thränenden Augen vor allen Passagieren zusammenlcsen mußte, um statt des dritten, den zweiten Platz zu bezahlen. —• Sollte dies wirklich Statut sein? oder Willkür? Wir wollen zur Ehre Jener, welche die Statuten ausgearbeitet, lieber das Letztere glauben, hoffen aber, wenn dieses wirklich der Fall, daß man bei einer, der Armuth erwiesenen Wohlthat, keinen Konfessionsunterschied machen wird." — —. Aus Lugos, im krassüer Komitate wird berichtet: daß die l. Stände in der jüngst abgehaltenen General-Kongregation beschlossen haben, in das Gesuch der lugoser Handelsleute, um die Erlangung eines Privilegiums, einzugehen, wenn solches den Landesgesetzen angepaßt, und die Juden aus demselben nicht ausgeschlossen werden. Frankreich. Paris, im November. In den Arch. isr. de Fr. wird ein Programm mitgetheilt, welches von dem zu erwählenden Großrabbiner unterschrieben, oder die ganze Wahl lieber bis 1850 aufgeschoben werden sollte, wenn von den nach dem Gesetze zur Wahl qualisizirten Groß- und Gemeinderabbinen Niemand zur Unterschrift sich verständigen wollte. Nämlich: 1. Auf den Talmud könne man sich nicht berufen, wenn er Erklärungen dem Zustande der damaligen Wissenschaft gemäß, aber unseren gegenwärtigen Kenntnissen zuwiderlaufend, giebt. 2. Unsere Gebete athmen sicherlich großen Theils, ein tiefes Gefühl der Unterwürfigkeit gegen Gott, das Gefühl feiner Größe und Güte: aber zusammengestellt in verschiedenen Zeiten, müssen sie durch

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